Ehrliche Arbeit.

NZZ-Campus stellt Janine Kopp vor. Sie ist promovierte Historikerin und arbeitet jetzt als Bademeisterin. Scheint’s muss sich die 30-jährige regelmässig dafür rechtfertigen, dass sie „nur“ als Badmeisterin arbeitet und „nichts rechtes macht“. In dem Artikel wird ausführlich beschrieben, in wievielen verschiedenen Berufsrichtungen sich die Bademeisterin bewähren muss und wieviel Verantwortung sie damit übernimmt. Das unternehmerische Risiko wird im übrigen von NZZ-Campus ausgeblendet. Das passt zu der neuen Ausrichtung des Blogs, der sich als Wohlfühl-Website für geschundene Akademiker herausputzen möchte. Da haben Finanzen, Existenzängste, die Forderung nach langfristiger Planung — all dieses böse kapitalistische Zeugs — keinen Platz.

Aus meiner Sicht ist ganz klar, Bademeister ist ein ehrlicher und produktiver Beruf. Ihre Arbeit ist eine richtige Arbeit.

Die andere Wahrheit ist natürlich auch nicht ohne:

Als Bademeisterin hat sie einen Beruf gefunden, der ihr Freude macht. Als Historikerin hat sie davor ein brotloses Studium absolviert, 10 Jahre lang auf Kosten der Steuerzahler ihren persönlichen Interessen gefrönt, ohne die geringste Aussicht, jemals damit ehrliches Geld zu verdienen.

Wozu Gopfridstutz zahle ich jedes Jahr viele Tausend Franken Steuern? Bildet man mit meinem Geld „Historikerinnen“ aus, die das ganze aus keinem anderen Grund tun als aus frivolem „es hat mich halt grad interessiert“? Wenn unsereinen etwas halt grad interessiert, dann packt er seinen Rucksack und schlüpft in seine Wanderschuhe und geht hin und schaut es sich an und zwar auf seine eigenen Kosten! Jede Hausfrau, die in der Migrosschule eine Ausbildung zur Fotografin macht, zahlt diese Ausbildung selber!

Warum also nimmt sich eine angehende Bademeisterin das Recht heraus, auf Kosten der Steuerzahler Jahr für Jahr mehrere 10 Tausend Franken Kosten für Räume, Einrichtungen, Personal an der Uni zu verursachen? Ah ja, sie hat drum eine Matura, darum darf sie halt.

Das ganze sticht mir umso mehr in die Nase, wenn ich mir von der anderen Front in diesem Klassenkampf, von den Handwerkern anhöre, wie enorm viel sie ausgeben müssen für ihre eigene berufliche Weiterbildung. Wer den Meister als Schreiner machen will übernimmt die gesamten Kosten selber!

Noch etwas zum NZZ-Wohlfühl-Gesäusel. Dort möchte man diese Art von kritischer Diskussion lieber nicht haben. Man ist zu vornehm für den unverkrampften Diskurs, der in einer offenen Demokratie nicht umgangen werden kann. Lieber reibt man sich dann verwundert die Augen, wenn bei der nächsten Volksabstimmung der blöde Pöbel die Sichtweise des gebildeten Standes nicht verstanden hat.

Rechtzeitig sich in die Sache vertiefen, den Konflikt aufgreifen und verstehen, wäre eine gute Möglichkeit, um in der Schweiz wie sie ist, sich zu positionieren. Wenn sich in jenem Blog schon all die Soziologen und Politologen tummeln, dann sollen die sich doch mit den Realitäten befassen! So behält man den Boden unter den Füssen und kann rechtzeitig funktionierende Lösungen vorschlagen, bevor man dann wieder der bösen blöden SVP die Schuld geben muss.

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21 Gedanken zu „Ehrliche Arbeit.

