Aus was rächt isch, …

… aber ds Hemmli ghört i d‘ Hose! Das Hotel ist diesmal ausgebucht. Hier übernachte ich, wenn ich in Zürich Vorlesung habe und zum Glück habe ich rechtzeitig reserviert. Für diejenigen, die mich nach den Kosten fragen: Ich zahle bar, ich habe keinen Steuerzahler, dem ich die Kosten anhängen kann und richtig, ich habe gestern zwei Franken Rückgeld bekommen. Es ist der einzige Möglichkeit, wenigstens zwei Vorlesungen pro Woche trotz meiner Behinderung zu meistern.

Für mich lohnt sich der Aufwand. Der Lehrbetrieb hier ist frisch, konzentriert, die Studenten auf Draht, stellen Fragen. Mein Eindruck ist, dass hier allgemein sehr viel mehr kooperiert wird als in Bern – sogar die Frauen tun das. Die Professoren haben Routine und sie machen sich verständlich.

Mir wird immer deutlicher, was eigentlich des Problem der Uni Bern mit mir ist: Die wissen um die miserablen Zustände an unserem Institut. Wie der Teufel die Nässe aus dem steinernen Trog, fürchten sie den scharf beobachtenden, unbestechlichen, finanziell unabhängigen Zeugen. Das genügt offensichtlich zum Mobben, immer neue Steine in den Weg legen, mir das Studium vermiesen, wo immer möglich. Mich zu schikanieren, verbraten die Verantwortlichen ihren ganzen Arbeitsaufwand, den sie gescheiter zur Beseitigung der Misstände einsetzen täten.

Tagungen an der ETH. Die geladenen Gäste werden hier einquartiert. Interessiert wie immer beobachte ich die Leute beim Frühstück. Das sind die Jungforscher, diejenigen, die unserer internationalistischen Intelligentsja zufolge auf Vernetzung angewiesen sind.

Sie sind vor allem mit sich selber beschäftigt, hocken wortlos am Computer, den die Hotellobby den Gästen bietet, oder sie starren vor sich hin am Frühstückstisch. Der Bart ist gleichmässig getrimmt. Im dunkelblauen Strickpullover über einem dezent passenden wenig helleren Hemd – modern, urban, gediegen – beugt sich der 35-jährige verlegen schmunzelnd über das Buffet und ich wundere mich, wie und wo er sonst so lebt, wenn er nicht hier in Zürich einen guten Eindruck hinterlassen will. Beim Rückweg zum Frühstückstisch, von hinten her, sehe ich dann den Hemdschoss wie einen langen Latz über die Hosen hängen. Habe ich etwas von der modernen Mode falsch verstanden?

Dann sind da noch die älteren Herren, in Ehren ergraut, im zusammengewürfelten Anzug zu nachlässig gekleidet, um als Geschäftsleute etwas darzustellen. Sie machen mit gedämpfter Stimme Universitätspolitik. Es ist ja nicht so, dass ich andere belausche, aber das eine Wort wird mit genug Nachdruck ausgesprochen, dass ich es sogar an der Réception verstehe: „Dalleeer“!

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