Viel Schall und kein Rauch.

Die Brüsseler EU-Bürokraten müssen wenigstens so tun, als täten sie ihre Drohungen gegen die Schweizer wahrmachen. Um ein Exempel zu statuieren, nehmen sie die Forscher als Geiseln. Diese haben keine organisierte Lobby, können keinen wirtschaftlichen Druck ausüben, hängen die Fahne opportunistisch nach dem Wind, sind schnell gekränkt und mischen sich eloquent in die öffentliche Diskussion ein.

Man geht auf die Wissenschaftler los. Man poltert drauflos bei einem Prestigeprojekt der Sesselfurzer in den Verwaltungsbürokratien, dem Forschungsprogramm „Horizon 2020“. Aber man schadet den europäischen Forschern mehr als den Schweizern.

Jetzt schon feststellen kann ich, dass es für die Uni Bern nur Vorteile hat, wenn die schweizerischen Forschungsgelder hier in der Schweiz und nicht von Brüssel aus verteilt werden. Die Frage ist höchstens noch, ob die schweizerischen Forscher mehr allgemein daran Schaden nehmen.

Zur Zeit ist ein Vertrag hängig betreffs der Fortführung der bisherigen Forschungszusammenarbeit der Schweiz mit den EU-Staaten. Es geht darum, die Ziele und die Finanzierung für die Jahre 2014 bis 2020 festzulegen. Der website des Volkswirtschaftsdepartementes entnehme ich, dass die EU-Bürokraten verkündeten, sie wollten 12 Milliarden Euro pro Jahr für europaweit koordinierte Forschung ausgeben (sog. Horizon 2020).

Der Bundesrat bekam dafür vom Parlament 4.4 Milliarden Schweizer Franken bewilligt, oder anders gerechnet 700 Millionen pro Jahr.

Der entscheidende Unterschied ist, dass die schweizerische Eidgenossenschaft nahezu schuldenfrei ist, dass sie über solches Geld verfügt und dass wir Schweizer nicht nur 700 Millionen versprechen, sondern diese auch zahlen werden. Die EU-Staaten sind mit Ausnahme von Holland, Österreich und Dänemark mehr oder weniger bankrott. Die einzigen kreditwürdigen Europäer, die 12 Milliarden zusätzliche Schulden machen können, sind die Deutschen. Mit ihren Schulden strecken sie dann den anderen Ländern das Geld vor, das deren Staatschefs grosspurig versprechen.

Die Ankündigung der Brüsseler Appartschiks, mit der Schweiz keinen neuen Forschungsvertrag abzuschliessen hat als erstes einen sehr gewinnbringenden Effekt: Eine dreiviertel Milliarde Franken von unseren Steuergeldern bleiben in der Schweiz und können vom Nationalfonds für sinnvolle Forschung ausgegeben werden. Die schweizerischen Forscher können ihre Gesuche nach Bern schicken, hier vorsprechen, hier den Wert ihres Tuns rechtfertigen. Unsere Universitäten können auf kostspielige Verbindungsbüros in Brüssel verzichten. Anstatt dass die Hälfte von dieser Milliarde in der Brüsseler Bürokratie versickert, wird jetzt die ganze Milliarde direkt hier bei uns für Forschung ausgegeben.

Die Frage ist noch, wie es den Schweizer Forschern ergehen wird, die bisher aus dieser selben EU-Kasse Forschungsgelder bekamen. Es ist ja nicht so, dass die Schweiz einfach Milliarden in die bisherigen EU-Forschungsprogramme butterte. Gleichzeitig bekamen auch Schweizer Hochschulen von der EU Forschungsgeld zugesprochen.

