Ideenlos.

Die Uni Bern hat eine neue website. Letzten Herbst wurde das Hauptportal in gelecktem Himbeerrosa aufgeschaltet und es wurde angekündigt, dass später die Institutswebsites „inhaltlich integriert“ würden. Inzwischen wurden die bisherigen Institutswebsites abgeschaltet, so dass ich leider keines der vorzüglich gestalteten Beispiele verlinken kann. Die auf dem neuen Portal der Uni Bern verfügbaren Informationen zu den Instituten sind nur noch ein schemenhafter Schatten der einstigen lebendigen Vielfalt dieser Universität.

Die Universitätsleitung mit ihren spin doctors schlägt die Kommunikation der Institute und der Fakultäten tot. Es ist ein Machtkampf im Dienst des Mammon.

Die meisten der bisherigen websites wurden von den Instituten selber gestaltet. Eine Generation von Professoren, Assistenten, Doktoranden hatte sich ins Zeug gelegt und den Studenten und den Kollegen Informationen, Links, Literatur zu der eigenen Forschung und Lehre zur Verfügung gestellt. Das ganze war eine Fundgrube vom ersten Studienjahr an, wenn man sich über ein Fachgebiet und die Möglichkeiten kundig machen wollte. Als Anfangspunkt für Literaturrecherchen zu Seminararbeiten konnte man sich hier hineinknien. Die websites dienten dem Personal, den Studenten, den Forschern bei ihrer Arbeit.

Für den Inhalt des neuen Portals verantwortlich ist ein dutzendköpfiges zentralisiertes Büro des Universitätsrektorates. Hier arbeiten Redaktoren für „Corporate Communication“ der Universität Bern. Zweck des neuen Portals ist nicht mehr der Dienst an Studenten und Forschern sondern das Geld. Es geht um Geld, das man von allen möglichen externen Kassen bekommt, Geld, das man in Projekte versenkt. Man bekommt Geld und man zeigt was man hat. Das ist der Protz der Neurreichen mit ihren Minderheitskomplexen. Man ist weit entfernt von der Zurückhaltung der Patrizier früherer Zeiten.

Inhaltlich stellt man nicht mehr Informationen für Universitätsangehörige zur Verfügung, sondern man publiziert Pressecommuniquées, vorgefertigte Denk- und Meinungsschablonen davon, was die Welt von der Uni Bern sehen und denken soll. „Corporate Communication“ der Universität Bern erweist sich als Büro von professionellen spin doctors.

Das neue Design besteht aus den augenscheinlich heutzutags modischen grossflächigen Bildschirmbereichen, die ein Anderthalbjähriger mit seinen stupsenden Fingern antippt und dazu „data-data“ sabbert. Seine Händchen verwerfend, quietschend vor Freude, kommt er dann zu neuen grossflächigen, farbigen Seiten.

Dem Impressum entnehme ich, dass das Layout des Portales der Uni Bern von einer Agentur für „user centered design“ gestaltet wurde. Laut wikipedia bedeutet,

User-centered design (UCD) is a framework of processes (not restricted to interfaces or technologies) in which the needs, wants, and limitations of end users of a product, service or process are given extensive attention…

Das neue Portal der Uni Bern gibt augenscheinlich wieder, was sich die Universitätsleitung vorstellt, wenn sie über die „needs and limitations“ der Studenten, Doktoranden, Professoren, Angestellten dieser Universität nachdenkt. Man hält uns auf dem Niveau von taumelnden, brabbelnden Kleinkindern.

Über das ganze gesehen, haben wir hier ein weiteres Kapitel im Machtkampf der Universitätsleitung gegen die Fakultäten aufgeschlagen. Die Universitätsleitung bekam mit dem neuen Universitätsgesetz von 2010 die administrative Autonomie über die Uni. Ursprünglich sollte der Senat der Uni als leitendes Organ abgeschafft werden. Das ist dann im Grossen Rat gescheitert. Jetzt macht es die Unileitung einfach anders: Sie kappt die Kommunikationsmöglichkeiten der Fakultäten, stülpt ein Tubeli-Image über die Uni. Sämtliche Vielfalt und Eigenständigkeit erstickt gurgelnd unter einer zähen Matte von gerinnender Himbeerrosasauce.

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