Leseempfehlung

Bekanntlich gibt der Bundesrat der schweizerischen Eidgenossenschaft jedes Jahr ein paar Dutzend Millionen Franken für seine spin doctors aus. Das sind professionelle Kommunikationsfachleute, die die Presse mit vorgefertigten Wahrheiten versehen, das Publikum vor den Abstimmungen einseifen, die eigenen Erfolge ins rechte Licht rücken und die Misserfolge geschickt aus dem Blickfeld entfernen. Eines von diesen graphisch durchgestalteten, von Luxus strotzenden, vierfarbig gedruckten Behördenpropaganda-Blättern ist das Magazin „umwelt – Natürliche Ressourcen in der Schweiz“, herausgegeben vom Bundesamt für Umwelt.

Trotz meiner politischen Vorbehalte empfehle ich jedem aus meinem Fachgebiet, sich das Heft zuschicken zu lassen und es mit genügend gesundem Menschenverstand zu lesen. Das Abonnement ist gratis. Im aktuellen Heft fand ich spannende Reportagen über die Sanierung grosser Abfalldeponien in der Schweiz.

Abgesehen davon ist noch ein Interview mit meinem Chef an der Uni Bern darin. Wenigstens weiss ich jetzt, dass es Dinge gibt, die diesen Professor interessieren.

In dem zweiseitigen Interview ist mehr Text zu finden, als der durchschnittliche Doktorand oder Bachelor- oder Masterstudent von ihm in einem dreijährigen Studium zu lesen oder zu hören bekommt. Im Text steht auch noch, Markus Fischer „lehre“ seit 2007 an der Uni Bern. Das halte ich für ein Gerücht. Ich kenne keine Lehrveranstaltung, wo er in den letzten sieben Jahren anwesend gewesen wäre. Dafür kenne ich jetzt ein weiteres Gremium, wo Markus Fischer Chef ist. Nach meiner unvollständigen Zählung ist er an sieben oder acht Orten Präsident, Direktor, Leiter, Sekretär, Chef quer durch die Schweiz und halb Europa hindurch. Den Lohn bekommt er zwar von uns Berner Steuerzahlern. Was er für dieses Geld leistet, ist nach wie vor nicht klar.

Der interessantere Teil des Magazins enthält die Berichte zu den Altlasen. Die haben buchstäblich Boden unter den Füssen. Es werden Deponien beschrieben, die Herkunft der darin gelagerten Abfälle, sehr anschaulich und mit Augenmass die jeweilig anderen Auswirkungen auf die Umwelt, die Dringlichkeit des Sanierungsbedarfes, die Kosten und wer die Kosten übernehmen muss.

Etwa jede sechste Ausgabe dieses Magazins erfüllt meine Qualitätsansprüche an den Text. Diese hier ist eines davon. In den anderen ist leider allzu oft ein ein kruder Mischmasch von Fakten, wagen Zukunftsversprechen und Zukunftsdrohungen und Projektabsichten. Die Macher dieses Magazins können oft Phantasie und Realität nicht unterscheiden!

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4 Gedanken zu „Leseempfehlung

  1. In anbetracht des Stellenwertes des Natur- und Umweltschutzes in der Schweizer Realität sind viele dieser Publikationen Phantasie. (Oder was verstehst Du unter Phantasie). Denn in diesen Publikationen wird nur die vom BAFU angedachte Umsetzung der Gesetzgebung präsentiert. Die Umsetzung in den Kantonen ist etwas anderes.

  2. Die letzte Nummer war anders: Hier werden tatsächlich ausgeführte Arbeiten vorgestellt. Man beschreibt, welche Deponien saniert wurden, wie es gemacht wurde, wie man sich den jeweiligen immer anderen Verhältnissen anpassen musste. Zum Teil sind es Deponien, wo ich mich echt Frage, was sich die Volltrottel damals gedacht haben – zum Beispiel unter der Stadt Fribourg einen alten Seitenarm der Saane auffüllen!

    Aber sonst wird eben oft alles vermischt: Gesetzliche Vorgaben, politische Ansprüche von linken Splittergruppen, Projektentwürfe und Realitäten. Ein Beispiel war die Verkehrssanierung der Stadt Genf. Dort wurde eine Zukunftsvision so vorgestellt, als wäre sie schon Realität, als hätten sich die Phantasievorstellungen der Autoren in der Wirklichkeit seit Jahren bewährt.

    Für mich ist das die eigentlich Gefahr, dass die Leute die Welt, wie sie ist, mit der Welt, wie sie sie haben möchten, verwechseln.

    Und dann ist natürlich alles noch Politpropaganda, um dem Pöbel klar zu machen, dass die Abermillionen für den Beamtenapparat verschleuderten Steuergelder nötig seien.

  3. @Jürg Deine Argumentation ist also ohne das Genfer Beispiel zu kenne: Wir haben ein Problem. Also machen wir einmal nichts und sehen also zu wie die sich die Realität entwickelt. Einfach Konzeptlos ohne Ziel vor sich hin wursteln. Ist das etwa eine Planung wie Du Dich das vorstellst?
    Eine solche Vision gab es auch einmal zu Sanierung der Deponien. Die Sanierung der Deponien ist übrigens auch der politische Anspruch von linken Splittergruppen. Mit dem gleichen Argument wie Du Dich über die Genfer Vison lustig machst, hat man die Sanierung der Deponien bekämpft. Die Idee vommrealitätsfremden grünen Spinnern.

    Als politisch empfinde ich die Texte des BAFU allerdings auch. Da wird die Realität beziehungsweise die Ursachen halt nicht benannt werden können. Denn keiner kann schreiben. Z.Bsp. Der Gewässerschutz wird nicht umgesetzt weil sich die Bauern nicht daran halten und die rechten Politiker die Umweltverschmutzung decken. Die Realität ist eben das die Natur keinen Stellenwert hat. Könnten die Bundestellen die Texte frei von politischem Druck schreiben, wäre das anders geschrieben.

  4. Das Beispiel von Genf war so weit ich erinnere in der Nummer 3/2012.
    Der Artikel war unter dem Titel „Praxisbeispiele“ mit vielen farbigen Bildlein über Seiten verteilt. Der Informationsgehalt im Text: Null. Die anderen „Praxisbeispiele“ aus demselben Heft hatten ungefähr denselben fadenscheinigen Pseudo-Realitätsbezug.

    Ich war angeekelt, weil die so tun, als wären irgend ein Problem bereits gelöst, nur weil sie daherkommen, das Blaue vom Himmel herunterschwafeln und den Steuerzahlern viel Geld aus der Tasche ziehen. Die Vermischung von Zukunfsprojekt, Kosten und gemessenem Erfolg (der nur phantasiert ist), das macht diese Art von Politik für mich unglaubwürdig.

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