Biergesang der Lobbyisten.

Wenn Lobbyisten daherkommen, so haben sie schon eine Meinung, äussern sich schon auf Vorrat öffentlich, bevor sie überhaupt wissen, worum es geht. Diesmal haben wir es mit dem Tierschutz zu tun. Aus dem heutigen Artikel im 20 Minuten:

Die Anträge der ETH und der Uni Zürich müsse man zuerst noch abklären, der Tierschutz sei aber sehr skeptisch.

ETH und Uni Zürich wollen an drei Rhesusaffen Versuche zu Gehirnfunktionen durchführen. Ein kleine Elektrode wird unter Vollnarkose im Hirn platziert. Durch ein Löchlein im Schädel muss ein Drähtlein eingeführt werden. Die Forscher sagen es deutlich, plagen kann man diese Tiere gar nicht:

Eine Überstrapazierung der Affen ist laut Mante nicht möglich, da diese ruhig sein müssen, um an den Versuchen teilzunehmen. «Mit einem Tier, das Angst hat oder gestresst ist, sind solche Versuche gar nicht möglich.»

Wenn wir noch die Leserkommentare anschauen — die Gegner solcher Versuche reden gar nicht über Tierquälerei, sondern sie strotzen von Wissenschaftsfeindlichkeit.

Leserin aus ZH am 19.09.2014 15:45
Das ist ein RüCKSCHRITT

Das ist ein Rückfall in frühere Zeiten. Ich hab gemeint diese Zeiten hätten wir überstanden, aber wenn die Farma oder Chemie damit ihr sehr Grossen Geld verdienen kann ist ja JEDES Geld heilig egal mut welchen Methode es verdien wird!!!

Diesmal sind es die Verschwörungstheorien, die angebliche Verknüpfung mit big buisness, Wissenschaft ist böse, Naturwissenschaftler sind vom Teufel. Die gleiche Wissenschaftsfeindlichkeit hatte ich schon beobachtet, als ich in diesem Blog über diedie empörten Publikumskommentare und das aufplusternde Verhalten der Berner Grossräte nach dem Unfall im Rehprojekt im Simmental schrieb.

Die Meinung aus den Publikumskommentaren kann man so zusammenfassen: „Die Natur ist schon erforscht. Wir wissen alles. Wir können jetzt zurück zur Natur und ein sanftes, ökologisches, sorgenloses Leben führen. Nur böse, geldgierige Firmen und zahlenwälzende Untote betreiben noch Grundlagenforschung.“

Wir leben in einer auf Wissenschaft begründeten technisch aktiven Zivilisation. Die Unterhunde sind heutzutags nicht mehr die Schweinehirten, sondern die Biologen.

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Ein Gedanke zu „Biergesang der Lobbyisten.

  1. Versuche an Affen werden immer sehr skeptisch egesehen. Auch hier war vor ein paar Tagen ein Fall in der Presse mit Affen für Neurologische Untersuchungen. Ich habe alelrdings vergessen was im Detail erforscht wurde, aber ähnlich wie bei dem Fall, den Du schilderst, wurden den Affen Elektroden ins Gehirn eingepflant. Vielleicht etwas großflächiger.

    Zu Tierversuchen habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Zum einen ist mir bewusst, dass vieles was wir heute über Mensch und Tier wissen, ohne Tierversuche niemals entdeckt hätte werden können. Der Gewinn für die Medizin und damit auch den Menschen ist beträchtlich.

    Das Argument „wir wissen genug“ ist meiner Meinung nach Unfug. Zum einen gibt es genügend Probleme die ungelöst sind, und wo neues Wissen dringend notwendig ist, zum anderen weiss man vorher nicht, was als nächstes Entdeckt werden wird, und ob es nicht eine unglaublich hilfreiche Erkenntnis sein wird, die man sich vorher gar nicht vorstellen konnte. Ein wenig wundere ich mich auch über die Einstellung, da Neugier etwas ist was dem mensch und sehr vielen Tieren praktisch angeboren ist, man müsste hier seine eigene Art verleugnen um zu einem „wir wissen genug“ ohne jedes Quant an Neugier auf das noch nicht erforschte zu kommen.

    Die andere Seite, mein Problem mit Tierversuchen ist das Leid, das den Tieren angetan wird. Vor allem wenn es um hochentwickelte, vermutlich sich selbst bewussten Tieren, wie den großen Affen geht. Ich hatte schon geagat, dass mir klar ist, dass es ganz ohne Tierversuche nicht geht. Was mir aber sehr wichtig ist, ist die verhältnismässigkeit.

    – Ist der Erkenntnisgewinn nur mit diesem Versuch möglich, ober gibt es alternativen, die weniger Leid verursachen?
    – Wiegt der zu erwartenden Erkenntnsigewinn das Leid weigstens annährend auf?

    Vor allem wenn Verusche mit dem Tod des Versuchstieres enden, erwarte ich eine gute Rechtfertigung dieser Versuchs.

    Affen, und auch Ratten sind relativ hoch entwickelte Lebensformen, beide mit einer nicht zu verleugnenden Intelligenz ausgestattet. Zumindest heute, nachdem man so viel über Tierische Intelligenz gelernt hat, stellt sich die Frage, ab welchen Erkenntnisgewinn ein Versuch am Affen tatsächlich noch zu rechtfertigen ist – meines Wissens nach enden die meisten Versuche mit bleibenden Schäden für das Versuchstier, das deshalb nach der Versuchreihe „erlöst“ wird.

    Ich hoffe, das ist in diesem Fall nicht so, ich hoffe, die Elektroden können wieder Entfernt werden, und die Affen in einem Zoo ein wenn auch nicht normales, so doch Lebenswertes leben führen. So viel Respekt sollten wir der Natur schuldig sein.

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