Noch viermal schlafen!

Selten habe ich mich so gefreut. Für mich ist es wie erster Schultag. Am Dienstag um 8 Uhr fange ich an der ETH mit der Vorlesung in Gebirgswaldökologie an.

Im ganzen bin ich wirklich begeistert, wie an der ETH die jungen Studenten ausgebildet werden. Jedem, der etwas in Sachen Feldökologie, Prozesse in natürlichen Ökosystemen studieren will, kann ich nur unbedingt empfehlen, an der ETH Zürich Umweltnaturwissenschaften zu studieren. Die Unterschiede zur Uni Bern sind eklatant. Das fängt schon damit an, dass es an der ETH tatsächlich Lehrveranstaltungen gibt und dass dort die ganz allermeisten Professoren an der Schule anwesend sind und – als Berner Student will man es fast nicht glauben – wirklich unterrichten. Die ETH-Studenten klönen über den Leistungsdruck, aber sie wissen nicht welches Geschenk sie dafür bekommen.

Ich habe vor ein paar Wochen nachgerechnet: Wenn an der Uni Bern einer sich als Biologiestudent im ersten Bachelorjahr immatrikuliert und dann bis zum „Master in Ecology and Evolution with Special Qualification in Plant Ecology“ bleibt, dann hat er damit nicht weniger als viereinhalb der besten Jahre seines Lebens verbraten. In dieser Zeit hat er genau ein Semester Unterricht in seinem Spezialgebiet zusammenhamstern können! Mehr als 30 ECTS Vorlesungen, Exkursionen, Praktika während eines ganzen Ökologiestudiums bekommt sogar der ruchloseste Dieb nicht von dieser Uni.

Einen Grossteil dieser Zeit wurde dieser Master von Gratispersonal unterrichtet, Privatdozenten und Titularprofessoren, die von der Uni Bern Nullkommakeinen Lohn bekommen. Ein Drittel des Unterrichtes wird sodann von Personal ohne Lehrberechtigung bestritten, Leute ohne die geringste gesetzliche Legitimation werden vorgeschickt für Vorlesungen, Praktika, Durchführung von Prüfungen. Teilweise werden Bachelorstudenten von Doktoranden unterrichtet und geprüft. Eine Mehrzahl von Lehrstuhlinhabern schwänzen mehr oder auch weniger, sie haben das alles nicht nötig. Die ordentlichen Professoren haben eine Stelle auf Lebenszeit. Die brauchen nichts mehr zu leisten und werden von der Uni auch nicht behelligt, ausser mit monatlichen emails, sie sollen Drittmittel beschaffen. Das sind die Leute, die von uns Steuerzahlern einen Viertelmillionfrankenlohn nachgeworfen bekommen.

Findet ein Master in Ökologie im Ernst eine Arbeitsstelle, nachdem er an der Uni Bern eine Schnellbleiche von ein Semester Dauer genossen hat?
Selbstverständlich wissen auch die Arbeitgeber, dass die Absolventen des Ökologiestudiums aus Bern nichts können und mit den einfachsten Problemstellungen überfordert sind. Abräumen tun die Absolventen von der ETH oder auch die Geographen von der Uni Bern. Das ist nämlich der Witz: Dieses allereinzige Semester Ökologieunterricht, das kann ein Geographiestudent locker als Nebenfach mitnehmen!

Von der ETH werden die Arbeitgeber gefragt, ob sie zufrieden sind mit den Fähigkeiten der Absolventen und die Absolventen füllen Jahr für Jahr einen Fragebogen aus, wo sie über ihren beruflichen Fortschritt seit dem Studienabschluss Auskunft geben. — Da gibt es Fragebogen mit einer Rücklaufquote von weit über 60%. Das heisst nichts anderes, als die Leute sind interessiert, verbunden, haben Teil am ganzen.

Welch ein Unterschied ist das zur Uni Bern, wo jeder ein bisschen vor sich hinwurstelt, kaum einer zur Kenntnis nimmt, was die anderen machen und man als Student nur ja keine Ansprüche anmeldet! Dem Vernehmen nach, sowohl von kantonalen Ämtern, wie vom BAFU, werden öffentliche Arbeitgeber seit mehr als 10 Jahren regelmässig bei der Uni Bern vorstellig und melden ihre Ansprüche an, was sie von einer brauchbaren Ausbildung erwarten. Die amtlichen Arbeitgeber werden einfach ignoriert, ausser sie stellen selber Gratisdozenten zur Verfügung. Die privaten Arbeitgeber sind schon gar nicht angewiesen auf Berner Absolventen.

Ich kann das vom Anfang nur wiederholen: Wenn Ihr mit Liebe und Überzeugung als Ökologen eine gründliche akademische Ausbildung haben wollt, wenn Ihr mit wissenschaftlichen Methoden etwas zum Wohl des Landes im Artenschutz, Biotopschutz, in der Landschaftsplanung oder der Forstökologie beitragen wollt, dann lasst die Finger von der Uni Bern und sucht einen Ort, wo man Euch im Ernst und ehrlich ausbildet!

Schon bald geht es ans Immarikulieren für den Herbst. Ich rate jedem, der in Bern den Bachelor gemacht hat, die Bolognafreizügigkeit zu nutzen und sich nach Zürich oder nach Neuenburg abzuseilen.

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