Der nationale Diskurs.

Das Thema ist Finanzpolitik, die den Forschern die wirtschaftliche Grundlage abgräbt. Es ergibt sich aus einem Bericht in der Bernerzeitung vom 24. Januar zu „Weniger EU-Forschungsgelder“. Die Rechnung mit den hunderten Bundesmillionen, die wir der EU-Bürokratie vertrauensvoll überantworteten, ist nicht aufgegangen. Man könnte meinen, es sei über Nacht passiert, da gingen 20% dieses Geldes hopps.

Die online-Diskussion in der Bernerzeitung zum Thema ist eigenartig. Da melden sich Wissenschaftler zu Wort, die Finanzthemen nicht vom wissenschaftlichem Austausch in der Forschung zu unterscheiden vermögen.

Zur Finanzdiskussion tragen die Voten von Dr. Gregor Meyer und Manfred Grossniklaus nichts bei. Die Betriebsökonomin Celine Beyeler stellt zumindest die Behauptung auf, es käme mehr Geld aus Brüssel zurück, als was wir dorthin schicken. Diese Behauptung hat sich ja inzwischen als Illusion erwiesen, wenn man nur den Artikel in der Bernerzeitung richtig durchliest.

Betriebsökonomin Celine Beyeler behauptet, mit stolzem Verweis auf ihre mathematischen Fähigkeiten, die Schweizer Forscher hätten sehr viel mehr Geld aus der EU bekommen, als wir Schweizer Steuerzahler dorthin schickten. Der von ihr kommentierte Artikel in der Bernerzeitung enthält die Namen von drei verschiedenen schweizerischen Behörden, die sich mit nichts anderem befassen als damit, wie man dieses schweizerische Geld wieder aus Brüssel zurückholen könnte. Allein die Löhne dieser Beamten würden für drei ordentliche Professoren an Schweizer Unis genügen, noch bevor wir überhaupt uns mit dem Hin- und Herschieben von Geld befassen.

Zum Schluss kommt da das aktuelle Desaster mit dem Umtausch von guten Franken in schlechte Euro. Wir Steuerzahler verschicken nämlich harte Fünfliber mit dem Wilhelm Tell darauf. Die Brüsseler Bürokraten speisen unsere Forscher mit schlabigen Euro-Nötlein ab.

Beim von der EU zurückgeholten Geld wurde für das Forschungsrahmenprogramm FRP 7 provisorisch bis zum Jahr 2012 abgerechnet. 2.5 Milliarden Franken wurden nach Brüssel geschickt. Zum damaligen Wechselkurs gerechnet kamen 200 Millionen Euro mehr zurück. Vielleicht nimmt ja Celine Beyeler jetzt ihren Taschenrechner zur Hand und bringt ihr Studium der Betriebsökonomie zum Tragen. Sie möchte mir dann im Kommentar schreiben, wieviel die Schweizer Forscher beim aktuelleln Wechselkurs gewinnen, bzw. verlieren, unter der vereinfachten Annahme, dass wir letztes Jahr einbezahlt haben und dieses Jahr zurückbekommen.

Die EU ist leck geschlagen mit Korruption in den peripheren Südländern und Misswirtschaft in der zentralen Bürokratie. Die Deutschen Angestellten, Steuerzahler, Sparer buttern Abermilliarden hin, um die Griechen, Italiener, Spanier über Wasser zu halten. Ihre Währung ist je länger desto weniger Wert. Die Schweizerische Nationalbank hat jetzt drei lange Jahre hindurch heroisch den Eurokurs subventioniert auf Kosten von Schweizer Sparern, Steuerzahlern, Rentnern, Mietern, Arbeitnehmern. Wir alle werden nämlich für diese Rechnung bezahlen, früher oder später. Auf einmal konnte die SNB das schlicht nicht mehr finanzieren und der Frankenwechselkurs musste freigegeben werden.

Ihren Status als Forscher markieren alle drei Angreifer in der Kommentardiskussion nicht über ihre Arbeit, sondern mit Hilfe ihrer Doktortitel oder einer berühmten Uni wo sie weilen. Dr. Gregor Meyer und Manfred Grossniklaus vom UCLA haben mein Blog besucht und behaupten, sie hätten hier Argumente für die Diskussion gefunden. Nur nennen sie keine solchen Argumente. Mein Blog gibt ihnen nämlich Raum, sich in mehr als zwei Sätzen zu äussern. Also wo sind die beiden? Unter die Gürtellinie geht die Behauptung, ich täte den Steuerzahlern auf der Tasche liegen. Mit wieviel Einkommen Dr. Gregor Meyer haushaltet, geht mich nichts an. Ob er überhaupt nur einen Drittel so viel Steuern zahlt wie ich, wäre interessant zu wissen.

Alle drei Forscher machen nicht klar, welche Position sie denn verteidigen, falls sie überhaupt so genau darüber nachdenken. Wollen sie mehr Geld für ihre Forschung? Wie möchten sie ihren wissenschaftlichen Austausch verbessern? Inwiefern hängt der Erfolg ihrer eigenen Forschungsarbeit von technischer Kooperation, von Wissensaustausch ab? Wo in ihrer eigenen Umgebung gibt es Verbesserungsmöglichkeiten? Warum erzwingen sie nicht als erstes betriebswirtschaftliche Verbesserungen an ihrer eigenen Uni, bevor sie nach Brüsseler Geld schielen?

