Milliardenzürich.

Bekanntlich ist der Kanton Bern mit allem was dazugehört bankrott. Jedes Jahr muss er mehr Geld bei den anderen Kantonen zusammenbetteln. Dieses Jahr waren wir bei 1.2 Milliarden angelangt, die uns die Zürcher, die Zuger und die Schwyzer herüberschieben müssen.

Ein vergleichender Streifzug durch die Städte zeigt dann, wer die Milliarden hat und wer sie verdienen muss. Ich nehme zwei wichtige Kreuzungen aus Bern und aus Zürich zu Beispielen.

Vom Hauptbahnhof herkommend, auf meinem Weg zur ETH komme ich an einem Verkehrsknotenpunkt vorbei, der sich ziemlich ambitiös „Central“ nennt. Was stelle ich hier fest? Der Teerbelag ist aufgewölbt, gerissen, verlöchert, aufgespitzt, ab und zu wieder mit Pflastern von Teer zugeflickt worden. Die Tramperrons sind noch dieselben wie vor 20 Jahren bei meinem letzten Besuch — allerdings werden sie den immer länger gewordenen Tramzügen nicht mehr Herr. Als Fussgänger muss ich mich über die Geleise pirschen, immer vorsichtig, nicht im falschen Moment, dem falschen Ungetüm vor die Schnauze zu laufen. Als allereinziges werden hier die Fussgängerstreifen zuverlässig neu bemalen. Die gelben Balken sind vollständig, knitterfrei, fleckenfrei.

Wie sieht das in Bern aus? In denselben 20 Jahren wurden die Tramgeleise in der Marktgasse zweimal komplett saniert. Den Berner Stimmbürgern wurde in der Abstimmungsvorlage jeweilen vorgejammert, die Infrastruktur sei am Zusammenbrechen und man komme an einer grossangelegten Totalreparatur nicht vorbei. Die gesamten Bsetzisteine wurden zur Seite geräumt, die Tramgeleise ausgegraben, neu eingebettet, die gesamte Bsetzi neu verlegt. Während sich die Zürcher mit löchrigem Teer begnügen, haben wir in Bern UNESCO-Welterben-Bsetzi-Steine!

Die gesamte Baustelle wird alle sechs oder 8 Jahre neu eingerichtet, jedesmal wird behauptet, das sei jetzt für die nächsten 20 Jahre gut und jedesmal kostet der Bau dann anderthalb mal soviel, wie in der Volksabstimmung versprochen wurde. Den Stadtbernern ist das alles egal. Wir reden da von Beträgen um die 20 Millionen herum. Die Zürcher zahlen ja die Rechnung.

Von der Marktgasse um die Ecke, am Zytgloggen vorbei gelangen wir auf den Casinoplatz. Wir können ihn als Knotenpunkt mit dem Zürcher Central vergleichen, mit der Ausnahme, das bei uns in Bern ziemlich weniger Verkehr ist. In denselben 20 Jahren wo sich am Zürcher Central die Züge verlängerten und die Perrons die gleichen blieben, hat man den Berner Casionplatz zweimal total umgebaut, alles wegggespitzt, die Geleise komplett anders geführt, riesige geteerte Trottoir- und Perronanlagen neu angelegt und ein paar wenige Jahre später einen neuen Stararchitekten planen lassen, alles ein weiteres mal weggespitzt, neu verlegt, neu geteert. Selbstversändlich, wie sich in Bern gehört, bekommen hier sogar banal geteerte Flächen feudale Ränder aus mehrreihig mit dem Laser ausgerichteten Granitbrocken.

So sieht Staatskapitalimus: Die Zürcher chrampfen, die Berner prassen.

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