  1. Ich verstehe Deine Kritik an dieser Historikerin nicht. Du studierst genauso ein wirtschaftlich unnützes Studium. Wobei weitaus mehr Historiker einen gute bezahlten Job finden als Ökologen.
    Die Linken und die Umweltverbände haben seit Jahrzehnten das Thema Zersiedelung aufgegriffen. Die SVP hat da jeden Ansatz zu irgendeiner Lösung bekämpft. Bei der MEI war dann die Zersiedlung plötzlich ein SVP Argument. Wobei dies dann nach ein paar Wochen bereits wieder vergessen war. Immerhin wurde die Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative bekämpft. Genauso wird der nun anstehende Kulturlandschutz von der SVP bekämpft. Obwohl dies seit Jahren angeblich auch für die SVP ein Problem war.

    Die SVP ist nicht anders als eine Lügnerpartei. Da geht es rein um den Egoismus einiger Abzocker, die keine Steuern bezahlen wollen. Abgesehen von diesen Abzockern wird die SVP noch von Rassisten und Rechtskonservativen gewählt.

  2. Es ist schwer hier eine Antwort zu finden. Eigentlich bin ich der Ansicht, dass eine Gesellschaft die Möglichkeit zur Ausbildung allen anbieten sollte, auch denen, die die Ausbildung später nicht als Beruf ergreifen.

    Das kann verschiedende Gründe haben. Ich kenne Rentner, die studieren weil das Thema sie interessiert. Ich würde es ihnen nicht verbieten wollen, auch wenn klar ist, dass hierbei nichts in Heller und Pfennig zurückkommen wird, aber vielleicht wird so Wissen dennoch verbreitert, und die Ignoranz etwas weniger.

    Das andere sind Fälle wie vielleicht die besagte bademeisterin, oder auch ich selbst – zu dem Zeitpunkt als man das Studium begann, war man sich nicht 100% klar, was das für das Leben bedeutet. Ich hatte mich für Physik, Elektrotehnik und Informatik beworben, und hatte Zulassungen für alle drei Fächer. Nun musste ich mich Entscheiden – und letztendlich hat die Bemerkung eines Bekannten den Ausschlag gegeben, „Informatik ist zu schwer, das schaffst Du sowieso nicht.“ Mein Widserspruchsgesit war geweckt, und so habe ich Informatik Studiert, bin nie durch eine Prüfung gefallen und habe mein Diplom.

    Jetzt, 15 jahre später, denke ich, die Entscheidung war nicht gut. Der Job hat dazu beigetragen, das mein psychischer Zustand nicht gut ist. Ich würde gerne eine weitere Ausbildung machen, entweder etwas kreatives, also z.B. ein Studium im bereich Gestaltung und medien, oder etwas Handwerkliches, ich denke über eine Lehre zum Goldschmied nach.

    Ich kann die Frau verstehen – erst nach dem Studium, und vielleicht nach ein paar Jahren im Beruf kann man wirklich beurteilen, ob der Job zu einem passt. Wenn sie den Beruf als Bademeister gerne macht, dann ist es für mich in Ordnung. Es weiss nicht jeder mit 18 oder 20 Jahren, was für in später im leben das richtige sein wird, und zumindest zu der zeit als ich das Abitur gemacht habe, war die Beratung zum richtigen Studium gar nicht existent – man hat zwar Informationen zu den Studiengängen bekommen, auch übersichten, aber nie etwas in dem Sinne einer fundierten „das würde zu Dir passen“ Beratung. So habe ich etwas studiert von dem ich jetzt weiss, dass ich zwar gut darin bin, aber es weder erfüllend noch gut für mich ist.

  3. @gedankenweber

    In der Schweiz gibt es keine Zulassungsprüfungen für universitäre Studiengänge. Die einzige Ausnahme seit wenigen Jahren ist der numerus clausus für das Medizinstudium.

    Das wirklich grosse Problem ist nicht einmal die Historikerin, die Bademeisterin wird.

    Die Probleme sind andere:
    1) Bewährte Berufsleute, die sich weiterbilden möchten müssen für Kosten von 20’000 Franken und mehr pro Jahr selber aufkommen. Das sind die Fachleute, die wir dringend brauchen. Doch statt diese Ausbildungen zu finanzieren, bilden wir zahllose, überflüssige Medienwissenschaftler, Politologen, Soziologen aus.