Dazu muss man im Auge behalten, dass vor allem anderen die beiden ETH Lausanne und Zürich weit über dreiviertel dieser Gelder absahnten. Bei der Uni Bern machen die EU-Forschungsgelder weniger als 5% der Drittmittel aus. Wenn meine Einschätzung zutrifft und das Geld in Zukunft vom Nationalfonds verteilt wird, dann haben die Universitäten wieder gleich lange Spiesse mit der ETH. Die Forscher von der Uni Bern haben von jetzt an eine faire Chance auch an das Geld heranzukommen, das bisher fast ausschliesslich die ETH bekam. Denen von der ETH wird es mies gehen. Ihnen fehlen die Milliarden. Für die kantonalen Universitäten aber wird endlich wieder mehr Geld verfügbar.

Uns von der Uni Bern kann es also nichts als recht sein, wenn die EU-Kommissare trötzelen.

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4 Gedanken zu „Viel Schall und kein Rauch.

  1. Ich habe keine Ahnung warum das trötzelen sein soll. Das ist die direkte Folge des Volksentscheides. Diese Projekte sind von der PFZ abhängig, ohne Aufenthaltserlaubnis für Wissenschaftler auch keine EU-Projekte.

    Der SNF wird davon keinen Rappen sehen. Dazu müssten sich erst die politischen Verhältnisse ändern.

    Abgesehen davon werden die Unis Probleme haben Personal für die Forschung zu finden. Geld alleine nützt nichts, wenn das Personal fehlt.

  2. @Hansli.

    1) Im Projekt Horizon 2000 wird Geld für die Jahre 2014 bis 2016 ausgegeben. Die Kontingentierung läuft erst ab 2017.
    2) Die paar Forscher bekommen bestimmt eine Aufenhaltserlaubnis.
    3) Genau das ist seinerzeit in den 90er Jahren passiert: Das Geld wurde nach Brüssel verschoben und dafür fehlte diesselbe Summe dann beim Schweizerischen Nationalfonds.Auf die Weise geht das ganze Geld dann in einige wenige prestigeträchtige Projekte — meist an den ETH. Wenn wir die 700 mio jährlich in der Schweiz behalten, statt den EU-Bürokraten zuzuschieben, dann können wir diese auch hier ausgeben.
    4) Die Forschung besorgen bei uns in Bern die Doktoranden, teils noch die Postdoc. Was die ökologische Forschung an der Uni Bern angeht, so kann man das Personalproblem sehr einfach lösen: Die Professoren sollen einfach anfangen, zu unterrichten.

    Zur Zeit können sie viel zu einfach verzweifelte, arbeitslose deutsche Kandidaten einfliegen und haben es gar nicht nötig, die Ärmel hochzukrempeln und den jungen Berner Studenten die Grundlagen des Faches beizubringen. Die Kontingentierung hat also einen direkten kurzfristigen Nutzen für die Ökologiestudenten an der Uni Bern. Das bereits vorhandene Lehrpersonal wird unter äusserem Druck motiviert, die Arbeit zu leisten, für die es fürstlich entlöhnt wird.

  3. Mit einem System von fixen Kontingenten, wird der PostDoc und PhD wohl als letzter eine Bewilligung erhalten. Die neue Regelung ist nicht wie vorher, damals waren z.Bsp. PhD nicht in der selben Kontingentskategorie wie jetzt wo sogar Asylanten dabei sind. Früher oder auch jetzt noch für Drittstaaten kriegt man einen PostDoc nur falls nicht die Kontingente nicht bereits ausgeschöpft sind. Die Kontingente sind allerdings recht grosszügig und damit ist nun vorbei, sollte der Volkswillen respektiert werden. Da hat dann der Manger mit seiner Familie Vorrang und nicht der Phd, PostDoc und schon gar nicht der Student.

  4. Noch vergessen: Bereits sind in vielen technischen Fächern Kandidaten absoluter Mangel. Einen CH haben die seit langem nicht mehr gesehen. Im Job verdient man das doppelte. Vielleicht wird sich das ändern nach dem Jobabbau in der Wirtschaft. Dann sind Forschungsstellen wieder eine Alternative.

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