Wozu das ganze?

Was ist das Studienziel im Fach Biologie an der Uni Bern?

Denkt die Uni Bern überhaupts darüber nach, wozu sie ganz allgemein Studenten ausbildet? Was sind die veröffentlichten Meinungen dazu? Die Uni äussert sich zu den Medizinstudenten. Sie will gute Ärzte ausbilden. Das erfahren wir ab und zu. Bei sämtlichen anderen Studienrichtungen schweigt die Universität Bern.

Wenn es um die berufliche Zukunft ihrer Absolventen geht, gibt sie ein Bild schnoddriger Überheblichkeit. Das wird umso auffälliger, wenn man das mit dem Interview mit der ETH-Rektorin Sarah Springman vergleicht.

Die ETH will, dass ihre Studienabgänger Arbeit finden. Sie interessiert sich, welche Spezialisten in der Schweiz gefragt sind. Die Uni Bern äussert sich nie zu solchen Fragen.

Man kann auch in das Studienreglement der phil-nat Fakultät schauen Dort finde ich als Studienziel, dass der Student Grundkenntnisse in der Wissenschaft erwirbt, die er studiert. Dann steht da auch noch, dass der Absolvent fähig sein soll, die gesellschaftlichen Auswirkungen seiner Wissenschaft abzuschätzen und verantwortungsbewusst zu handeln. Von beruflichen Fähigkeiten finde ich hier nichts.

Dass der Absolvent eines naturwissenschaftlichen Studiums Fähigkeiten erwerben soll, die auch im Berufslebenn nützen, das war noch in den 90er Jahren im Studienreglement. Inzwischen hat man das hinausgekippt. Den Grund kenne ich nicht. Wenn ich mit Professoren darüber rede, dann höre ich, man sei ein Wissenschaftsbetrieb und die Studenten sollen zum eigenen Denken angeleitet werden. Die Idee, dass ihr Wissen in einem Beruf nützen soll, sei kapitalistisch.

Oft kritisiert wird an der Bolognareform, dass diese die Ausrichtung des Universitätsstudiums auf die berufliche Nutzung verlangt. Das sei eine „Ökonomisierung“ des Studiums. In dem Sinn hat die Uni Bern grad den umgekehrten Weg gewählt.

Das Dekanat der phil-nat Fakultät der Uni Bern ist nicht einmal der Meinung, dass die wissenschaftliche Fachkenntnis als Studienziel Mass der Dinge sein soll. Ich erinnere die Beschwerdeantwort des Dekans, als ich wegen der Benotung eines Praktikums reklamieren musste. Ich wurde zu einem komplizierten technischen Thema geprüft. Die Note 4.5 war in überhaupt keinem Verhältnis zu den detaillierten Kenntnissen, die ich sorgfältig vorbereitet während 12 Minuten vortragen konnte. In der Besprechung mit den beiden Examinatoren erfuhr ich, dass der eine den Text, über den ich geprüft wurde, gar nicht gelesen hatte, dass es nicht sein Fachgebiet ist und dass auch gar nicht meine Fachkenntnis benotet wurde, sondern ob die anwesenden Bachelorstudenten mich verstanden hatten.  Mein Vortrag sei für die Bachelorstudenten zu wenig verständlich gewesen.

Ich wollte es fast nicht glauben! Ich hätte genauso gut über Bienli und Blüemli reden können anstatt über die Prentice-Sugita Computersimulation zur Pollenrepräsentation der Umgebungsvegetation und deren empirischer Verifizierung. Kriterium war einzig, ob es ein schöner Vortrag, mit rotem Faden, guter Struktur war, ob ich ins Publikum schaue beim Reden. Für die Note zu einem harten 8-tägigen Praktikum mit 5 ECTS musste es einfach ein schöner Vortrag sein, egal über was.

Was meint nun der Dekan zu meiner Beschwerde? Der ruft ungehalten aus: „Was fällt dem Studenten Brechbühl eigentlich ein, das Reglement zu lesen — so als wüssten die Professoren nicht selber, wie man Prüfungen macht!“ Zum Studienziel fand der Dekan, die Ausbildung diene dazu, dass der Biologe am Schluss selbst dem Laien die kompliziertesten Dinge erklären soll. Mein Einwand, dass ich Biologie studiere und weder Journalismus noch Hochschulpädagogik, stiess auf taube Ohren.

Die Uni Bern will demnach weder fähige Berufsleute ausbilden, noch ist die wissenschaftliche Fachkenntnis ein Notenkriterium. Ersteres ergibt sich aus dem Wortlaut des Reglementes, zweiteres aus der Tatsache, dass man Reglemente nicht liest.

In ihrem jährlichen Ritual, immer zu Beginn des Herbstsemesters, jämmerlet die Berner Universitätsleitung über noch mehr Studenten und noch weniger Geld. Wozu aber die Studenten die spannendsten und gelehrigsten Jahre, die Freiheit von überschäumendem Denken, familiärer Ungebundenheit, Zukunftsglaube und nicht endender Gesundheit opfern sollten für einen maroden Geisterbetrieb wie die Uni Bern, dazu äussert sich diese Uni nicht. Sie äussert sich auch nicht, wozu der Staat und die Republik Bern überhaupt ihr Geld hergeben sollte. Man ist schliesslich Bern und man hat eine Volluniversität. Man ist also jemand!

Ich bin gespannt, was wir diesen September zu lesen bekommen.

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