Jetzt, im Ernst!

Sehen so Flüchtlinge aus? Ich sehe auf dieser Photo abenteuerlustige junge Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben. Ich habe allen Respekt vor Menschen, die sich vor Tod, Folter, Zerstörung ihres Zuhauses in Sicherheit bringen müssen. Was die Bernerzeitung in ihrer Bildstrecke zeigt, ist etwas anderes: Hier sehen wir junge, gesunde Menschen, meistens kräftige Männer, die offensichtlich zuhause nichts gescheites zu tun haben, auf Wanderschaft. Das gleiche Bild auf fast allen Fotos in der Presse – mit ganz wenig Ausnahmen.

Abenteurer aus der Levante nutzen den Krieg in Syrien als Vorwand zur Einwanderung. Bild aus Bernerzeitung, 5.9.15

Abenteurer aus Südosteuropa, der Türkei, Nordafrika und der Levante nutzen den Krieg in Syrien als Vorwand zur Einwanderung in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Bild aus Bernerzeitung, 5.9.15

Diese Leute kommen aus aller Herren Länder. Aus Jordanien, dem Libanon, Ägypten, Tunesien, Lybien, Türkei. Mit dabei sind mit Sicherheit Armutsflüchtlinge aus Griechenland, den maroden Balkanstaaten. Machen wir uns nichts vor! Es wird sicher auch Iraker oder Syrer darunter geben, sogar solche die tatsächlich vor dem Krieg geflüchtet sind. Es fehlt das Zahlenmaterial und unsere Behörden haben schlicht keine Möglichkeit, die Informationen zu beschaffen.

Ich halte mich allgemein zurück, mich in meinem Studentenblog zu weltpolitischen Themen zu äussern, sogar wenn ich eine sehr dezidierte Meinung habe. Das hier ist eine Ausnahmesituation aus zwei Gründen:

1) Die Tageszeitungen machen Stimmung für arme Flüchtlinge und schliessen ihre Kommentarspalten, verhindern oder zensieren den demokratischen Diskurs.
2) Wir sehen ein exponentielles Wachstum in einem Prozess, wo nicht klar ist, welches die oberen Schranken sind. Das ist klassisch eine Krise, die im Extremfall innert weniger Monate bis zur Teilmobilmachung der Armee auswachsen kann, ohne dass sich jemand wirklich Rechenschaft ablegt, was hier abläuft.

Bisher war die Rede von 2.1 Millionen Flüchtlingen, die in den Umgebungsländern Syriens unter prekären Verhältnissen ausharren. Als gewöhnlicher Pöbel werden wir nicht so genau informiert, wie sie leben, ob in Camps, oder in den Städten unter der Brücke oder bei Freunden und Verwandten. Die Zahl von 2.1 Millionen scheint plausibel, sie könnte stimmen. Die Zahl von 2.1 Millionen ist sehr gross, aber nach oben begrenzt, weil niemand einfach von zuhause weg in eine ungewisse Umgebung zieht.

Und um das triviale auszusprechen: Wer seine Heimat unter lebensbedrohlichen Umständen verlassen hatte, zwei Jahre in der staubigen Halbwüste in einem Flüchtlingscamp ausharrte, der hat keine tausende von Dollars vorig, um Schlepper zu zahlen. Die Leute, die unsere Hilfe brauchen, die marschieren nicht zu Fuss von Budapest nach Wien!

Auf den Photos bekommen wir aber etwas anderes vorgeführt. Hier sehen wir fite, bewegliche junge Menschen, die gezielt den Ort aufsuchen, wo sie sich das beste für ihrer Zukunft ausmalen. Den Prozess nachzuvollziehen, fällt schwer. Einerseits gibt es den Zustrom über die Balkanroute schon seit zwei Jahren und er ist stetig angewachsen von einem Tröpfeln zu dem hier. Sie mögen in Bussen und Lieferwagen aus der gesamten Levante in die Türkei kommen und von der türkischen Mittelmeerküste aus einwassern, genauso gut können sie auch via Ägypten und Nordafrika diese Ankunft suchen.

Solange wir keine statistischen Angaben haben über die Herkunft dieser Einwanderer, ist die Zahl der Kandidaten theoretisch unbegrenzt. Um der Handhabung der Zahlen willen, kommen wohl nicht mehr als etwa 50 Millionen junge Erwachsene im Alter zwischen 15 und 35 in Frage. Wenn man die wirtschaftliche und gesellschaftliche Rückständigkeit und die Demographie der arabischen und südosteuropäischen Länder im Auge hat, so sind es jedenfalls um Grössenordnungen mehr Leute als die 2.1 Millionen syrischer Bürgerkriegsflüchtlinge.

Was die Schweiz betrifft, so erfahren wir aus dem Blick vom 31. August 2015 , dass in der Woche zuvor 150 Ankömmlinge sich in Buchs am Bahnhof bei den Behörden meldeten. Die absolute Zahl erscheint klein. Derselben Meldung kann man aber auch ein exponentielles Wachstum mit einer Verdoppelung alle zwei Wochen entnehmen. 150 pro Woche können das Grenzwachtkorps zusammen mit der Polizei handhaben. Aber wir reden von einem exponentiellen Wachstum, von einer nach oben unbegrenzten Anzahl Kandidaten und einer deutschen Bundesregierung, die mit fahrlässigen Äusserungen Furore macht.

