Grandios!

Exkursion mit der ETH zum Thema Waldstandorte im Mittelland. Zwei Spezialisten begleiten uns, einer für die Vegetationskunde und einer für die Bodenkunde. Dies ist der zweite Tag von insgesamt sechs. Die Dozenten sind routiniert und gewissenhaft vorbereitet. Sie haben in einer Vorexkursion das Terrain angeschaut, die Abläufe besprochen, einen sorgfältigen Zeitplan gestaltet.

Als Gruppenarbeit sollen wir in einem Waldbestand den Bodentyp bestimmen und Aussagen über die begrenzenden Faktoren für das Waldwachstum machen. Die Instruktion zur Arbeit dauert gerade zwei Minuten für total drei Gruppen. Zwei Zweiergruppen analysieren ihr Bodenprofil in Minutenschnelle, bezeichnen die Horizonte korrekt, machen Aussagen über das Gefüge, die Nährstoff- und Wasserverfügbarkeit, die Durchwurzelbarkeit. Die Dreiergruppe sucht dieselben Informationen anhand von grossmasstäblichen Karten für Geologie, Bodeneignung und Bodenkarte zusammen.

Alle drei Gruppen kommen innert weniger als zehn Minuten zu fachlich korrekten Schlussfolgerungen und sind fähig, diese aus dem Stegreif übersichtlich für die anderen darzustellen.

Solches schaffen Bachelorstudenten der ETH im sechsten Semester! Welch erbärmliches Bild geben Studenten der Pflanzenökologie an der Uni Bern im Vergleich dazu ab!

Welch ein Unterschied ist das zu der hilflosen Unbedarftheit, die ich anlässlich eines Besuches an der pflanzenökologischen Alpenexkursion der Uni Bern machen konnte. Wie unbeholfen und tapsig dort die Bachelor- und Masterstudenten im sechsten und achten Semester nicht einmal das Anfängerwissen in den Griff bekamen. An dieser Uni wissen selbst die Doktoranden kaum halb so viel wie die ETH-Bachelorstudenten nach dem sechsten Semester. Soll ich mich noch wundern über die destruktiven Aggressionen, mit denen die Assistenten auf mich losgingen, mich mit planmässigen Lügen aus der Alpenexkursion hinausmobbten? Von ihrem Chef, der Lehrstuhlinhaber, werden sie im Stich gelassen. Der schwäntzte wie üblich seine eigene Lehrveranstaltung.

In diesem Zusammenhang fällt auch auf, welch enormen Schaden die Uni Bern ihren Studenten mit ihrem pseudoelitären Gehabe zufügt, wo immer alles und jedes in holprigem Englisch und nur halbbatzig unterrichtet wird. Die ETH-Leute reden Deutsch, nötigenfalls auch Französisch und sogar Italienisch und man lernt zügig, auf einem hohen akadmeischen Niveau!

Für mich persönlich sind die Exkursionen mit der ETH ein grosser Gewinn. Ich kann hier mein Fachwissen zu Vegetations- und Bodenkunde erweitern. In beiden Fachgebieten bin ich aus meinem Grundstudium in den 80er Jahren recht versiert. Dazumal wurden an der Uni Bern die Studenten noch im Ernst ausgebildet. Allerdings hatten wir in Bern alle anderen Vegetationstypen sehr viel gründlicher als die Wälder durchgenommen. Was Waldökologie betraf, galt schon damals die Devise, das kann die ETH besser, das müssen wir nicht auch noch machen. So kann ich altes Wissen repetieren, gleichzeitig die Lücken schliessen und auch die aktuellen Methoden kennenlernen. Als zusätzlich grossen Gewinn darf ich erfahren, wie ein moderner akademischer Lehrbetrieb aussehen kann.

Das Totalversagen am Institut für Pflanzenwissenschaften der Uni Bern hat definitiv nichts mit dem Bolognasystem zu tun. Das Bolognasystem ist einfach die faule Ausrede für einen untauglichen Unterrichtsbetrieb. Die ETH-Studenten können sich fast nicht vorstellen, was ich an der Uni Bern systematisch nachgeprüft habe: Diese Studenten der Pflanzenökologie wissen schlicht nichts über Böden. Sie haben das Wort „Bodenprofil“ noch nie gehört. Man will es einfach nicht glauben!

Einer meiner jungen ETH-Kollegen kommt zu derselben Schlussfolgerung, die ich vor ein paar Wochen auch gezogen habe. Er fragt: „Warum solltest Du Dich noch mit dieser Siff-Uni herumärgern?“ Ich habe so viel geopfert, um nach meinem Autounfall wieder auf die Beine zu kommen und mein Studium wieder aufzunehmen. Ich habe für meine berufliche Wiedereingliederung wesentlich über 200’000 Franken aus meinem eigenen Vermögen eingesetzt. Ich habe 15 Jahre lang am Limit gelebt, von einem Tag zum nächsten trainiert, bis ich so weit war, dass ich an die Uni zurückkehren sollte. Warum sollte ich mich mit einen minderwertigen Abschluss von einer drittklässigen Provinzunversität zufrieden geben? Die einzig vernünftige Lösung wäre, an den Ort zu wechseln, wo Studenten tatsächlich ernst genommen und ausgebildet werden.

Nebenbei frage ich mich, wie sich die ETH-Studenten verhalten täten, wenn dieselbigen mit einem solchen Unterrichtsbetrieb wie in Bern konfrontiert wären. Man kann es sich kaum ausmalen. Aber die haben anderes zu tun, als sich mit den Bernern zu langweilen. Noch im Wald sammeln sie das Material für die Verkleidung von heute Abend. Zwei lange harte Tage im steilen Gelände, ständig auf den Beinen sind genug für mich. Die Jungen ziehen weiter zum Massenbesäufnis, zur UFO-Party, wo sie sich zum Thema „survival of the fittest“ verkleiden. Die Berner Studenten sind da anders gestrickt. Die schauen auf ihr Smartfon, sehen dass es fünf Uhr ist und wollen auf den Zug, nachhause zu Mutti zum Abendessen.

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