Jammern, aber keine Sachinformation.

Der Rektor der Universität Bern Prof. Martin Täuber verteilte heute flächendeckend an sämtliche Studenten eine SPAM-mail mit der er uns zuredete, einen Appell der Studentenschaften zur Offenheit des schweizerischen Hochschulwesens zu „unterzeichnen“. Eine Durchsicht des Appells zeigt, dass es ein konservativer, rückwärtsgewandter Text ist, voll von den altbackenen Klischees darüber, wie unsere Akademikerwelt sich in die Welt stellen sollte. Jene Schreibe ist blutleer, langweilig, aber von unterschwelligem infantilem Greinen.

Seit die EU-Technokraten im Februar der schweizerischen Demokratie den Krieg erklärten, war diese email die allererste Äusserung, mit der sich die offizielle Universität Bern an die Studenten wandte. Konkretes hat der Rektor nicht zu bieten — keine Sachinformationen über die tatsächlichen Abläufe, keine Zahlen, keine Hinweise dazu, was die Universität Bern in der Angelegenheit unternimmt, dafür ein Aufruf, bei der kopflosen Stimmungsmache der Studentenschaften mitzumachen.

Die Betroffenen in die Enge treiben, Angst verbreiten, die Emotionen schüren, all der Mist, den man der SVP vorwirft, wird von der Elite dieses Landes vorgelebt. Zur Sache tragen solche Aktionen nichts bei.

Ohne konkrete Zahlen kann in einer direkten Demokratie keine sachbezogene öffentliche Meinungsbildung geschehen. Unsere Journalisten sind genug unfähig, die Verwaltungen verschlagen diskret, die Politiker allzeit manipulativ, um den Leuten die wesentlichen Informationen zur Verfügung vorzuenthalten. Man beklagt zwar, dass die Meinungen vor den Abstimmungen mit den Emotionen gemacht werden. Aber Zahlen bekommen wir nur in ausgewählten Bruchstücken auf den Tisch.

Heute bekommen wir in der Bernerzeitung zu lesen, dass die EU schon vor der Abstimmung vom Januar mehr Geld für das Studentenaustauschprogramm Erasmus forderte. Die eidgenössischen Räte hätten letzten Sommer 306 Millionen Schweizerfrangen bewilligt, schreibt die BZ. Sie schreibt nicht einmal 306 Millionen für wieviele Jahre.

Wir wissen nichts, nicht einmal wie weit dieses Geld reichen würde, wenn wir es in der Schweiz direkt an die Wander-Studenten verteilen.

Vor ein paar Tagen lasen wir wiederum, dass nur 6.3% der Schweizer Studenten im Ausland ein Semester verbringen. Das ganze sei kein Problem für die Ausbildung der Studenten sondern habe ausschliesslich einen symbolischen Charakter. Wiederum fehlen Zahlen: Wieviele Studenten in absoluten Zahlen gehen ins Ausland? Wieviel kostet ein Semester? Wieviele Schweizerfranken pro Jahr verbrauchen diese Studenten?

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3 Gedanken zu „Jammern, aber keine Sachinformation.

  1. @Jürg Wann liefert dann die SVP Zahlen? Ich habe langsam die Schnauze voll wenn immer nur die SVP-Gegner die Zahlen liefern müssen. Denn von der SVP kommt nichts, rein gar nichts. Da wird nur mit Behauptungen argumentiert und so werden die Abstimmungen und Wahlen gewonnen. Rein Faktenbasiert hätte niemand zu dieser Initiative ja gestimmt.

    „Wie viele Studenten in absoluten Zahlen gehen ins Ausland? Wie viel kostet ein Semester? Wie viele Schweizerfranken pro Jahr verbrauchen diese Studenten?“ Alle zahlen wurden in den Zeitungen publiziert. Kann das nicht mehr auswendig. Ist für mich eher ein Randthema, dass ich nicht aktiv verfolge.

  2. @Jürg Das Problem ist die Unis selbst können nur zu ihren Studenten aussagen machen. Z.Bsp. Wie viel und ob ein Erasmusstudent etwas erhält ist von Fall zu Fall abhängig. Da spielen die Vermögensverhältnisse eine Rolle etc..

    Der Bundesrat hat gar nichts gesagt, da die Verhandlungen ja noch am laufen waren. Und er ans Amtsgeheimnis gebunden ist. Zudem war je noch nicht beschlossen, waren alles noch Verhandlungssache.

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