Die Frage der Ehre.

Regelmässig, alle drei oder vier Jahre, musste ich in den letzten 20 Jahren einen Prozess gegen eine bernische Verwaltung führen. Ich gewann fast immer. Ich habe schon zweimal gegen das Inselspital gesiegt, dann einmal gegen die Gesundheitsdirektion und einmal gegen die Polizeidirektion. Vor zwei Jahren siegte ich auch schon ein erstes mal gegen die Erziehungsdirektion. Zur Zeit sind zwei Verfahren in Steuersachen hängig, wo ich ein paar Tausend Franken zurückfordere. Verloren habe ich einmal gegen die Gemeindedirektion.

Ich wurde vor 22 Jahren unverschuldet Opfer eines Autobahnrasers. Ich war damals mitten in meiner Diplomarbeit als Vegetationsökologe. Es ging um die Wiederbewaldung im Gebirgswald nach dem Sturm Vivian. Um im zweiten Feldsommer keine Zeit zu verlieren, kaufte ich mein erstes Auto und wurde prompt mitten im Winter auf der Autobahn abgeschossen.

Was mich das Leben seither gelehrt hat: In der Schweiz wird Anstand mit Wehrlosigkeit verwechselt. Es genügt nicht, wenn Du erklärst was Du brauchst und warum und Du ein Recht darauf hast. Deine Forderungen anständig, korrekt, im Zusammenhang richtig begründet anzubringen, hat fast ausnahmslos zur Folge, dass die Leute Dich als schutzlos wahrnehmen und Dich verarschen. Das gilt eigentlich immer dort, wo Du nicht weglaufen und einen entgegenkommenderen Geschäftspartner suchen kannst. Es gilt zum Beispiel im Umgang mit Versicherungen und auch mit Ämtern.

Im Kanton Bern ist der zuständige Regierungsrat immer die erste Beschwerdeinstanz für Entscheide der Verwaltung. Ich habe in all diesen Jahren noch nie, nicht einziges mal, erlebt, dass ein Regierungsrat seine Verwaltung zurückpfeift und einen Fehler korrigieren lässt. Man wird gezwungen, vor Verwaltungsgericht zu klagen. Ich habe in diesen Jahren also schon alles gesehen an Argumenten, die die bernischen Verwaltungen so von sich geben. Ich habe die faulsten und dümmsten Ausreden zu lesen bekommen, meinen Mut zusammengenommen, vor Gericht geklagt und in der Mehrheit der Fälle recht bekommen.

Die Uni Bern und die Erziehungsdirektion sind allerdings schon sehr spezielle Fälle. Deren Vorgehensweisen sind zumindest originell in der Weise, wie sie geltendes Recht ignorieren. Vor zwei Jahren bekam ich vor Verwaltungsgericht in Sachen Akteneinsicht an der Uni Bern teilweise Recht. Darin bestimmte das Verwaltungsgericht unter anderem, dass ich nur einen Drittel der Verfahrenskosten bei der Erziehungsdirektion zahlen muss. Von 400 Franken sollte ich also nur einen Drittel zahlen. Ich überwies 140 Franken und werde seither mit Betreibungen, der Androhung von Gerichtsverfahren und einer Rechtsöffnung bedroht für den Rest der 400 Franken. Die Erziehungsdirektion ist dermassen eingenommen von sich, dass sie jetzt echt nicht merkt, wenn sie einen Prozess verliert. Die Uni hat es auch nicht gemerkt. Die Akten, auf die ich nach Verwaltungsgerichtsurteil ein Recht habe, hat mir die Uni nie geschickt.

Was bernische Verwaltungen betrifft, so habe ich wirklich fast alles schon gesehen, was Dienstverweigerung, Pflichtvergessen und Verletzung von elementaren Vorschriften betrifft. Allerdings, das eine ist mir wirklich noch nie begegnet: Die Uni Bern ist die einzige von allen bernischen Behörden, die konsequent jede Kritik, jedes Nachhaken, jedes noch so sachbezogene Beharren auf den Rechten eines Studenten quittiert mit einem eingeschriebenen Brief, wo man sich über Ehrverletzung beklagt. Die Ehre der Angestellten der Uni Bern ist verletzt.

An der Universität von Staat und Republik Bern zu arbeiten, ist augenscheinlich nicht vor allem eine Pflicht den Steuerzahlern, Stimmbürgern und Studenten gegenüber, sondern eine Frage der Ehre.

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