    2) Die wenigsten dieser überzähligen Studienabgängerinnen aus nutzlosen, sinnfremden Fächern geben sich mit dem Lohn einer Bademeisterin zufrieden. Sie wollen dann auch noch einen Akademikerlohn zu 90’000 oder 100’000 Franken und intakte Chancen auf Beförderung in Kaderpositionen haben.

    Um diese Ansprüche zufriedenzustellen, werden in unserem Staatswesen immer neue, überflüssige Berufe erfunden. Das sind Stellen in der Verwaltung, aber auch in externen Berater-, Begutachtungs-, Studienbüros. Bekannt ist zum Beispiel das Büro Infras, wo die Schabe eines unserer SP-Bundesräte regelmässig Bundesaufträge zugeschoben erhielt.
    Medienwissenschaftlerinnen, Soziologinnen, Politologinnen, Historikerinnen betreiben die massentaugliche Verbreitung von Regierungspropaganda wie dem umweltzerstörerischen Atomausstieg. Prusten los mit Gesundheitsförderung für besseres Sexleben, machen sich in Gleichstellungsbüros für die Gleicherstellung von Frauen wichtig, oder sie werden zu Denkmalschützerinnen.

    Fazit: Die meisten dieser Studenten nehmen nicht nur den Berufsleuten das Geld für die Weiterbildung weg. Sie spielen sich später in überflüssigen Berufen als verbeamtete Besserwisser auf, die besagte Berufsleute schikanieren, an der Ausübung ihres Gewerbes hindern und erst noch deren Löhne als Steuergelder beschlagnahmen und sich daran gesundstossen.

    Wieso nicht Goldschmied werden? Das ist ein spannender Beruf, man weiss am Abend, was man gemacht hat und kann fremden Leuten einen Dienst tun. Ich habe ein paar Freunde, die dies gelernt haben. Ich selber trage einen Anhänger mit einem Stein aus Quarz mit Goldadern drin und gefasst in Palladium. Doch für Freischaffende ist dieser Beruf brotlos, ausser man ist wirklich spitzengut und macht sich einen Namen.

  4. @Jürg Was Du als nutzlose Arbeiten beschriebst ist die Hauptaufgabe von Ökologen.

    Aber ich bin bei Gleichstellungsbeauftragten Deiner Meinung. Die sind absolut nutzlos. Wir müssten wie in den USA die Gleichstellung vor Gericht einklagen können, mit Strafen in US-Höhe.
    In einigen anderen Bereichen wäre weniger Papier ebenso gut. Man müsste nur knallhart die Gesetze umsetzen. Ich sehe z.Bps. nicht ein warum wir mit kriminellen Bauern immer so nachsichtig sind. Da nützt die hundertste Infoveranstaltung nicht (Ökologenjob). Da helfen nur noch Bussen und Subventionsentzug.

    Deine sogenannt nutzlosen Studienrichtungen sind im Management von Unternehmen zahlreich vertreten. Weitaus häufiger als Biologen. Habe noch keinen Biologen als CEO gesehen.

    Und noch etwas: Deine Lohnhöhe ist jenseits der Realität. Ohne Managementaufgaben erhält mit Ausnahmen von wenigen Berufgruppen in der IT, Lehrer, gute Juristen, niemand einen solchen Lohn. In einem Büro wie Infras, genauso wie in jedem anderen vergleichbaren Büro, hat ausser der Geschäftsleitung niemand einen solchen Lohn.

  5. @Hansli

    Ein sogenannter „wissenschaftlicher Mitarbeiter“ beim Kanton Bern bekommt einen Anfangslohn von 100’000 Franken, dazu Ortszulagen, wenn er nach Bern reisen muss, Kinderzulagen, etc. Beim Bund sind es an die 140’000.

    Politologen, Soziologen, Medienwissenschafter als Direktoren von Industrieunternehmen, Banken, Versicherungen? Habe ich noch nie gehört.

    Was die Bussen betrifft. Das ist ein Ansatz, über den ich schon viel nachgedacht habe. Nicht nur die 150 Infoveranstaltungen müsste man weglassen, sondern auch die flächendeckenden immer noch mehr neuen Kontrollen.

