Kakophon.

Mir fiel letzten Frühling auf, dass das Dekanat eine Beschwerde von mir mit einem Sammelsurium von rechtlich abwegigen und widersprüchlichen Aussagen beantwortete. Seither frage ich mich, ob die phil-nat Fakultät überhaupt Zugang zu einem Rechtsdienst hat und was dieser eigentlich macht.

Ich hatte mich über die Note zu einem Praktikumskurs beschwert. Hauptpunkte der Beschwerde waren, dass „sachfremde Kriterien“ angewendet wurden und dass ein zweiter Professor bei der Benotung mitredete, der den Inhalt des geprüften Textes gar nicht kannte. Schade am ganzen ist, dass dieser Fehler ausgerechnet dem einzigen Professoren passiert, der über zwei Studienjahre hinweg von unterschiedlichen Seiten her in sein Spezialgebiet einführt! Ihm fahre ich überhaupt gar nicht gerne an den Karren.

Seltsam war dann die Antwort, die der Dekan der Rekurskommission zukommen liess. Da wurde gezettert, ich täte die Professoren beleidigen, wenn ich sage, diese seien nicht Fachspezialisten für Forschung und Lehre in Sachen Vortragsgestaltung und Hochschulpädagogik. Oder da steht auch: Was fällt diesem Studenten ein, da geht er hin und liest im Studienreglement nach, wie Leistungskontrollen durchgeführt werden müssen! Der tut so, als wüssten die Professoren nicht selber wie man das macht.

Auf mein eigentliches Argument ist überhaupt niemand eingegangen: Im Vorlesungsverzeichnis steht detailliert was unterrichtet wird. Die Professoren dürfen aussschliesslich kontrollieren, ob die bei der Ausschreibung des Kurses genannten Fähigkeiten erlernt wurden!

Das ist eigentlich ganz normaler gesunder Menschenverstand. Eigentlich müsste man dazu gar nicht gross argumentieren. Ich habe mir dennoch die Mühe gemacht, in meiner schriftlichen Antwort die Vorschriften aus dem Studienreglement zusammengestellt, erklärt, wie das nach den Bologna-Richtlinien gehandhabt werden muss. Zudem habe ich aus Plotke (2003), „Schweizerisches Schulrecht“ zitiert und damit auf die relevante Lehre und Rechtsprechung in unserem Schulrecht hingewiesen.

Seltsam ist, dass dieser mein Einwand vom Dekan einfach übergangen wurde, als hätte ich das alles gar nicht gesagt. Dass man nur das prüfen darf, was als Ziel für den Kurs ausgeschrieben wurde, war den Professoren egal. Ihnen war auf einmal das eigene Rennommée wichtiger. Ich hatte sie mit meiner Kritik beleidigt.

Ich hatte einen ungemein technischen Artikel aus der Encyclopedia zu dem Fachgebiet bekommen. Um eine stark vereinfachte Version davon zu unterrichten, brauchte der Professor neun Semesterwochen. Ich sollte die hochspezialisierte, technische Version desselben Stoffes in 12 Minuten vortragen.

Ich war minutiös vorbereitet, hatte einen Teilaspekt ausgewählt, der mir besonders wichtig schien. Für die Struktur des Vortrages hielt ich mich eng an die Struktur des Eintrages in der Encyclopedia. Ein Enzyklopädist arbeitet anders als ein Forscher, der in einer Fachzeitschrift publiziert. Es ist das Privileg des Enzyklopädisten, die ganze Literatur zu sichten und im Zusammenhang neu zu bewerten. Das habe ich ausgenützt und genau diese Synthesen vorgetragen. Dabei hielt mich bei Struktur, Inhalt, Formulierungen sehr pingelig an die Vorlage, die man mir aufgetragen hatte.

Um vom Stoff her ganz sicher zu sein, hatte ich während mehreren Wochen die Originalliteratur durchgearbeitet, über zwanzig Fachartikel gelesen und Zusammenfassungen geschrieben. Für die Prüfung abgemacht waren 12 Minuten reden, drei Minuten Fragen stellen. Ich hätte schlicht jede Frage beantworten können. Gefragt hat der Professor schlicht nichts.

Ich bekam eine 4.5 und das war in keinem Verhältnis zu meiner Sachkenntnis und zum Vortragstext. Also gehe ich hin und frage was los ist. Sagen mir doch die beiden Professoren, sie hätten Redefluss, Struktur, roter Faden, Anpassung an das Zielpublikum benotet. Mein Vortrag sei zu schwierig gewesen für die anwesenden Bachelorstudenten. Ich antwortete, dass das ein Praktikumskurs zu den Forschungsmethoden in ihrem Fach war. Diese wurden unterrichtet, nicht aber Vortragsgestaltung und auch nicht Hochschulpädagogik. Ich stiess auf taube Ohren.

Was nun die Stellungnahme der Fakultät betrifft, so merkte ich, dass der 20-seitige Text eine wüste Kakophonie war. Man hat augenscheinlich drei oder vier Leute um ihre Meinung zu meiner Beschwerde gefragt. Danach wurde das per copy-paste zu einem vereinigten Text zusammengezimmert. Das meiste ist schlicht irre. Meine Vermutung ist, dass eine Sekretärin ohne juristische Ausbildung die Federführung bekam. Es ist das erbarmenswürdige Geschreibsel eines unerfahrenen Laienjuristen, der schlicht keine Ahnung hat, worauf es bei dem ganzen ankommt. Am Schluss unterschreibt dann der Dekan, was seine Ghostwriterin liefert.

Es kam mir so vor, als täte jeder Professor seiner persönlichen Rechtsauffassung folgen, so wie er halt grad findet, wie man es machen müsse. Offensichtlich ist weit und breit nirgendwo ein Jurist, der den Professoren das zugehörige Bildungsrecht erklärt und dafür sorgt, dass es angewendet wird.

Ich drehe mich ziemlich im Kreis. Gegen einen solch unfähigen Gegner sich durchzusetzen, gibt nicht nur viel zu viel Arbeit. Es verschlingt zudem Jahre an Aufmerksamkeit, die ich gerne anderswo hätte.

P.S.
Die anderen Studentinnen hatten bis auf eine Ausnahme 5.5 und 6 als Note. Sie haben schöne Vortragsfolien gemacht, eine gute Struktur, einen gekonnten Redefluss, einen erkennbaren roten Faden. Ihre Vorträge waren an das Niveau von Bachelorstudenten im Publikum angepasst. Ob sie die Methoden jenes Forschungsgebietes verstanden haben, wird mit der Note nicht erfasst. Soll sich niemand wundern, wenn diese Absolventen hinterher bei der Stellensuche den Zweiten machen. So wird klar, warum reihum die Arbeitgeber das Gefühl haben, Ökologen von der Uni Bern könnten schöne Berichtlein schreiben, aber sie täten nichts von der Sache verstehen!

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