Fische stinken vom Kopf her.

Die Uni Zürich findet keinen Prorektor und der Campus Blog der NZZ fragt nach den Gründen.

Wer letztens die Weltwoche gelesen hat, fand dort einen detaillierten Bericht, wie die Zürcher Erziehungsdirektorin zusammen mit ihrem Amtschef auf den Rektor der Universität losging, um den unbotmässigen Nationalrat Prof. Christoph Mörgeli zu chassen. Die Frau Regierungsrat überschritt massiv ihre Rechte. Der Rektor knickte ein und gab die Selbstverwaltung der Universität Zürich kampflos preis. Nun denn, Frau Aeppli tritt ja jetzt zurück und natürlich ist es überhaupt nicht weil die Weltwoche so sorgfältig recherchierte.

Aus der Uni Bern kann ich über ganz andere, vordergründig unpolitische Vorgänge berichten. Sie zeigen ostentativ, wie Bürokratien die demokratische Willensbildung aushebeln. Und genau darum sind sie umso politischer. An der Uni Bern wurden in den letzten zehn Jahren Strukturen ohne demokratische Legitimation an der Selbstverwaltung vorbei aufgezogen. Man nennt diese parallelen Strukturen „Universitätsleitung“.

Die Universitätsleitung ist rein verwaltungsrechtlich organisiert. Sie bieder sich als botmässiges Führungsinstrument bei der Erziehungsdirektion an, die auf diesem Weg bei allem und jedem der Uni dreinreden kann. Man lässt im grossen den Glorienschein der Selbstverwaltung leuchten und funkt im Alltag mit dem Mikromanagement bei allen denkbaren Details hinein. Man untergräbt die alten demokratischen Führungstrukturen der Professoren und führt eine allgemeine Konfusion herbei, wo keiner mehr weiss, was wirklich gilt.

Um es konkret zu machen: Die Universitätsleitung verschickt alle paar Monate emails mit allen möglichen Forderungen an die Professoren, wo diese so tut, als dürfte sie jetzt befehlen und nicht mehr die Professoren bestimmen. Professoren werden konfrontiert mit ständig neuen finanziellen Forderung von Seiten der Universitätsleitung. Nicht mehr die Universität sorgt mit ihrem Geld für einen geordneten Betrieb, sondern sie scheucht die Professoren auf und zwingt diese, Geld herbeizuschaffen. Sie sollen in der Welt herumdüsen, zum Lobbyieren, Netwörken, Schulterklopfen, Drittmittelbeschaffen. Es gibt solche Professoren, die sind ständig unterwegs, geben seit sehr vielen Jahren keine Vorlesungen mehr, sind nur noch ausnahmsweise am Institut anzutreffen und bekommen die Zustände im Betrieb schlicht nicht mehr mit. Von ihren Bachelorstudenten kennen sie nicht einmal mehr die Namen.

Nicht nur kujoniert die Universitätsbürokratie die Professoren mit finanziellen Forderungen. Sie macht sich auch über die Lehre her, bis an den Punkt, wo etlichen Professoren das Unterrichten bis zum Kotzen verleidet. Wir haben von dieser beamtokratischen Universitätsleitung her eine „Qualitätskontrolle“, die sich den Professoren gegenüber wichtig macht und „Kennzahlen“ zur Lehre liefert. So werden diejenigen Professoren ausgebootet, die mit den Studenten reden und kreativ Vorschläge zur Verbesserung der Lehre machen. Warum also will keiner mehr Ämter in der Selbstverwaltung übernehmen? Weil die demokratische Selbstverwaltung unterminiert wird und man dort nur noch den Hampelmann spielen darf für die Erziehungsdirektion und deren in die Uni eingepflanzten beamtokratischen Parallelstrukturen. N.B: In Bern werden die beamtokratischen Departemente mit repräsentiven „Vizerektoren“ garniert.

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2 Gedanken zu „Fische stinken vom Kopf her.

  1. Sorry, aber Herr Mörgeli ist nun wirklich ein sehr schlechtes Beispiel. Er hat ganz einfach auf Kosten seines Arbeitgebers für die SVP gearbeitet. Im Prinzip hat er da den Steuerzahler abgezockt und nichts für seinen Lohn gemacht. Er war nicht der einzige, aber der einzige der sich der Uni widersetzt hat. Was typisch für ein SVP-Politiker ist, die sich über dem Gesetz sehen.

    Zumindest an der ETHZ und UZH (kenne halt nur diese) hat die Qualitätskontrolle der Lehre sehr viel gebracht. Eigentlich sind die wirklich schlechten Vorlesungen verschwunden, Kontrollen inklusive Schulung hatten Effekt.

    Meine persönliche Meinung zur Selbstverwaltung ist: Die Uni ist keine Selbstverwirklichung für Wissenschaftler, die Interessen der Gesellschaft und Wirtschaft müssen auch berücksichtigt werden. Zudem müssen übergeordnete Ebenen in Personalentscheide treffen können, da sonst eine Vetternwirtschaft entsteht. Damit ich nicht missverstanden werde: Ich bin absolut nicht dafür nur alles dem Nützlichkeitsaspekt zu unterwerfen und ein Studium ist keine Berufsausbildung.

  2. @Hansli

    Bitte beschreibe, welche „Kontrollen“ und „Schulungen“ an der Uni Zürich oder an der ETH durchgeführt wurde. Ich kann mir das nicht richtig vorstellen.

    Hier in Bern stellte ich fest, dass mehrere Ökologieprofessoren nicht einmal das grundlegendste von unserem Schulrecht kennen. Die phil-nat Fakultät hat sehr offensichtlich ernsthafte Führungsprobleme und versäumt es, die Professoren korrekt zu schulen.

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