Wo sind die Kapazitätsgrenzen unserer Polizeiorgane? Wieviele Ankömmlinge können sie zusätzlich zu den 150 pro Woche abfertigen? Was ist die Durchhaltezeit? Wieviele Monate, mit wieviel Überstunden können sie das? An welchem Punkt wird man Truppen aufbieten müssen, um die Polizeiorganisationen zu unterstützen? Wie lange und mit vielen Leuten würde man das im WK und mit Durchdienern machen? Ab welcher Anzahl illegaler Einwanderer wird eine Teilmobilmachung und Aktivdienst daraus?

Seriöse Journalisten würden solche Fragen recherchieren. Aufrichtige Bundesräte täten solche Informationen vorbereiten. Unsere Presse aber betreibt lieber linke Wahlkampftaktik, verpöntes politisches agenda setting und verteufelt jeden als SVP-Narren, der darüber nachdenkt. Bundesrat Ueli Maurer äussert zumindest in allgemeiner Form die Sorge vor ungewissen Aussichten. Von einem Militäreinsatz sagt er nichts.

Mit jeder Völkerwanderung kommen zwangsläufig auch die Diebe, die Betrüger, die Gewalttäter, international gesuchte Verbrecher. Diese werden nie mehr als 3 oder 5% der Gesamtheit ausmachen. Aber sie sind der Grund, warum man solches nicht der Heilsarmee, den christlichen Hilfswerken, den linken Gutmenschen und dem Cedric Wehrmuth überlassen darf.

Zu guter letzt, warum dieser Beitrag schon seinen Platz in meinem Studentenblog haben mag: Viele meiner jungen Studienkollegen können sich keine Bedrohungen für die Schweiz vorstellen, die einen Einsatz unserer Armee nötig machen. Sie halten die Armee für überflüssig und aus ideologischen Gründen ziehen sie den Zivildienst vor. Das hier ist Stoff zum Nachdenken.

Nachtrag vom 6. September 2015. Der Chef des Grenzwachtkorps, Jürg Noth, gibt in einem detaillierten Interview in der „Schweiz am Sonntag“ Auskunft, wie seine Behörde auf diese Eskalation reagiert und auch wo die Leistungsgrenzen seiner Truppen sind.

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10 Gedanken zu „Jetzt, im Ernst!

  1. PS: Der Vorwurf der Kriminellen ist auch ziemlich daneben. Die Anzahl der Kriminellen ist verschwindend gering. Z.bsp. bei den Asylanten aus Eritrea ist der Wert nahe null. Es gab nur eine Zeit wo kriminelle Banden aus Nigeria als Asylanten hier Drogen verkauft haben und auch Frauen belästigt haben. Ich wohne seit 25 Jahren neben einem Asylantenheim. Da kam nie die Polizei vorbei, im Dorf wurde weder eingebrochen, noch gestohlen, noch jemand belästigt. Die Anzahl der Kriminellen ist schlichtweg kein Grund diese Leute auszusperren.

  2. @Hansli
    Aktuell sind einige 10’000 Leute vom Balkan her unterwegs in Richtung Österreich, Deutschland und der Schweiz. Eine solche Massenwanderung ist eine ideale Tarnung für Kriminelle, welcher Herkunft auch immer.

    Was die Verteilung der Ströme dieser illegalen Einwanderer betrifft, so beschreibt der Chef des Grenzwachtkorps, wie das abläuft (das Interview ist zuunterst in meinem Blogeintrag neu verlinkt).

    Diese Leute sind mit hilfe ihrer Mobiltelefone, via Whatsapp und Facebook international vernetzt und geben präzise Informationen über die Situation in den Zielländern weiter. Eritreer können nach Belieben in der Schweiz bleiben. Kosovaren müssen es seit ein paar wenigen Jahren hier nicht mehr probieren. Dafür bekommen Kosovaren in Deutschland nach wie vor Asyl. Die Leute reagieren opportunistisch, die Wanderungsströme ändern die Zielländer adaptiv innert ein oder zwei Wochen. Das stellt das Grenzwachkorps so fest.

  3. Klar kennen diese Leute die Zielländer und die meisten gehen dorthin wo sie bereits Landsleute haben. Das ist nichts neues, das ist so seit es Flüchtlinge gibt, nur die Kommunikationsmittel haben sich verändert.

    Und wegen den Kriminellen. Man sperrt auch keine Strasse, nur weil einige zu schnell unterwegs sind.

  4. In meinem Blogeintrag geht es um folgendes:

    a) Unsere Behörden verfügen offensichtlich über unzureichende Informationsquellen, um die kurzfristigen Situationsveränderungen an der Landesgrenze im Griff zu behalten.

    b) Wir beobachten ein exponentielles Wachstum. Es gibt der Sache nach keine Anhaltspunkte für eine Obergrenze dieses Wachstums.

    Im Verlauf der Diskussion kamen für mich zwei Fragestellungen dazu:

    c) Man redet von Flüchtlingen aus Syrien und schürt Emotionen damit. Einerseits lesen wir in der Presse, dass insgesamt, im Verlauf von fünf Jahren 2.1 Millionen Menschen aus dem Bürgerkrieg geflohen sind. Die meisten davon sitzen nach wie vor in den Nachbarländern Syriens fest.

    Andererseits lesen wir, dass von diesem Total von 2.1 Millionen Flüchtlingen, seit vier oder fünf Jahren, Jahr für Jahr 800’000 alleine in Deutschland ankommen. Dem verlinkten Interview mit Jürg Noth zufolge werden es dieses Jahr sogar eine Million „Syrienflüchtlinge“ sein, die in Deutschland „Zuflucht“ suchen.

    d) Wie blöd ist das Pubklikum, das nicht nachrechnet?

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