Frei im Denken!

Der ETH-Professor stellt mich jedem vor, Kollegen, Personal, andere Studenten mit: „Das ist der Jürg, er ist hier der Asylant, auf der Flucht vor der Uni Bern.“
Das ist die Kurzfassung und sie gefällt mir.

An der ETH kann ich mich in Waldökologie vertiefen, mir das Wissen aneignen, das ich in Bern brauche, um dort erfolgreich meine Diplomarbeit durchzuführen. Mir gefällt, wie die Professoren an der ETH engagiert unterrichten. Mir gefällt das Selbstbewusstsein der Studenten, die Fragen stellen, nicht locker lassen, wenn etwas nicht aufgeht im Unterricht. Nichts steht ihnen im Weg, wenn sie schliesslich klare Vorstellungen von ihrer beruflichen Zukunft entwickeln.

Die Uni Bern will ums Verrecken mich nicht ausbilden. Umso mehr will sie mit mir eine „Diplomprüfung“ durchführen, extra für mich eine Prüfung veranstalten, die es seit dem Jahr 2002 nicht mehr gegeben hat. Die Gründe sind vollkommen undurchsichtig. Das einzige, was klar ist: Der Professor, der mich in Bern prüfen soll, hat seit dem Jahr 2008 nie mehr unterrichtet. Er schwänzt systematisch seine eigenen Vorlesungen und bleibt dem Institut fern, wann immer er nur kann. (Wir reden von einem Ordinarius mit einer Viertelkiste Lohn pro Jahr und keiner im Betrieb weiss, wo der sich herumtreibt oder was er eigentlich so macht während der Arbeitszeit.)

Jedem unvoreingenommenen Beobachter ist klar, dass man ohne Unterricht keine Prüfungen besteht und dass man sich in das Thema einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit fachkundig einzuarbeiten hat. Die Universitätsleitung behauptet für meinen Fall das Gegenteil. In dem Büro arbeiten vermutlich Juristen, die meinen, sie seien die Weltmeister im Gegen-den-Wind-Schiffen.

Ich bin sehr ernsthaft bei der Sache, habe in den letzten 5 Jahren meine umfangreiche Privatbibliothek vervollständigt, ein gutes Dutzend Monographien durchgearbeitet, die notwendigen statistischen Kenntnisse Schritt für Schritt vervollständigt, eine Datenbank von mehreren hundert wissenschaftlichen Fachartikeln zusammengestellt und einen guten Teil davon durchgelesen. Wenn ich also an der ETH als Askultant meine Lehrveranstaltungen auswähle, dann tue ich das gezielt, um Wissenslücken zu füllen. Ich beschaffe mir an der ETH die Hintergrundinformationen, wann immer ich das Gelesene sonst nicht genügend in Zusammenhang bringen kann.

Anstatt an der Universtiät Bern für einen geordneten Lehrbetrieb im Departement für Biologie zu sorgen, findet es das Rektorat ungemein belustigend, dass ich als Student tatsächlich da bin, um etwas zu lernen. Die Uni meint, es genüge, Kreditpünktli, Diplömli, Papierli zum Einrahmen und an die Wand hängen zu verteilen. Die meinen dort im Ernst, Ausbildung sei, wenn man am Schluss einen akademischen Grad hat.

Stand doch die Emmentalerin am Bahnhofplatz und beäugte den neuesten Verkehrsversuch. Kopfkratzend meinte sie: „Jahrelang studiert und nichts gedacht dabei!“

Advertisements

Ein Gedanke zu „Frei im Denken!

Was Du denkst:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s