Leseempfehlung

Bekanntlich gibt der Bundesrat der schweizerischen Eidgenossenschaft jedes Jahr ein paar Dutzend Millionen Franken für seine spin doctors aus. Das sind professionelle Kommunikationsfachleute, die die Presse mit vorgefertigten Wahrheiten versehen, das Publikum vor den Abstimmungen einseifen, die eigenen Erfolge ins rechte Licht rücken und die Misserfolge geschickt aus dem Blickfeld entfernen. Eines von diesen graphisch durchgestalteten, von Luxus strotzenden, vierfarbig gedruckten Behördenpropaganda-Blättern ist das Magazin „umwelt – Natürliche Ressourcen in der Schweiz“, herausgegeben vom Bundesamt für Umwelt.

Trotz meiner politischen Vorbehalte empfehle ich jedem aus meinem Fachgebiet, sich das Heft zuschicken zu lassen und es mit genügend gesundem Menschenverstand zu lesen. Das Abonnement ist gratis. Im aktuellen Heft fand ich spannende Reportagen über die Sanierung grosser Abfalldeponien in der Schweiz.

Abgesehen davon ist noch ein Interview mit meinem Chef an der Uni Bern darin. Wenigstens weiss ich jetzt, dass es Dinge gibt, die diesen Professor interessieren.

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failsafe

Die Studentin kommt zu mir mit „Du als Botaniker“, zeigt mir ein Zweigende von einer Weisstanne, wir rätseln, ob der kleinen braunen Chnubel, die da auf der Zweigunterseite zwischen den Nadeln hervorstehen, ob das neue männliche Zäpfchen von diesem Jahr sind oder solche vom letzten Jahr. Man bekommt diese nicht jeden Tag zu sehen und diese Sorte Details, wann hatten wir das im Unterricht?

Männliche Blüten der Weisstanne. 1) Zweig von 2013, verblühte Blüten von 2014. 2) Zweigspitze von 2014, neue Zäpfchen für dieses Frühjahr 2015. 3) Zweigknospe für den Frühling 2015

Männliche Blüten der Weisstanne. 1) Zweig von 2013, verblühte Blüten von 2014. 2) Zweigspitze von 2014, neue Zäpfchen für dieses Frühjahr 2015. 3) Zweigknospe für den Frühling 2015

Schneebruch im Herbst und Winterstürme hatten in dieser Waldabteilung am Eschenberg gewütet. Kubikmeterweise wurden die Wipfel von 30 Meter hohen Weisstannen weggebrochen und zu Boden geschleudert. Dazwischen Zweige, Äste aller Grössen. Ich verspreche, der Sache nachzugehen und in meiner umfangreichen Privatbibliothek nachzuforschen.

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Hornochsen!

Arthur George Tansley war ungefähr in meinem Alter, als er am 18. Dezember 1918 einen kampferprobten Bericht an Frederic Clements schrieb. Tansley war damals schon ein berühmter Biologe. Ich bin ein berüchtigter Ökologiestudent, der auch gerne ein Ökologe sein möchte. Immerhin, wer meine Biographie kennt, weiss, dass ich persönlich nicht weniger geleistet habe, auch wenn es gegen aussen kaum sichtbar wird.

Tansleys Worte könnten fast von mir stammen:

„I’ve been getting some experience in the ‚Gentle art of making enemies‘ lately. The more you keep your temper the madder they get. Reactionary forces are pretty strong here, and it will be a hard struggle to get anything progressive done. But I am going to have a good try.“

Zitiert in
Golley, Frank B. (1996): A History of the Ecosystem Concept in Ecology: More than the Sum of the Parts

Der Arschlochposten.

Ich komme noch einmal auf das Thema zurück, das Attentat auf die Charlie Hebdo Redaktion vor zwei Wochen. Für mich ist es ein Lehrstück darüber, wie billig Schweizer Journalisten heutzutags davonkommen, mit wie wenig sich das Publikum zufrieden gibt, wie leicht man einfach so über das wesentliche hinweggehen kann.

Als Ökologe frage ich mich immer wieder, welche Informationen wirklich an das interessierte Publikum weitergegeben werden.

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Grüezi Herr Brechbühl, …

Es gibt sie, die grossen Aufsteller in meinem Bloggerleben. Ich schwelge, wenn jemand von meinem Wissen etwas haben möchte. So kann ich von meinem wenigen von Herzen teilen und weiss dabei, dass es geschätzt wird.

Eine Leserin möchte wissen, wie sie bei sich einen Moosgarten anlegen kann. In ihrem Garten hat es sowieso schon viel Moos, das ganze Tal ist schattig, alles ist nass und das Gras ist lästig zum Pflegen.

Moosgarten von Saihō-ji

Moosgarten von Saihō-ji, Bild aus wikipedia

Als dahergelaufener, Allerwelts-Ökologiestudent kann ich es ja versuchen, mein bestes geben. Hier ist darum meine Antwort:

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