    Einfacher wäre es, wenn man den Bauern die Eigenverantwortung überlässt. Als Hilfe stellt man an den landwirtschaftlichen Berufsschulen solide Weiterbildungsangebote zur Verfügung, die jeder besuchen kann, wenn er mehr wissen will. Wer dann erwischt wird, wie er das Gesetz bricht, der muss mit existenzbedrohenden Strafen rechnen.

    Bei den Steuern funktioniert das nicht schlecht. Dort deklariert jeder sein Einkommen selber, der Staat vetraut, aber es gibt horrende Nach- und Strafsteuern bei Steuerhinterziehungen. Zudem gibt man bereitwillig Auskunft, wenn ein Steuerpflichtiger nicht sicher ist, ob er eine bestimmte Deklaration vornehmen darf oder nicht.

    Entscheidend für diese Art von Gesetzesvollzug ist, dass die Gesetze straff, übersichtlich, für den informierten Bürger einsichtig sind.

    Warum darf ein Bauer nicht auf den Schnee Gülle austragen? muss ein gesichertes Bschüttiloch haben? Das ist für jeden einsichtig. Warum darf er ein Kalb nicht am Strick festbinden, wenn es älter als 5 Wochen ist? Da kommt keine Sau draus ausser dem Kantonsveterinär, der sich als grosser Tierschützer aufspielen kann.

  6. PS: War gerade auf der Ifras-Hompage von 49 Mitarbeitern sind gerade einmal 4 Politologen und Soziologen. Alle anderen sind Naturwissenschaftler und Ökonomen. Dazu noch einige Administration.

  7. Wissenschaftlicher Mitarbeiter sind Jobs mit sehr viel Verantwortung, das wird man nicht einfach so nach dem Studium. Die kommen meist aus der Forschung. Waren als Oberassistenten oder PosDocs mit mehrjähriger Erfahrung. Wobei hier Erfahrung auch heisst, Projekte in der CH durchgeführt.

  8. @Hansli

    Beim Kanton Bern ist ein wissenschaftlicher Mitarbeiter jeder Angestellte, der einen Uni-Abschluss hat und deswegen angestellt wurde. Bisher waren das diplomierte Uniabgänger, jetzt auch solche mit einem Master. Das sind reine Verwaltungsjobs und habe rein nichts mit Forschung oder Wissenschaft zu tun.

    Die Regel wurde in den Jahren der rot-grünen Regierung aufgeweicht. Heute kann jeder Günstling der Regierungsräte „wissenschaftlicher Mitarbeiter“ mit Superlohn sein, wenn er ein paar Weiterbildugnskürsli zusätzlich zu seiner Berufsausbildung machte.

    Beim BAFU sind wissenschaftliche Mitarbeiter ebenfalls nicht Forscher sondern einfach diplomierte Uniabgänger.

  9. Was Du schreibst stimmt einfach nicht. Wissenschaftlicher Mitarbeiter ist eine Funktion. Das ist nicht einfach jemand mit Studium. In Bern und beim Bund ist das nicht anders als bei allen anderen Verwaltungen. Wissenschaftliche Mitarbeiter koordinieren zum Beispiel Naturschutzmassnahmen um im Ökologiebereich zu bleiben. Dafür brauchen die Forschungsnahes wissen, dass sie in die Praxis umsetzen können. Dafür brauchen die Erfahrung aus der Wissenschaft, Erfahrung im Projektmanagement und praktische Erfahrung.

  10. @Jürg

    „Wieso nicht Goldschmied werden? Das ist ein spannender Beruf, man weiss am Abend, was man gemacht hat und kann fremden Leuten einen Dienst tun.“

    Ja, das ist es was mich auf die Idee brachte. Etwas handwerkliches, das Ästhetik und Arbeit für Menschen verbindet. Leider etwas brotlos, wie Du schon bemerkt hast. Aber falls ich umsatteln muss, ist der Goldschmied ganz oben auf meiner Liste. Problem: 4 Jahre Lehrzeit, und ich werde aus meinen Ersparnissen dazubuttern müssen, weil die Vergütung in der Lehre eher gering ist.

