Die Kotelett-Touristen.

Am Mittwoch fuhr ich zum ersten mal nach Waldshut, ennet dem Rhein, um Kommissionen zu erledigen. Meine Motivation war ziemlich einfach: Ich kaufe oft technisches Zubehör, Bauteile, Werkzeug im nahen und fernen Ausland. Ich habe in Waldshut ein Postfach, hole die Waren dort ab und bringe sie persönlich über die Grenze. Ich spare mir damit Kosten und Ärger mit der Schweizerischen Post. Die Fillialleiterin auf der Post hier im Eggiwil meinte vor fünf Jahren noch, sie mache einen guten Witz, als sie als Antwort auf eine Reklamation meinte, ich solle die Sachen doch selber bringen und holen.

Jetzt sind wir also so weit. Mit meiner Behinderung ist das eine stolze Reise, die ich während 8 Monaten sorgfältig vorbereitet hatte, bei der sowohl Zeitablauf, wie Route und Zwischenhalte minutiös geplant werden mussten. Sonst hätte ich keine Chance da durchzukommen.

Neuerdings macht die Schweizerische Post beim Import Terror mit überrissenen Kosten für die Verzollung. Da kann es locker passieren, dass ich der Schweizerischen Eidgenossenschaft fünf Franken und sechzig Rappen Mehrwertsteuer schulde und die Post nimmt mir so nebenbei 30 Höger ab, dafür, dass sie diese 5.60 einkassieren darf.

Das ist dieselbe Post, die seit 2 Jahren ihren Kunden den Krieg erklärt, die uns 1.8 Milliarden Franken pro Jahr Gewinn abknöpft. Soviel Geld zahlt sie der Schweizerischen Eidgenossenschaft als Dividende aus, nachdem sie bereits Bundes-, Kantons-, und Gemeindesteuern auf diesem Gewinn ablieferte.

Das Fass zum Überlaufen gebracht hat der Vorfall vor drei Wochen. Ich hatte ein Buch aus Deutschland kommen lassen. Die Antiquarin hatte es per Einschreiben geschickt. Einschreiben sind bis zu einem Warenwert von ein paar hundert Euro versichert. Dieses Buch kostete gebraucht 70 Euro und es kam im zerstörten Zustand bei mir an.

Ich fahre also zum Schalter, fülle Formulare aus. Die Postangestellte müht sich mit dem PC ab, ruft Eingabemasken und Hilfemenues auf, tippt im Schneckentempo meinen Namen ein, schindet Zeit, um sich nicht zu blamieren. Ich lasse das Buch zurück, zusammen mit der Verpackung, schreibe das nötige von Hand auf einen Zettel, damit sie die Eingabemaske in Ruhe ausfüllen kann, wenn dann jemand dabei ist, der weiss wie man das macht.

Ein paar Tage später bekomme ich ein Telefon, ich fahre zurück an den Schalter, unterschreibe den Ausdruck und bin nett. Ich geben den Schaden mit 50 Euro an und erkläre mich bereit, das zerstörte Buch zu behalten. Die Wahrheit ist, wollte ich das Buch neu beschaffen, so müsste ich eine langwierige Suche veranstalten und bekäme den Ersatz nicht unter 300 Euro. Was ist der Schluss von der ganzen Mühe: Die Post schreibt an eine Adresse, wo ich vor 30 Jahren zum letzten mal gewohnt hatte, einen Brief. Langfädig wird darin ausgebreitet, sie zahle den Schaden nicht, ich solle selber mit der deutschen Post schauen, dass diese zahle. Den Brief bekomme ich nur per Zufall. Sonst würde ich nicht einmal wissen, dass man mich hintergeht und der Brief kommt zu einer Zeit, wo die Frist für die Meldung in der deutschen Post auch schon abgelaufen ist.

Die Frau Postdirektor Ruoff erzählt in Zeitung und Fernsehen, das sei jetzt Privatwirtschaft, was diese Post mit ihren Kunden macht. Vielleicht kann man die Ndrangheta auch als „Privatwirtschaft“ bezeichnen. Aber die funktioniert nur mit Leuten, die nicht freiwillig „Kunde“ sind.

Ah ja, und was ist jetzt mit den Kotelett-Touristen? Im Blick lesen wir ja jedes Jahr von neuem, wieviele Milliarden Franken die Schweizer beim Einkaufstourismus im Ausland ausgeben, weil sie hier ein paar Franken für Koteletts und dort ein paar für Lammkeulen sparen wollen.

Im Abteil neben mir sitzen tatsächlich zwei Rentner von denen der eine während der ganzen 27 Minuten Fahrt von Baden nach Waldshut von Fleischstücken erzählt, die er im Ausland gekauft oder im Ausland verspiesen hat. Er erzählt das mit genüsslichen Augen, mit Stolz im Gesicht ob dieser ganzen Palette. Er reiht eine Gelegenheit von gutem Kauf an einen anderen gelungenen Restaurantbesuch. Die gesamte Erzählung besteht aus nichts ausser unterschiedlichen Bezeichnungen von rohem oder gekochtem Fleisch. Es sind nur Namen von Fleischprodukten, die ganze Sprachgewandheit von Bankmetzgern. Ganz selten sind noch ein paar Härdöpfel dabei oder etwas Rotwein. Gemüse kommt keines vor in dem Bericht und nicht ein einziges, wirklich kein ganz allereinziges mal fallen die Worte Stutz, Chlotz, Höger, Franken oder Euro.

Geld spielt für diese Leute keine Rolle. Die Rolle des Geldes ist reine Phantasie der geplagten Schweizer Detailhändler. Hier geht es um etwas anderes, darum, dass den Schweizern das Schweizersein verleidet wird von der Elite und von den Besserwissern in den Kundendiensten und dem Pöbel in den Amtsstuben.

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