Raubkapitalismus:

Nach allem, was ich in diesem Blog im Lauf der Jahre über die Uni Bern zu reklamieren hatte, was ist eigentlich die Ursache der Misere?

Raubkapitalismus: In der deutsprachigen wikipedia finden wir keinen Eintrag zum eingängigen Begriff aus der Klassenkampfrethorik. Da muss ich schon die englischsprachige wikipedia bemühen. Dort hat es die Definition des Begriffes in sich.

Robber baron (industrialist)

In social criticism, robber baron was a derogatory term applied to some wealthy and powerful 19th-century American businessmen.

These practices included exerting control over national resources, accruing high levels of government influence, paying low wages, squashing competition by acquiring competitors in order to create monopolies and eventually raise prices, and schemes to sell stock at inflated prices to unsuspecting investors in a manner which would eventually destroy the company for which the stock was issued and impoverish investors.

Folgende Übergriffe von Seiten der Raubkapitalisten können wir ganz genau wörtlich als Beschreibung der Aussenbeziehungen der Uni Bern übernehmen: „control over national resources“, „accruing high levels of goverment influence“, „paying low wages“, „squashing competition“. Am Schluss, bei „sell stock at inflated prices to unsuspecting investors … and impoverish investors“, da nehmen wir einfach als Beispiel die Studenten in Ecology and Evolution, die die beste Zeit ihres Lebens investieren und dafür Arbeitslosigkeit und Armut ernten.

Nach vielen Jahren war ich im Herbst 2010 zurückgekehrt an die Uni Bern, um mein Studium abzuschliessen. Zunehmend misstrauisch machte mich, wer alles mir Steine in den Weg legt.
Anfangs war ich nur konfrontiert mit den mörderischen Auswirkungen meiner Behinderung, hatte in den ersten Monaten nichts zu tun, ausser so gut wie möglich den Tag durchzustehen, die Lehrmaterialien irgendwie um jeden Preis wenigstens ansatzweise zu verstehen. Rasch fand ich eine kleine Gruppe von Studenten, die mich aufnahm, betreute, mir half, da durchzukommen. So interessierte mich dann, was sie eigentlich lernen und am Schluss der Ausbildung können. Mir schien es gar dürftig. Ich dachte, das sei halt die Bolognareform, die die Lehre an der Uni Bern dermassen verarmt hat. Inzwischen als Askultant an der ETH angekommen, sehe ich, dass man auch im Bolognasystem sorgfältig und engagiert unterrichten und Studenten zum Erfolg führen kann. Am Bolognasystem lag es also nicht. Ich hatte mich geirrt. Vor fünf Jahren war ich nicht im Zustand, zu reisen, viele Leute zu treffen, Vergleiche anzustellen. Ich musste mich Schritt für Schritt durch den Betrieb hindurchfressen, wie die Made in der Hamme.

Dass es an ganz anderem fehlt, wurde im Frühjahr 2011 auffällig, als unversehens meine Behinderung von der Administration und von Assistenten ausgenutzt wurde, um mich aus dem Lehrbetrieb zu mobben. Wovor hatten diese Leute Angst? Offensichtlich ging es darum, Misstände zu verbergen vor einem erfahrenen Studenten, der verlgeichen und Bericht erstatten konnte.

Aus der Froschperspektive dachte ich anfangs an das Versagen einzelner als Ursache. Überall gibt es bequeme Menschen. Sie ziehen einen guten Lohn ziehen und sind entweder unfähig, abgelenkt oder faul. Später stellte ich fest, wer ums Verrecken einfach befehlen will, einfach um des Befehlens willen. Das ist die Sorte Leute, die vor lauter Arroganz nicht merkt, wie dumm sie sind. Es sind die alten Gnädigen Herren von Bern, die von unserer Verwaltung herangezüchtet werden. Diesen Erklärungsversuchen entgegen steht aber die behende Geschicklichkeit der Universitätsführung, des Rechtsdienstes des Rektorates, wenn es darum geht, jeglicher Form der Verantwortlichkeit dribblend auszuweichen. Dort sind gescheite, geschickte Leute, die es problemlos schaffen, halbe juristische Dissertationen zu einfachen Rechtsfragen in meine zahlreichen Beschwerdeverfahren zu werfen. Sie kommen durch damit. Ihre Voten werden von Richtern abgekupfert, per copy-paste ohne eigene intellektuelle Leistung plagiert.

Das System ist gut eingespielt. Es ist nicht so, dass die Akteure in der Uni um meiner Person willen spezielle Absprächen treffen müssten. Sondern man fährt einfach weiter wie immer. Man lässt den Laden laufen, wie in den letzten Jahren üblich und ändert so wenig wie möglich daran.

Was genau lässt man an der Uni Bern laufen?

Wie kommt es eigentlich, dass die Lehre an der Uni Bern in einem dermassen miserablen Zustand ist? Wie steht das in Beziehung zu dem pseudo-elitären Anspruch, um jeden Preis die besten bibliometrischen Daten einzufangen für die Institute? Da bekomme ich Berufungsverfahren zu sehen, wo es einzig darum geht, wer von den Kandidaten am meisten Publikationen in den geilsten Journals mit dem höchsten impact factor hat – egal ob wir den in Bern brauchen, ob er uns Studenten etwas nützt, ob er etwas zum Wohl des Standortes beiträgt. In der Diskussion zu meinem letzten Blogeintrag liess ich mich belehren, dass Nationalfondsgelder exakt nach diesen dümmlichen bibliometrischen Kriterien vergeben werden.

Und zum Schluss kommt noch die Chefin der Qualitätskontrolle, die mir klarmachte, dass die Qualitätssicherung in der Lehre nicht dem Lernerfolg der Studenten dient, sondern der Bereitstellung statistischer Masszahlen nach reproduzierbarer Methode für die Akkreditierungsstelle. Alleine das Bundesgesetz über die Hochschulförderung nennt den Zweck: Bessere Statistiken geben mehr Geld vom Bund für die Uni.

Jetzt komme ich zum Raubkapitalismus. Geld, das ist die Losung die die Uni bei jeder Gelegenheit ausgibt, das ist das Kriterium, dem sich alles andere jederzeit unterzuordnen hat. Man muss Kohlen machen, Drittmittel beschaffen, Forschungsgelder, Subventionen hereinholen. Das ist der Zweck der Uni Bern: Geld scheffeln um jeden Preis. Es geht hier nicht mehr um die Ausbildung der Studenten sondern um Chölen. Jede Stellenausschreibung für Wissenschafter wird daran geknüpft: Der Kandidat muss das Geld selber mitbringen, Drittmittel beschaffen. Einer der ordentlichen Professoren — einer von denen, die noch persönlich unterrichten –, beschrieb mir, wie mehrmals pro Semester Rundschreiben von der Unvierstiätsleitung kommen, die alle Professoren auffordern, noch mehr Geld zu beschaffen. Geldbeschaffung sei das einzige, was diese Leute von der Universitätsleitung interessiere.

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