  11. Habe das BAFU übersehen… Wer da nach dem Studium seine Bewerbung für eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter hinschickt. Der erhält die 2 Tage später wieder zurück.

  12. @Hansli
    Beim Kanton Bern ist jeder Angestellte mit Uniabschluss automatisch besser entlöhnt. Er kommt vom allerersten Tag an in eine höhere Lohnklasse als ein Angestellter ohne Uniabschluss das jemals erreichen kann. Ausser er arbeite inkognito als Hauswart oder Putzfrau.

    Dito beim Bund. Nein, nix Erfahrung, nix Projektmanagement, nix Forschung, nix, nix, nix. Ich weiss das definitiv aus der Zeit um 2005 herum, weil ich damals bei einer grösseren Zahl von Arbeitgebern konkrete Stellenprofile einholen musste. Es ging dort darum, Beweismittel für einen grossen Haftpflichtschaden zusammenzustellen.

    Keiner von diesen Personalchefs hat mir einen Gefallen getan, sondern konkrete Stellenbeschriebe anonymisiert.

  13. @Hansli

    Da hätte sich demnach die Welt auf den Kopf gestellt. Aber das tut sie ja tatsächlich alle paar Millionenjahre, wenn die Pole umkippen.

    Kopfkratz, kopfkratz, kopfkratz: Jene Personalchefs hatten die von mir genannten Bestätigungen nicht für einen Studienabgänger ohne Berufserfahrung ausgestellt. Könnte sogar sein, dass Du recht hast. Ich habe nämlich damals so etwas wie einen Lebenslauf zusammengestellt von mir selber. Dabei listete ich auf, was ich bereits als Biologe gearbeitet hatte. Es ist nämlich so, dass ich bereits während des Studiums als Ökologe Geld verdiente, noch bevor ich diplomiert war. Das war Anfang 90er Jahre noch möglich, weil es wirklich viele Ökologen brauchte. Es war ein Nebenjob, zum Studium hinzu, aber halt dennoch Berufserfahrung.

    Dazu kommt, dass unsere Diplomarbeiten von einer anderen Qualiät waren als was ein Masterstudent heutzutags leistet: Unsere Diplomarbeiten dauerten zwei bis zweieinhalb Jahre. Wir mussten unser eigenes Projekt auf die Beine stellen, selber die Methoden enwickeln, Material besorgen, Unterkunft im Feld, Transporte, Finanzierung alles selber.

  14. Ich weiss nur das die Stellen an wissenschaftlichen Mitarbeiter in den letzten Jahren an Leute verbergen wurde mit Berufserfahrung. Im ZH z.Bsp. hatten die erfolgreichen Bewerber meist zwischen 40 und 50 Jahren. Die wenigen Ausnahmen hatten vorher bereits aussergewöhnliche Karrieren hinter sich. Im BAFU so ab 35 Jahren. Anders sieht das bei Sachbearbeiterstellen für Studenten aus. Jemand mit Studium ist jedoch immer in der höheren Lohnklasse als einer mit Lehre. Wie die FH Absolventen eingeteilt werden, entzieht sich meiner Kenntnisse. Die klassischen Ökologenstellen von früher versschwinden jedoch immer mehr. Vieles ist nicht mehr „neu“ und wird an anderen Stellen integriert.

  15. Nehmen wir den berüchtigten, gekündigten Thorberg Direktor Caccivio (das war der Gefängnisdirektor, der sich seine heroinabhängigen Huren im städtisch geführten Edelpuff aufgabelte). Er war vorher in der Kantonsverwaltung als „wissenschaftlicher Mitarbeiter“ angestellt. Von Beruf war er Buchhalter und hatte ein paar Weiterbildungskürsli besucht.

