Il n’y a pas de problème!

Kein Problem, ich kann mit der Genfer Professorin und der Fribourger Studienkollegin auch auf Französisch über die Regulation der Genexpression an den Poren des Zellkerns reden. An ihren lustigen Reaktionen merke ich, dass meine Grammatik und meine Idiomatik ein wenig schöner und ein bisschen altmodischer sind, als was sie für gewöhnlich im Unterricht und im Alltag gebrauchen. Über meinen Sprachstil hat sich keine beklagt. Und mir ist jedenfalls mein Französisch lieber als das der Jurassier, die „le schnegg“ sagen oder „le papa a schlagé la schwiegermuetter avec le stäcke“.

Was höre ich von der Waadtländer Studienkollegin? Seit sie in Bern an der Dissertation arbeitet, erlebte sie mehrmals wie die Berner immer grad beleidigt sind, wenn man etwas will oder auf einen Fehler aufmerksam macht. Weil sie vorher noch nie in der suisse alémanique gearbeitet hat, meint sie, alle Deutschschweizer seien so. Ich beruhige, so sind nur die Berner. Die Zürcher und die Thurgauer und sogar die Berner Oberländer haben das gleiche Problem mit den Stadtbernern genanauso und dann gibt es hier noch das internationale Personal, das sich lieber hinter pseudo-weltmännischem Dünkel versteckt, anstatt zu den eigenen Grenzen zu stehen.

Würde eine einzige von diesen compatriots voller Dünkel an meinem „englischen Sprachstil“ herumnörgeln? Wie gerne nur würde ich in der Romandie mein Studium zuende führen!

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3 Gedanken zu „Il n’y a pas de problème!

  1. Es ist schon fast verloren, aber bei uns gibt es noch das aus dem französischen entlehnte „parlieren“ als Wort für reden.

    Zumindest im Blog wird der englische Sprachstil nicht deutlich. Oder er fällt mir nicht auf, weil in meiner Umgebung sich der Stil schon so eingebürgert hat, dass ich es nicht merh merke. Ich muss zugeben, dass ich eine Redewendungen aus dem Englischen ab und zu auch auf deutsch verwende, wo sie nicht ganz so passen … Sprachen leben, und verändern sich. Vor hunder Jahren war das französische Wichtig, und hat und Worte wie das Plafond, das Trottoir und das Canapée gegebn (hoffentlich war das jetzt annähernd richtig geschrieben …) und heute ist es eben das Englische von dem wir Worte (und Strukturen) leihen.

    Ärgerlich ist es, wenn es bereits gute Worte für etwas gab, und man diese durch englische Ausdrücke ersetzt, die viele ältere Leute nicht verstehen. Das ist Unfug. Für neues neue Worte zu übernehmen, das macht Sinn – ich glaube im deutschen hat es Sinn, aber mir gefällt die amerikanische Wendung, dass Dinge Sinn machen, statt Sinn zu haben, besser.

    Tja. Der englische Sprachstil, da isser 😀

    Und die Wesensunterschiede der Volksgruppen, auch sehr regionale, findet man in allen föderalen Ländern. In einer gewissen Weise finde ich es beruhigend zu sehen, dass das in der Schweiz genauso ist, wie ich es vom Süddeutschen her gewohnt bin 🙂

  2. @gedankenweber
    Schön wäre es, wenn diese Dozenten mir den Missbrauch von englischen Wörtern oder Redewendungen im Deutschen kritisiert hätten. Leider war es anders: Sie hatten ihre Prüfungsaufgaben auf Englisch gestellt und ich musste auf Englisch antworten. Aber sie können so schlecht Englisch, dass nicht bei allem wissen, was ihre Instruktionen beinhalten.

    In unserem Schulrecht darf nur das geprüft und bewertet werden, was in einer Lehrveranstaltung unterrrichtet wird. An der Uni wird von den Studenten eine gewisse Selbständigkeit erwartet. Man wird also nicht Wort für Wort den Inhalt der Vorlesung mit dem Prüfungsstoff abgleichen. Ich studiere Biologie und nicht Englisch. Also haben die Dozenten meinen Sprachstil genausowenig zu bewerten, wie die Handschrift, die Körperhaltung oder die Farbe meiner Hosen. So einfach ist das.

  3. Ja, da hast Du ganz recht. Solcherart Blödsinn findet man aber auch in der Industrie – eine Zeitlang habe ich erlebt, dass Meetings im Beruf in Englisch geführt werden mussten, aber viele haben einfach nicht den notwendigen Wortschatz, und so wird aus der Besprechung ein gemeinsames Radebrechen. Das ist einfach nur Unfug.

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