Wir dürfen von unseren Wissenschaftlern verlangen, dass sie mit unserem Geld sorgfältig umgehen, sich überlegen, wie man seine Finanzen absichert.

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4 Gedanken zu „Der nationale Diskurs.

  1. Für den Bund wird das ganze billiger – den Zonk haben die Forscher und Unis. Die können nun sehen wie sie mit 20% weniger auskommen.

    Und zur die die Finanzen abzusichern. Du hast Dich sicher dagegen abgesichert, Ende Monat 20% weniger zu haben. Mit welchen Instrument, Futures? CFD? Warrants? Soll jeder Forscher sich über die Börse absichern?

    Zur allgemeinen Situation: Bereits heulen die rechtnationalen mit Kommentaren die Foren voll, weil die Löhne gekürzt werden oder viele den Job verlieren. Vor kurzem waren alle noch bereit für die Unabhängigkeit der CH den Gürtel enger zuschnallen….. Was interessiert mich das Geschwätz von Gestern.

    Dein Link zur Weltwoche ist lustig – die beziehen sich auf einen Tagi-Artikel 🙂

  2. @Hansli
    Dein Einwand ist interessant. Die Frage ist, ob der Bund die Verpflichtungen der EU gegenüber schon bezahlt hat, nämlich im letzten Jahr zum alten Kurs, oder ob er das erst dieses Jahr zahlen muss.

    Ich hatte bei dem Artikel in der Bernerzeitung vorausgesetzt, dass wir das Geld schon abgeschickt hatten. Wäre es so, wie Du sagst, dann wäre das Geld noch in Schweizerfranken in der Bundeskasse und man würde den Schweizer Forschern die lange Nase drehen, trallallah, hähähäää, ihr bekommt ja nur mickrige Euröli.

    Was die Absicherung der Forschungsfinanzen angeht: In der Privatwirtschaft werden die Finanzen mit Optionen und Termingeschäften für solche Fälle abgesichert. Die Unis tun das nicht. Darum vertrete ich auch die Meinung, dass wir Schweizer Forschungsgelder in Schweizer Franken über den Schweizerischen Nationalfonds an die Schweizer Forscher verteilen und nicht in Pseudo-Internationalismus machen und unser Schweizer Geld der EU-Bürokratie anvertrauen.

    Was meine Finanzen angeht, so habe ich mein Vermögen und mein Einkommen in Schweizerfranken, einen Teile meiner Ausgaben aber in Euro und USDollar. So gesehen geht es mir jetzt besser als vorher.

  3. Der Staat bezahlt üblicherweise in jährlichen Tranchen. Das Gesamtbudget wird jedoch für eine Periode festgelegt. Keine Ahnung wann das überwiesen wird. Aber spätestens ab nächstem Jahr wird das günstiger.

    Die Löhne können nicht gekürzt werden. Entsprechend muss dies aus den Fördertöpfen der Unis bezahlt werden. Somit steht weniger Geld für zukünftige Projekte zur Verfügung. Am meisten betroffen sind nicht die Wissenschaftler mit EU-Projekten!

    EU-Gelder sind kompetitiv und daher eine Auszeichnung. In der EU eine Stelle zu finden ohne einmal einen Antrag durchgebracht zu haben, ist fasst nicht mehr möglich. Wer die CH davor abschneidet, verbaut den Wissenschaftlern jede berufliche Zukunft.
    Gleichzeitig fördert dieser Austausch die Wissenschaft über die Landesgrenzen hinweg. Was qualitativ die Forschung verbessert. Die EU-Forschung die Forschung in den EU Staaten wesentlich vorangebracht. Der SNF hat auch Fördertöpfe wovon ausländisch Wissenschaftler mitprofitieren, um die internationale Zusammenarbeit zu fördern.

  4. @Hansli
    Einen Forschungsantrag in einem Pseudowettbewerb durchzubringen, ist einfach eine Art von Plaquette, ein Orden zum Anstecken. Ich weiss schon, dass heutzutags in den CVs nachgezählt wird, wer in welchen Zeitschriften publiziert hat und an welcher Stelle elllenlanger Autorenlisten er vorkommt. Das ist nichts als Zeitverschwendung. Solche Abzählspielchen sind zwangsneurotisch, im besten Fall einfache Kindereien. Sie haben schlicht nichts mehr damit zu tun, ob jemand interessantes forscht und veröffentlicht.

    Wenn wir uns als Wissensnation einen Gefallen tun wollen, dann sorgen wir dafür, dass unsere Forscher in Ruhe das tun können, was sie am besten können, nämlich forschen und ihre Ergebnisse mitteilen und von anderen lernen.

    Unsere Forscher sollen sich mit ihrer Forschungsarbeit bemerkbar machen und mit keinen solchen Kindereien.

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