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Würde die Bernerzeitung das Jahr über nur einen Viertel so viel über die Universität Bern berichten, wie sie in vier Tagen über das Gurtenfestival bringt, so wären wir schon leidlich gut informiert. Leider ist es so, dass sich im Kanton Bern keine Sau für diese drittklassige Provinzuni interessiert.

Dafür hat die Bernerzeitung eine mit Journalistenpreisen dekorierte Partynudel vom Dienst, die sich zu jedem Fressen, Saufen und Holleien einfindet, das in Bern veranstaltet wird. Am Gurtenfestival ist die Claudia Salzmann augenscheinlich 24h pro Tag, vier Tage lang mitten drin. Um live Bericht erstatten zu können, benötigt sie einen ganzen Stab. Mindestens sieben oder acht Leute mussten im Schichtbetrieb eingeteilt werden, um mit dieser Wildsau mithalten zu können.

Ansichten von innen, Berichte aus der Uni Bern, das wäre schon sehr viel Wagnis verlangt. Immerhin schafft es der Generalsekretär der Uni, Fürsprecher Dr. iur. Christoph Pappa, jedem Ehrverletzung vorzuwerfen, der sich kritisch äussert. Hintenherum erfahre ich von BZ-Journalisten, die vom Unispital aus mit Klagen bedroht werden. Die BZ-Profi lassen sich solches gefallen. Mit dem Berufsstolz ist es in dieser Redaktion nicht weit her.

Die Bernerzeitung bringt alle zwei oder drei Jahre ein harmloses Interviewlein mit dem Rektor, wo der seine leisetreterische Sicht von ein paar Projektlein bringen darf. Drei Jahre später erinnert sich keiner mehr und nachhaken, das wäre von den Journalisten zu viel verlangt. Jedes Jahr pünktlich im Herbst kommt dafür der Chef der Verwaltungsdirektion, Odermatt und prahlt damit, dass noch einmal 1000 Studenten mehr eingeschrieben sind und jammert, dass noch weniger Geld vom Kanton kommt.

Der Erziehungsdirektor des Kantons Bern schwebt auf einer Wolke von Phantasiegebilden und hat schlicht keine Ahnung, was an der Uni wirklich abläuft. Auf dem Latrinenweg erfahre ich, dass er sich einmal pro Woche mit der Unileitung trifft. Was er dort tut, habe ich keine Ahnung. Immerhin haben sie den Pulver genug eingeseift, dass er sich vorstellen kann, er werde nach seiner Zeit als Regierungsrat dann eine Funktion an der Uni haben.

Der Grosse Rat des Kantons Bern ist derweil vor allem damit beschäftigt, die 1.3 Milliarden Franken aus dem Nationalen Finanzausgleich zu verteilen. Die Subventionen, mit denen der marode Kanton Bern vom Rest der Schweiz durchgefüttert wird, sind jedes Jahr 100 Millionen mehr. Wie ein Rudel Wölfe machen sich unsere kantonalen Parlamentarier über diesen Haufen Geld her und nennen das dann „Sparprogramm“, weil sie in ihrer unersättlichen Gier locker zwei Milliarden mehr von den Schwyzern, Zugern, Zürchern abzocken möchten.
Dass der Kanton Bern auch einfach produktiver werden könnte und dass man sich zum Beispiel kümmern könnte, wie die halbe Milliarde für die Uni sinnvoll eingesetzt würde, indem man politisch Vorgaben machen täte, solches ist vom Grossen Rat zu viel verlangt.

In dieser Situation wäre eine kritische Presse mit engmaschichger Berichterstattung zum Geschehen an der Uni Bern von zwingender Notwendigkeit. Aber die Bernerzeitung hat das nicht nötig. Augenscheinlich kann man mit aufwendiger Berichterstattung vom Gurten die Lücken zwischen den Inseraten gewinnbringender füllen.

P.S.
Bei mir ist das vergebliche Liebensmüh. NoScript stoppt all den zusätzlichen Werbe-Content-Müll und Adblock Plus die gewöhnlichen Inserate dazu. Wenn Ihr also etwas von mir wollt, dann müsst Ihr es schon mit journalistischer Leistung machen.

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