Der Wert von Gefahrenkarten.

In Franken, 1.2 Milliarden pro Jahr geschenkt in die bernische Staatskasse.
In der letzten Woche war der Bumbach, ein Ortsteil von Schangnau im obersten Emmental mit seinen Überschwemmungen in den Schlagzeilen. Innert weniger Jahre zum dritten mal wurde die Infrastruktur im Tälchen von Geröll, Schwemmerde und toten Bäumen demoliert. Damit man sich die Landschaft richtig vorstellt: Das Tal dort ist ein Kessel mit auf allen Seiten extrem steilen Abhängen. Nur vom Westen her fallen die Hänge ein bischen weniger Steil in den Kessel. Zudem gehört dies zu den niederschlagsreichsten Gegenden der Schweiz.

Gefahrenkarte für den Bumbach, Geoportal des Kantons Bern

Gefahrenkarte für den Bumbach, Geoportal des Kantons Bern

Die Gefahrenkarte von Bumbach behauptet, dass der allergrösste Teil entweder gefahrenfrei sei, oder nur geringe Gefahr herrscht (gelb). Mittlere Gefahr ist blau. An den roten Stellen mit hoher Gefahr ist das Gelände so extrem, dass nicht einmal der dümmste über Nacht Pickel und Schaufel deponieren täte. Dort baut sicher keiner ein Haus. Wie aber kommt es, dass Gelände mit geringer Gefahr immer von neuem schwere Schäden hinnehmen? Was stimmt mit dieser Karte nicht?

Der Bern war der ersten von allen Kantonen, der flächendeckend eine Gefahrenkarte ausarbeitete. Warum waren wir so schnell? Wir sind der reichste Kanton von der ganzen Schweiz. Kein Kanton kann so freihändig Geld verpulvern wie die Berner. Das Geheimnis lautet: Finanzausgleich. Wenn wir nächstes Jahr noch ein grösseres Loch in der Kasse haben, dann müssen die Schwyzer, Zuger, Zürcher noch einmal ein paar Dutzend Millionen herüberschieben. Zur Zeit sind es 1.2 Milliarden Franken. Natürlich muss sich die bernische Regierung jedes Jahr neue Gründe einfallen lassen

Wir Berner machen eine Totalsanierung der gesamten kantonalen Infrastruktur. Kantonsstrassen werden bis in die hinterste Ecke saniert, neu geteert und selbst ausserorts mit zwei- und dreifache Reihen von munzigen Bsetzisteinen versehen. Quer durch den ganzen Kanton hindurch werden sämtlich Verwaltungsgebäude neu gebaut.

Gefahrenkarten brauchen nicht die lokale Bevölkerung zu schützen, nicht Planung der Naturräume und der Bauzonen zu verbessern. Was wir Berner brauchen sind Karten mit möglichst vielen kompliziert verschlungenen Farbflecken und Signaturen. Damit kann sich unsere Regierung dann rechtfertigen bei den anderen Kantonen. Sie erzählt davon wie schwierig die Topographie sei, wie weit verzweigt der Kanton mit all den abgelegenen Dörfern und Siedlungen, die erschlossen und geschützt sein müssen.

Gefahrenkarten im Kanton Bern sind Mittel zum Zweck. Damit kann die Staatskapitalisten von der rot-grünen Regierung ihre Abzocke bei den übrigen Schweizern rechtfertigen.

Und ja, richtig, selbstverständlich haben die dummen Zürcher, Schwyzer und Zuger auch unsere vorbildlich detaillierten Gefahrenkarten finanziert.

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5 Gedanken zu „Der Wert von Gefahrenkarten.

  1. Ich vermute die Gefahrenkarten wurden automatisch berechnet und dann von Hand verifiziert. Der Detailgrad ist da nur eine Einstellung im GIS. Zumindest betreffend Hochwasser ist das eine einfache Angelegenheit.

    PS: Einsparungen wären durch Aufgabe abgelegener Talschaften zu erreichen. Oder ganzer Gebiete wie das Emmental. Ich habe keine Ahnung warum ich das Heimetli finanzieren muss. Von mir aus gehören alle Finanzausgleiche abgeschafft.

  2. Sagen wir es so: Ein Ort mit einer Topographie wie Bumbach wäre heute nicht mehr besiedelt, wenn es z.B. in Graubünden im Tessin wäre.

  3. Der Finanzausgleich erklärt aber nicht die schlechte Qualität der Gefahrenkarten. Der Punkt war doch der, dass gebeiet geringer oder mittlerer Gefahr falsch eingetragen sind, und eigentlich gefährlicher ausgewiesen werden müssten?

    Hier in Deutschland existiert ein Problem ähnlicher Art in den Überschwemmungsgebieten der Flüsse. Es wurde in viel zu flachen Regionen nahe der Flüsse gebaut, und jedesmal wenn ein Hochwasser die Gebäude beschädigt hat, wird er Ruf nach Spenden und Finanzhilfen laut.

    Ich komme mir da ziemlich blöd vor, dass meine Steuern dafür verwednet werden, den Neubau (!) von Häusern in gebieten zu finfdnazieren, die immer wierder überflutet werden, und wo der gesunde Menschenverstand sagt – nein dreimal in zehn Jahren reicht, hier wird jetzt nicht mehr gebaut.

    Wir haben im Osten Gebiete die fast Menschenleer sind. An Land fehlt es nicht. Aber lukrative Arbeit gibt es nur in wenigen Regionen, und dort wird jeder Fleck bebaut der geht. Es ist schwer, aber es wäre gut wenn sich die Politik hier mal an der Entiwcklung der leeren Regionen versuchen würde, um die Landflucht von dort aufzuhalten – das würde auch die drohende Immobilienblase in den Ballungsräumen entschärfen.

    PS: auch bei uns sind die Gefahrenkarten offensichtlich geschönt.

  4. Ich will einmal fair sein mit dem Kanton Bern: Die Überschwemmungen von den letzten Wochen passierten in einer Wetterentwicklung, mit der niemand rechnete, der die Gefahrenkarten erstellte: Wir hatten sehr viele Wochen lang immer wieder Regen und zuletzt täglich Dauerregen. Die Böden waren vollgesogen und konnten flächendeckend kein Wasser mehr absorbieren. In dieser Situation kamen an mehreren Tagen ausserordentlich starke Gewitter dazu. Die Kombination davon ist ungewöhlich. Starke Gewitter, dafür waren die Karten berechnet worden.

  5. Die Niederschlagsmengen scheinen seit ein paar Jahren zuzunehmen. Eventuell müsste man die Karten einfach daran anpassen, bzw. größere Sicherheitspuffer einplanen.

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