Die Zombie-Universität

An der ETH Zürich kann man ab diesem Herbst Medizin studieren und darin den Bachelorabschluss machen. Um in der Schweiz als Arzt zu praktizieren, muss man aber bis zum Master weiterstudieren. Zu diesem Zweck hat die ETH Kooperationen mit den Unis Zürich und Basel geschlossen. Sehr zum chagrin des Berner Erziehungsdirektors, des Grünen Bernhard Pulver, hat die ETH die Uni Bern bei dieser Kooperation im Medizinstudium links liegen gelassen. In seinen öffentlichen Äusserungen behauptet Pulver, er wisse nicht, warum die ETH ausgerechnet mit der grössten medizinischen Fakultät der Schweiz nicht zusammenarbeiten wolle.

Einen naheliegenden Grund kenne ich: Die Uni Bern leidet unter einer zerstörerischen Führungskrise. Sie hat ein miserables Fehlermanagement in der Lehre. Kritik an der Führung von Universität und Fakultäten wird regelmässig mit dem Vorwurf der Ehrverletzung quittiert. Die Universitätsleitung und die Fakultäten verzichten darauf, Fehler in der Lehre zu erkennen und zu beheben. Die Qualitätssicherung beschränkt sich darauf, der Akkreditierungsstelle reproduzierbare statistische Masszahlen zur Lehre abzuliefern. Ob die Studenten etwas brauchbares lernen, ist der Qualitätssicherung egal.

Auf diese Weise wird die Uni Bern von der nährenden Mutter des Wissens zum Untoten der Wissenschaft, von der Alma Mater zur Zombie-Universität.
Würde die ETH im Ernst ihre Bachelor in Medizin an die Uni Bern zur Weiterbildung weiterreichen, so täte die ETH ihren guten Ruf über Bord werfen. So verrückt ist an der ETH niemand.

Man könnte meinen, das treffe nur mich als kritischen Quälgeist, den ewigen Studenten in dem marginalisierten Spartenstudium der Pflanzenökologie. Die Wahrheit ist, dass selbst arrivierte Karriere-Akademikerinnen aus grossen Berner Fakultäten mit dem Vorwurf der Ehrverletzung eingedeckt werden, wenn sie die Führung des Betriebes kritisieren. Ehrverletzung ist die Standardantwort, sobald ein Angehöriger der Uni mit dem Finger auf Misstände zeigt. Anderes als Ehrverletzung kommt dem Generalsekretär Dr. iur. Christoph Pappa nur ausnahmsweise in den Sinn.

Etwas abgeschlagen kommen auf den Rängen zwei und drei die beiden weiteren Standardargumente aus der Schreibe von Christoph Pappa als Chef des Rechtsdienstes der Uni Bern: „Rechtsmissbrauch“ und „mangelnde Urteilsfähigkeit“. Wortgewaltig in seitenlangen Tiraden bezichtigt Christoph Pappa die Leute des Rechtsmissbrauches, wenn sie sich zur Wehr setzen gegen die Übergriffe der Fakultäten und der Universitätsleitung.

Bereits vor anderthalb Jahren hörte ich dann von seinem skurrilsten Argument: Er spricht den Frauen die geistige Urteilsfähigkeit ab. Ich wunderte mich damals, dass ausgerechnet ich selber mit dieser Unterstellung noch nie konfrontiert war. Immerhin bin ich der einzige im Verein, der einen staatlich zertifizierten Dachschaden hat und dafür auch jeden Monat entschädigt wird.

Diesen Frühling hat es Christoph Pappa dann nachgeholt und mich dem Erziehungsdirektor Regierungsrat Pulver gegenüber sinngemäss als geistig umnachtet hingestellt. Der Erziehungsdirektor fand gefallen an diesem Argument und beschloss, die Ehre des Christoph Pappa sei verletzt worden, als ich schrieb, dieser trage nichts zur Lösung der Probleme in der Lehre bei.

Advertisements

Was Du denkst:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s