Tiefpunkt

Ich denke nicht, dass mein Respekt vor der Universität Bern als Institution noch tiefer sinken kann. Letzten Dezember gewann ich bei der Rekurskommission den Prozess von wegen Anpassung der Studiensituation an meine Behinderung. Unter anderem verfügte die Rekom eine angemessene Verlängerung der Fristen für die Diplomarbeit. Ich habe diese Fristen akzeptiert und bin glücklich damit. Die 30 Monate laufen seit ich davon Kenntnis habe, seit dem 10 Januar.

Die Fakultät hat verloren. Der Fall ist klar. Der Dekan findet, er mache jetzt grad mal gar nichts und verbietet sogar dem Leiter meiner Diplomarbeit irgendwelche Fragen dazu zu beantworten. Soweit sind es erbärmlich schlechte Verlierer.

Aber meine Zeit läuft weiter, erst recht wenn ich mich nicht wehre. Am Schluss kann man mir dann vorwerfen, die 30 Monate seien abgelaufen und ich sei halt selber schuld, wenn ich jetzt mein Studium nicht mehr abschliessen könne.

Eine Uni, die solche Tricks nötig hat, die dermassen den Gagg in der Hose hat vor einem erfahrenen und genau beobachtenden Studenten — wieviel Respekt hat eine solche Uni verdient? Ich kenne keine Worte, um meine Verachtung und meine Abscheu vor diesen Leuten auszudrücken.

Jeder Anwalt im Kanton Bern weiss, dass immer der Teil eines Beschwerdeentscheides rechtskräftig wird, gegen den keine Beschwerde geführt wird. Der kann vollstreckt werden.

Private in der Schuld des Staates werden unbarmherzig und ohne Verzögerung verfolgt. Da kann die Polizei eingesetzt werden, man pfändet und beschlagnahmt.

Was hat der Private dem Staat gegenüber für Machtmittel? Er kann die Vollstreckung verlangen – normalerweise beim Regierungsstatthalter, im Fall der Universität bei der Erziehungsdirektion. Sie hat extra ein Hochschulamt eingerichtet für die Beaufsichtigung der Universität. Was macht die zuständige Juristin dort? Vor 14 Tagen sagte sie mir am Telefon, sie habe das noch nie machen müssen, sie wisse nicht, wo im Universitätsgesetz Möglichkeiten für ein Eingreifen festgelegt seien und sie sei überfordert.

Eine Woche später, letzten Donnerstag, telefoniere ich noch einmal mit ihr und will wissen, wie die Sache jetzt weitergeht. Sie hat am Tag vorher ein wenig geplaudert mit dem Leiter meiner Diplomarbeit und fordert mich auf, dasselbe auch noch zu tun. Selbstverständlich komme ich ihr entgegen und schaue, ob es eine einvernehmliche Lösung gibt. Der betreffende Lehrstuhlinhaber kommt zu einer halbstündigen Besprechung.

Schon bei der Begrüssung sehe ich, dass er kreidebleich ist und unter extremem Stress leidet. Dieses Schlachtfeld hat er nicht gewählt und die Juristen von der Uni lassen ihn im Stich. Er hat nur eine Satz vorbereitet, denn er stereotyp 30 mal wiederholt: „Die Uni hat mich angewiesen vorläufig die Diplomarbeit nicht zu betreuen, bis das Verwaltungsgericht das verfügt.“ Mehr hat er nicht zu bieten, nicht einmal eine klare Idee, wer in Person die Uni ist.

Was macht die zuständige Juristin vom Hochschulamt? Sie pläuderlet am folgenden Montag noch einmal mit dem Leiter meiner Diplomarbeit und schickt mir eine email mit derselben stereotypen Aussage. Sie ist Juristin, hat die Aufsicht über die Uni Bern, hatte mehr als 10 Tage Zeit sich in die Akte einzulesen und das Vorgehen mit kompetenten Fachleuten zu besprechen. Am Schluss beschränkt sich ihr Wissenstand und ihr fachliches Können auf das was ein einfacher Biologieprofessor von dieser Rechtsfrage versteht: Schlicht nichts.

So lassen bernische Behörden ihre Untertanen ins Leere laufen. Der Vorgang ist erbärmlich. Will einer da noch besonnen dran bleiben, nicht locker lassen, zäh seine Interessen verfolgen, dann muss er schon ein besonders herter Siech sein.

Wen wundert es, dass die Uni Bern zu einer Provinzuniversität ohne akademischen Anspruch verkommt? Wenn wundert es, dass der Kanton Bern Jahr um Jahr bei den anderen Kantonen betteln muss und die Almosen der Genfer, Waadtländer, der Zürcher, Zuger, Schwyzer inzwischen nicht mehr nur 1 Milliarde Franken ausmachen sondern schon 1.2 Milliarden?

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