    Oder für mich näherliegend: Die Immatrikulationsdienste der Uni Bern haben eine Dorit Fankhauser, die sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin entlöhnen. Ihre tatsächlichen Aufgaben sind reine Sekretariatsarbeiten. Sie ist zudem beauftragt, an der Uni für die Behindertengleichstellung zu sorgen. Was immer ich von ihr mitbekommen habe, hat sie weder eine juristische Ausbildung noch irgendwelche berufliche Erfahrung mit der Behindertenintegration. Welche Art von Wissenschaft sie studiert hat, kann man nicht herausfinden. Vielleicht war sie einfach an einer Fachhochschule zur Weiterbildung von Tippmamseln und Bürogummis und hat einen Bachelor. Das ganze ist nichts als ein Vorwand, mehr Lohn zahlen zu können über eine höhere Lohnklasse.

    Man sollte sich natürlich nicht wundern, wenn dieser Kanton über den Finanzausgleich 1.2mia von den Zürchern, Zugern, Schwyzer erbetteln muss. Irgendwohin muss dieses viele Geld ja versickern.

  16. Was Du schreibst ist falsch. Die Uni hat eine andere Lohntabelle und Arbeitsverträge, die nicht mit der Verwaltung zu tun hat. Mit dem Titel wissenschaftlicher Mitarbeiter wird an einer Uni PostDoc Lohn bezahlt. Müsste die Uni dieser Frau den wirklichen Lohn für ihre Funktion bezahlen, wäre das ein höherer Lohn. Zudem fallen mit dem Titel wissenschaftlicher Mitarbeiter an eine Uni die Vorteile eines Verwaltungsangestellten weg. So können zum Beispiel keine Überstunden eingezogen werden. Im Prinzip ist das eine Schlechterstellung punkto Lohn und Arbeitsbedingungen.

    Das man sich nach dem Studium in einen Job einarbeitet der nicht viel mit dem Studium zu tun hat ist normal. Das machen ausser in den technischen Richtungen und die Ärzte so 90% der Absolventen.

  17. Hansli

    Ich schreibe hier über eine bernische Behörde. Die Uni Bern ist eine bernische Behörde und die Löhne beim Verwaltungspersonal werden wie bei bernischen Behörden abgerechnet. Ich kann nichts zu anderen Universitäten sagen. Dorit Fankhauser ist meinem besten Wissen zufolge „wissenschaftliche Mitarbeiterin“ wegen ihres akademischen Ausweises und nicht wegen der konkreten Arbeit, die sie im Sekretariat der Immatrikulationsdienste erledigt.

  18. In Bern habe ich vier Funktionen für wissenschaftliche Mitarbeiter gefunden
    Stufe 19 bei 75-83 Jahresanfangsgehalt in tausend, 20 bei 79-87, 21 bei 84-92, 23 93-102

    In ZH 8 verschieden wissenschaftliche Mitarbeiterfunktionen: Angefangen bei 75 Jahresanfangsgehalt in tausend, 80, 85, 91 96, 103, 110, 118

    Wobei in ZH ein Studienabgänger allerhöchstens für die ersten beiden Funktionsstufen in Frage kommt. Für alle anderen Funktionen muss jemand wesentlich mehr mitbringen. Heisst für Ökologen der Staat besser als die Privatwirtschaft. Der Kanton Bern bezahlt bei den nicht ganz vergleichbaren Funktionen eher besser als Zürich. Ein IT Abgänger würde allerdings für einen solchen Lohn den A… nicht bewegen.

  19. @Hansli

    Danke für die detaillierten Recherchen. Sind das die Brutto- oder die Nettolöhne? Der Unterschied zu den Zahlen, die ich vor 10 Jahren erhoben hatte könnte auch von daher kommen, dass für meine spezielle Fragestellung die Bruttolöhne massgebend waren.

    Zitat: „Ein IT Abgänger würde allerdings für einen solchen Lohn den A… nicht bewegen.“ Genau darum haben wir regelmässig diese IT-Debakel beim Bund und neuerdings auch beim Kanton. Man kann nicht drittklassiges Personal für hochkomplexe Aufgaben anstellen und sich danach wundern, wenn gewurstelt, gestohlen, bestochen wird. Sogar wenn die Aufträge extern vergeben werden, muss der Beschaffer im Amt genauso gut Bescheid wissen wie der Lieferant.

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