Händchen halten mit Dalai Lama.

Heute ist der letzte Tag im Amt für Rektor Täuber von der Uni Bern. In Bezug auf sein Wirken kommen mir folgende Worte in den Sinn: schal, profillos, bedeutungslos. Täuber ist nie hingestanden und hat Verantwortung übernommen. Seine Entscheidungen hat er an den „Generalsekretär“ delegiert. Das ist der Chefjurist in den Rektoratsdiensten, Fürsprecher Dr. iur. Christoph Pappa. Pappa ist vor allem anderen ein Machtmensch. In meinen Kontakten mit ihm und mit seinem Rechtsdienst fällt die mangelhafte Kenntnis selbst der einfachsten Rechtsgrundsätze auf, im Verwaltungsrecht, im Schulrecht, beim Datenschutz.
Die grossen Themen der Unileutung sind augenscheinlich die Profilierung, die Ehre der Würdenträger, Händchen halten mit dem Dalai Lama. Noch deutlicher kann man es machen, wenn man die beiden Interviews der Bernerzeitung vergleicht, die Täuber damals zum Amtsantritt und heute zu seinem Rücktritt bestritt.

Bei seinem Amtsantritt redete Täuber der Reihe nach über Ranking, Fremdfinanzierung, Gönner, sowie die Anzahl deutscher Professoren und Studenten. Beim Rücktritt redete Täuber der Reihe nach über Ranking, Fremdfinanzierung, Gönner, sowie über Qualitätsverbesserung in der Lehre und über Händchenhalten mit dem Dalai Lama.

Profilieren ist das grosse Schlagwort bei Täuber. Eine grossartige Uni profiliert sich. Sie hat zum Zweck, ihren Angehörigen Profilierung zu ermöglichen. Wenn man so denkt, dann wird die Uni zum Selbstzweck. Diese Uni ist aufgeplustert, glänzt und brilliert, aber wozu?

Das entscheidende Wort allerdings fehlt in beiden Interviews von Täuber: „Dienen“ heisst das. Wie kann die Uni dienen? ihren stakeholders? ihren Studenten, die hier ahnungslos die besten Jahre ihres Lebens hingeben? den Stimmbürgern, die das gut finden und mitmachen sollen? den Steuerzahlern, die Jahr um Jahr fast eine Milliarde Franken hinüberschieben?

Die Journalisten der Bernerzeitung verzichten auf eigenes Recherchieren. Sie machen sich und ihrer Mitwelt das Leben einfach. Sie verzichten auf Faktensammeln und daraus kritische Fragen zu bündeln. Solch langweilige und profillose Zeitungen wundern sich dann, wenn die Abonnenten fehlen. Man lässt sich von Täuber mit seichtem Gerede abspeisen. Fragen wären genug da. Man wähnt sich am Planschen im seichläien Murtensee und nicht beim Schwimmen in der reissenden Aare.

In Täubers Amtszeit fällt nämlich ein einschneidender Vorgang: Die Uni hat ihre politische und administrative Autonomie erhalten. Entscheide, die früher der Regierungsrat politisch fällte, sind nun in der Kompetenz der Unileitung. Wie hat sich dieser Übergang bewährt? Welche der ambitiösen Ziele konnte die Uni verwirklichen? Was von den politischen Versprechen, die der schmalbrüstige Regierungsrat Pulver dem Grossen Rat gemacht hatte, ist erfüllt worden?

Auch zu dieser neuen Autonomie gab Täuber mitten in seiner Amtszeit der Bernerzeitung ein Interview. Dort ging es der Reihe nach um Profilierung, darüber wie man jetzt den Sprung nach vorne in den grossartigen Amerikanismus wagen werde. Ranking, Fremdfinanzierung, internationale Ausstrahlung, das waren die grossen Ziele.

So kommt es dann, dass die ordentlichen Professoren regelmässige emails von der Unviersitätsleitung erhalten, wo man ihnen einschärft, Drittmittel zu beschaffen, die Uni fremd zu finanzieren. Qualität in der Lehre ist belanglos. Meine Recherchen ergaben danach, dass die sogenannte „Qualitätssicherung“ in der Lehre an der Uni Bern rein gar nichts mit der Verbesserung des Unterrichtes zu tun hat. Zweck dieser „Qualitätssicherung“ ist einzig, nach einer reproduzierbaren Methode statistische Masszahlen an die Akkreditierungsstelle zu liefern. Diese ist die Schaltzentrale für die Aufteilung der Förderungsgelder des Bundes nach dem Hochschulförderungsgesetz. Es geht um Geld, nicht um den Unterricht.

Am Institut für Pflanzenwissenschaften musste ich erleben, wie ordentliche Professoren einfach die Uni schwänzen. Ich musste erdulden, dass ich über komplizierte Texte geprüft wurde und der Examinator den Text selber gar nicht gelesen hatte. Diese ganze Pflichtvergessenheit in der Lehre wird damit gerechtfertigt, dass der eine Professor am Networken und Drittmittel beschaffen ist und der andere hat eine europäische ESC-Förderprofessur und somit ein paar Millionen an die Uni Bern gebracht. Wer Geld an die Uni bringt, darf sich die schlimmsten Fehlleistungen in der Lehre erlauben. Da geht es offensichtlich streng nach Bertold Brecht: Zuerst das Fressen, dann die Moral.

Einen Generalsekretär findet man im Universitätsgesetz nirgends. Die Leitung der Universität Bern obliegt dem Rektor, den drei Vizerektoren und dem Verwaltungsdirektor. Dass man einen ambitiösen Titel eines „Generalsekretär“ verleiht, ist reichlich suspekt. Würde die Universitätsleitung ihrer Führungs- und Entscheidverantwortung nachkommen, so könnte sie sich mit einem Chefjuristen zufrieden geben. Wenn man sich aber vor der Verantwortung drücken und die Verantwortungsverweigerung hinter Brimborium verstecken will, dann ist es natürlich schon gäbig, wenn man sich hinter einem schmucken Generalsekretär verstecken kann.

Es ist ja nicht so, dass irgendeiner dieser Missstände besonders gut versteckt würde. Hätten unsere Journalisten ein Minimum an Berufsehre, so würden sie mehr bieten, als den plütterweichen Sulz des abtretenden Rektors abzudrucken.

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