Welt der Barbaren.

Waldbauvorlesung an der ETH. Von den anwesenden 15 Hörern kennt sich ein Dutzend schon aus dem Studium. Die meisten sind Frauen und an der Uni Bern wären sie Kandidatinnen für die Kür zum stummsten der stummen Fische. Ja nicht auffallen, ja nicht sich hervortun, ja nicht mehr von sich preisgeben als unbedingt sein muss, ja nicht sich blamieren.

Schon in den ersten beiden Stunden melden sich ausser mir selber noch vier andere ETH-Studenten zu Wort. Sie nehmen gerne Bezug auf Dinge, die sie in anderen Vorlesungen, zum Teil an anderen Instituten gehört haben und wollen vom Dozenten hören, wie das zu seiner Lehre passt.

Eines ihrer wichtigen Themen ist die Anwendung des Kyoto-Protokolls.

Ob so viel Freude an dem lebendigen Unterricht, will ich nicht allzu sehr den Besserwisser heraushängen. Also gut, an der ETH haben sie schon davon gehört und von der praktischen Anwendung her sich damit abgegeben. Das ist ein weiterer Unterschied zum Zustand in Bern, wo das Kyoto-Protokoll nur als ideologische Rechtfertigung für glühenden IPCC-Fanatismus dient – in der Welt der Schattengeister, die lieber zitieren, anstatt nachzudenken.

Was leider den ETH-Studenten genauso abgeht, wie denen in Bern auch: Sie verstehen nicht, dass wir in einer Welt der Barbaren leben. Deutschland und die Schweiz sind jetzt echt die einzigen Länder, wo dieser Staatsvertrag ernst genommen wird.

Wie sieht das im übrigen Europa aus? Frankreich wird von den kommunistischen Gewerkschaften regiert. Dort geht es in der ganzen nationalen Politik nur um die allereinzige Sache: Den kommunistischen Gewerkschaftsfunktionären ein sorgloses Leben in Wohlstand ohne eigene Arbeitsleistung zu ermöglichen. Italien wird von der Mafia regiert, Zustand dito. Österreich wird von den Österreichern regiert — immerhin in einer echten Demokratie.

Schauen wir in die Welt hinaus: Wollen die Chinesen die Umwelt schützen? Nein, die Han sind ein Volk von Merkantilisten. Wenn es Geld bringt, dann ist es etwas, wenn nicht, dann nicht. Was ist mit Indien? Auch da geht an unseren Studenten das wesentliche vorbei: Ein Wahindi hat keine Pflichten der Welt gegenüber. Seine Pflichten gelten dem Wohlstand der eigenen Familie, sonst niemandem. Südamerika und Afrika haben ihre eigenen Probleme zu lösen. Die werden sich sicher nicht mit dem Kyoto-Protokoll aufhalten.

Wer bleibt standhaft? Die Schweizer, die Deutschen und vielleicht noch die Holländer oder die Dänen. Wir sind nicht die Welt und das Kyoto-Protokoll wird schneller vergessen sein, als dass die universitäre Lehre sich noch damit aufhält. Wir kümmern uns besser um unseren eigenen Kram, anstatt dass wir ein nicht-existierendes Problem für die ganze Welt zu lösen versuchen.

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2 Gedanken zu „Welt der Barbaren.

  1. Die Deutschen gelten in Amerika gerne mal als Baumknutscher. Man nimmt die Liebe der Deutschen zum Wald oder auch zum Baum mit Erheiterung aber weitgehendem Unverständnis zur Kenntnis.

    Dabei war der Ursprung unserer Forstgesetze auch ein merkantilistischer – der Raubbau am Wald gefährderte die dauerhafte Versorgung wichtiger Industrien mit Holzkohle bzw. Brennmaterial, und damit die Einkommen der Fürsten bzw. deren Familien, es ging ja vor allem um spätere Generationen. Wir hatten sozusagen Glück dass hier der Adel aus heutige Sicht „vernünftig“ war, und gesetzte geschaffen hat, die den Fortbestand des Waldes sicherstellten.

    Mit dem Ergebnis dass wir relativ viel Wald haben, aber sehr wenig naturbelassenen, weil fast aller Wald gepflanzter Wald ist.

    Sie es locker mit dem Kyoto Protokoll. Es ist ein guter Aufhänger um die Themen in der Vorlesung zu diskutieren, es erlaubt dem Professor sein Wissen darzulegen, und gleichzeitig Bezug auf die akutelle Lage zu nehmen.

    Warum die Frauen so schweigsam sind, vielleicht Erziehung oder gesellschaftliche Prägung? Bei uns im Studium war es erstaunlicherweise anders, aber ich denke junge Frauen, die sich für Informatik entscheiden sind sowieso nich die schüchternen, sondern wissen ganz gut, was sie wollen und bringend as auch zum Ausdruck.

  2. in den Vorlesungen in Bern sind nicht nur die Frauen so schweigsam sondern sowieso alle Studenten. Das hat hier in meinem Blogeintrag aus einem anderen Grund frauenspezifisch getönt: In dieser speziellen ETH-Vorlesung sind dreiviertel Frauen. Heute war ich in der gleichen Vorlesung und es haben sich noch mehr gemeldet, auch mit kritsichen Fragen und immer mit solchen, die den Dozenten dazubrachten, den Stoff zu vertiefen.

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