Anonyme Post.

Wozu macht sich jemand die Mühe? Ich bekomme eine riesig grosse, wunderschöne Postkarte mit einem ausführlichen, handgeschriebenen Brief. Die Person ist offensichtlich gut gebildet, schreibt fehlerfreies Deutsch in ausführlichen Sätzen. Er erklärt seine Überlegungen gut verständlich. Mit einem meiner Leserbriefe ist er nicht einverstanden und wirft spannende politische Fragen auf. Das ganze hat einen Haken: Auf der Karte ist weder ein Absender noch eine Unterschrift.

Was also bleibt übrig? Anonyme Post kommt bei mir in den Abfall. Wer eine Meinung hat, aber nicht dazu stehen will, ist so gut wie jemand ohne Meinung.

In welcher Schweiz leben wir eigentlich, dass sich die Leute nicht mehr getrauen, mit ihrem Namen zu ihrer Meinung zu stehen?

underkill

Würde die Bernerzeitung das Jahr über nur einen Viertel so viel über die Universität Bern berichten, wie sie in vier Tagen über das Gurtenfestival bringt, so wären wir schon leidlich gut informiert. Leider ist es so, dass sich im Kanton Bern keine Sau für diese drittklassige Provinzuni interessiert.

Dafür hat die Bernerzeitung eine mit Journalistenpreisen dekorierte Partynudel vom Dienst, die sich zu jedem Fressen, Saufen und Holleien einfindet, das in Bern veranstaltet wird. Am Gurtenfestival ist die Claudia Salzmann augenscheinlich 24h pro Tag, vier Tage lang mitten drin. Um live Bericht erstatten zu können, benötigt sie einen ganzen Stab. Mindestens sieben oder acht Leute mussten im Schichtbetrieb eingeteilt werden, um mit dieser Wildsau mithalten zu können.

Ansichten von innen, Berichte aus der Uni Bern, das wäre schon sehr viel Wagnis verlangt. Immerhin schafft es der Generalsekretär der Uni, Fürsprecher Dr. iur. Christoph Pappa, jedem Ehrverletzung vorzuwerfen, der sich kritisch äussert. Hintenherum erfahre ich von BZ-Journalisten, die vom Unispital aus mit Klagen bedroht werden. Die BZ-Profi lassen sich solches gefallen. Mit dem Berufsstolz ist es in dieser Redaktion nicht weit her.
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Die Zombie-Universität

An der ETH Zürich kann man ab diesem Herbst Medizin studieren und darin den Bachelorabschluss machen. Um in der Schweiz als Arzt zu praktizieren, muss man aber bis zum Master weiterstudieren. Zu diesem Zweck hat die ETH Kooperationen mit den Unis Zürich und Basel geschlossen. Sehr zum chagrin des Berner Erziehungsdirektors, des Grünen Bernhard Pulver, hat die ETH die Uni Bern bei dieser Kooperation im Medizinstudium links liegen gelassen. In seinen öffentlichen Äusserungen behauptet Pulver, er wisse nicht, warum die ETH ausgerechnet mit der grössten medizinischen Fakultät der Schweiz nicht zusammenarbeiten wolle.

Einen naheliegenden Grund kenne ich: Die Uni Bern leidet unter einer zerstörerischen Führungskrise. Sie hat ein miserables Fehlermanagement in der Lehre. Kritik an der Führung von Universität und Fakultäten wird regelmässig mit dem Vorwurf der Ehrverletzung quittiert. Die Universitätsleitung und die Fakultäten verzichten darauf, Fehler in der Lehre zu erkennen und zu beheben. Die Qualitätssicherung beschränkt sich darauf, der Akkreditierungsstelle reproduzierbare statistische Masszahlen zur Lehre abzuliefern. Ob die Studenten etwas brauchbares lernen, ist der Qualitätssicherung egal.

Auf diese Weise wird die Uni Bern von der nährenden Mutter des Wissens zum Untoten der Wissenschaft, von der Alma Mater zur Zombie-Universität.
Würde die ETH im Ernst ihre Bachelor in Medizin an die Uni Bern zur Weiterbildung weiterreichen, so täte die ETH ihren guten Ruf über Bord werfen. So verrückt ist an der ETH niemand.
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Das Füfi und Weggli-Gesetz.

Während ich vor mich hin sinne, was sich die Schweizer wohl gedacht haben, als sie dem neuen Energiegesetz zustimmten, finde ich auch schon die Lösung, wie die Parlamentarier sich das vorstellen. Die eidgenössischen Räte wollen Versorgungssicherheit schaffen, indem sie die Stromproduktion unter ein eidgenössisches Zwangsregime stellen.

Man kann das Energiegesetz unter mindestens drei Gesichtspunkten sehen: Unerreichbare Ziele, Subventionswirtschaft, AKW-Verbot.

Vom Geldverteilen profitieren so viele Leute, dass es eigentlich nur Gewinner gibt – ausser dass wir alle die Rechnung zahlen. Mir ist aus der Vergangenheit keine Subventionswirtschaft bekannt, die nicht mit überbordender Bürokratie und kleinlichen Eingriffen in alltägliche Freiheiten einhergeht. Dafür dürfen die Jungen dann wieder demolierend durch die Städte ziehen und „Freiraum“ verlangen.

Das AKW-Verbot macht das Gesetz für sehr viele Leute spannend. Das Problem ist, dass den meisten nicht klar ist, dass wir 20 Terawattstunden pro Jahr an Atomstrom produzieren und verbrauchen und dass das huerendammi viel ist.

Was mir aber am meisten zu denken gibt, sind die nicht erreichbaren Ziele. Wie kommt es, dass sich die sonst so nüchternen Schweizer in Füfi-und-Weggli-Gesetz andrehen lassen?

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Nachgerechnet.

Laurina Waltersperger in der „Schweiz am Wochenende“, 13./14. Mai 2017, hat sich die Mühe gemacht und nachgehakt: Der Tesla von Frau Bundesrat Doris „Bibi“ Leuthard verbrauchte im Jahr 2016 9436 kWh. Das ist der Energieverbrauch von drei durchschnittlichen Haushalten zu 3 Mitgliedern in einem schweizerischen Mehrfamilienhaus.

Wollten die Schweizer ihre sechs Millionen Autos mit Elektromobilen ersetzen, so bräuchten wir zusätzlich 15 Terrawattstunden Strom. Das ist die Stromproduktion der beiden AKW Gösgen und Leibstadt zusammen. Diese Zahlen ergeben sich aus den übrigen Angaben, die Laurina Waltersperger in ihrem Artikel nennt.

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