Unvernünftig.

Der Kollege meint, ich solle einmal in mein Blog schreiben, was meine Flucht an die ETH Zürich kostet. Ich bin zuwenig gesund, ganze Tage an der ETH einfach so durchzuhalten. Wenn ich in Zürich bin, benötige ich ein Hotelzimmer, das ich in zwei Minuten Gehdistanz direkt auf der anderen Strassenseite finde. Ich zahle dort inzwischen einen Rabattpreis, drei Nächte kosten wenig mehr als am Anfang zwei Nächte kosteten. Essen tue ich meistens aus Büchsen und Plasticbeuteln. Getränke mache ich selber mit dem Tauchsieder in einer weithalsigen Thermosflasche.

Mit Transporten, wenig Essen auswärts, Schulbüchern, Kostenbeiträge an Exkursionen, sepraten ETH-Gebühren, alles eingerechnet, kostet mich ein Jahr an der ETH 10’000 Franken zusätzlich zu meinen normalen Lebenshaltungskosten und zusätzlich zu dem was die Uni Bern von mir abkassieren möchte (da wehre ich mich allerdings inzwischen).

Die Reise von mir zuhause im Emmental an die Vorlesung in der ETH dauert je nach Verkehr 2.5 bis 3 Stunden. Die Rückreise, mit Ruhepausen eingerechnet, ebensoviel. Würde man es in der Eile auf den letzten Drücker machen, so täte man es pro Weg mit wenig über 2 Stunden hinbekommen. Ein Logis suchen in Zürich, brächte bei meinem Gesundheitszustand ein halbes Jahr harte Arbeit mit sich. So lange bräuchte ich, bis ich mich in meiner neuen Umgebung zurechtfinde und funktioniere. Das sind die Folgen der Hirnverletzung, die ich vor 21 Jahren erlitten hatte.

Die himmeltraurigen Zustände an der Uni Bern habe ich ja schon beschrieben: Ordentliche Professoren, die seit Jahren ihre Pflichten vernachlässigen, teils sogar konsequent ihre eigenen Vorlesungen schäwnzen. Studenten, die nur der Klotz am Bein sind, das Alibi, damit man eine Stelle haben und Forschungsgeld verbraten darf. Qualitätskontrolle, die sich einen Deut um die Unterrichtsqualität schert, weil sie einzig die Aufabe hat, reproduzierbare statistische Masszahlen zur Qualität zu liefern, damit man Bundessubventionen abzügeln kann. Studenten, die brav, angepasst, sich alles gefallen lassen und später als MSc in unemployability sciences von der Uni Bern graduieren und während Jahren von einem Praktikum zum nächsten hausieren, mit Monatslöhnen unterhalb des betreibungsrechtlichen Existenzminimums. Eine Universitätsleitung, die ihre Führungsverantwortung verweigert, einzig auf Profilierung und auf Geldmacherei schielt und den ganzen Laden ihrem Chefjuristen überlässt, der wiederum sich in der Machtfülle seiner Chefs suhlt. Die Erziehungsdirektion, die den Kopf in den Sand steckt. Nicht zu vergessen, dass man eine Gemeinschaft an ihrem Umgang mit ihren schwächsten zu messen hat: Als Behinderter wurde ich zielgerichtet, unverfroren mit meiner Behinderung als Vorwand, aus Lehrveranstaltungen gemobbt.

Das tausche ich gegen einen ETH Betrieb, wo sich die Professoren für den Studienerfolg einsetzen, sich über die Berufsaussichten informieren, direkte Rückmeldungen von Arbeitgebern einladen, Studenten, die in zahlreichen Kommissionen mitarbeiten, bei der Ausgestaltung des Lehrplanes Stimmrecht haben und dieses mit viel Arbeitsaufwand auch einsetzen. In einem lebendigen Exkursionsbetrieb machen die Dozenten von sich aus die besten Vorschläge, wie ich trotz meiner Behinderung integriert werden kann. Sie denken mit und kommen mit den besseren Lösungen, als ich selber sie mir auszudenken vermag.

Für all das lohnt sich mein Einsatz. Ich habe zwanzig Jahre gekämpft, meine Gesundheit so gut ich kann wiederhergestellt, alles gegben, dieses Studium abzuschliessen. Warum sollte ich mich nach alledem ausgerechnet mit der Uni Bern zufrieden geben? Was die Noten betrifft, so halte ich mit den Jungen mit und habe einen Notendurchschnitt von 5.5 an der ETH Zürich. An der Uni Bern, wo man mit allen möglichen Schlaumeiereien meinen Einsatz schlecht machen will und wo Studienreglemente einzig als unverbindliche Handlungsanweisungen konsultiert werden, ist mein Notendurchschnitt immer noch bei einer guten 5.

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Ein Gedanke zu „Unvernünftig.

  1. Ha! Da hatte Ihr Kollege aber so was von recht … und da steht es nun in Ihrem Blog.

    Wenn ich mir all die Berichte welche ich über die Jahren gelesen habe vor dem Hintergrund dieses Wissens denke, dann siehts aber gar nicht gut aus mit den Obrigkeiten im Kanton Bern. Egal ob das nun die politische Obrigkeit oder diejenige der Uni Bern betrifft.

    Der Fisch beginnt bekanntlich vom Kopf her zu stinken.

    Was wohl mit dem Stimmvolk los ist? Oder sind die entmündigt und/oder mundtot?

    Ist das was in der Uni Bern abgeht einer demokratischen Kultur noch würdig?

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