Zensur in Nachrichtenportalen ist feiges Bubizeugs.

Nur wenige meiner Leser wissen wirklich, welch grosszügiges Geschenk sie bekommen, wenn ich in meinen Blogs konsequent nicht zensuriere. Vergleichen wir das einmal mit dem Portal, das am meisten Kommentare überhaupt bekommt in der Schweiz, das ist das newsnetz.ch aka Bernerzeitung aka Tagesanzeiger.

Dort werden dem Chefredaktor zufolge zweidrittel alle Kommentare gelöscht. Seine feige Anpasserrechtfertigung gibt Chefredaktor Michael Marti grad persönlich zum besten. Um von seinem miesen Spielchen abzulenken, missbraucht er unsere Sympathie für die unverfroren ehrliche Tessiner-Skirennfahrerin.

Die Zensur schafft nämlich eine Reihe von Problemen. Sie haben alle damit zu tun, dass der demokratische Diskurs manipuliert wird und dass mittels undurchsichtiger Taktiken auf Entscheidungsträger Enfluss genommen wird.

Die Funktion der automatischen Zensur kann ich gut gut erklären. newsnet / Bernerzeitung.ch / Tagesanzeiger.ch sind auf dem Content Management System von WordPress aufgesetzt. Das heisst, die Technik im Hintergrund ist dieselbe wie bei meinem Blog. Es gibt drei Stufen: Erstens, alle deren Beiträge sowieso ungeschaut veröffentlicht werden. Zweitens alle, deren Beiträge erst veröffentlicht werden, nachdem der Bubi-Zensor durchgeschaut hat. Ein übergeordneter Filter geht nach Stichworten. Dieser löscht alles a priori weg, das eine Liste von Wörtern, email-Adressen, Namen, etc. enthält. Was durch diesen Filter durchfällt kommt weder in Liste 1 noch in Liste zwei sondern wird in einem separaten dritten Ordner beseite geschafft.

Solche Zensur eignet sich zur Manipulation der Leser.

1) Das erste, offensichtliche Problem: Leute, die nicht zu Wort kommen, ärgern sich tödlich. Sie haben sich ins Zeug gelegt, hart gearbeitet und nun wird ihre Mühe verschwendet.

2) Um die Zensur zu umgehen, muss man listig sein, Wörter gebrauchen, die den Bubi im Büro passen. Man muss sich geschickt und „differenziert“ ausdrücken. Man darf nicht schreiben: «Afrika soll keine Entwicklungshilfe mehr bekommen, die stellen bloss ständig Kinder auf.» (BZ vom 27.10.2013). Sondern man muss einen Wischiwaschi-Satz schreiben in der Art wie: „Unsere Entwicklungshilfe in afrikanischen Ländern verstärkt die dortigen sozialen Probleme und führt dazu, dass mehr Flüchtlinge nach Europa kommen.“ Das ist dann die saubere Anpassung an das übliche informationsfreie Medienblabla. Solche Zensur schliesst ganze Bevölkerungsschichten von der Diskussion aus, siehe Punkt 3.

3) Solche Erfahrungen entmutigen sehr viele Schreiber. Es führt dazu, dass immer weniger Leute mitmachen, oft nur noch diejenigen, die Zeit haben, an geschickten Voten zu basteln. (Siehe auch Punkt 8 — der Anschein, dass es immer mehr Schreiber hat, trügt.) Ein ähnliches Phänomen ist für die deutschsprachige Wikipedia nachgewiesen.

4) Diskussionen werden verunmöglicht. Erst beim Hin- und Her der Meinungen, Einwürfe, Einwände kommen neue Sachinformationen zum Vorschein, die vorher nicht verfügbar waren. Zu dem fangen viele erst in der Diskussion an, ihre eigenen Überlegungen präzise zu fassen und konkret Probleme anzupacken. (Siehe Punkt 6, wie newsnet mit Sachinformationen umgeht.)

5) Zudem werden die einfachen Leute, die sich nicht so gewählt ausdrücken vom Diskurs ausgeschlossen. (Hinterher wird man dann in den Volksabstimmungen überrumpelt, weil dieselben, die sich nicht öffentlich äussern dürfen umso deutlicher werden an der Urne). Vergleiche auch Punkte 2, 10 und 11.

Anderes kommt dazu:

6) Sehr oft wenn ich sorgfältig recherchiere, rein sachliche Kommentare schreibe, werden diese nicht veröffentlicht. Sehr offensichtlich sind die Zensoren bei newsnet überfordert, was die Sachthemen angeht. Sie löschen einfach alles, was sie nicht kennen. Vor allem auch wollen sich diese Journalisten nicht blamieren, wenn ihre Leser besser Bescheid wissen als sie selber — siehe auch Punkt 11 in dieser Liste.

7) In solchen Situationen habe ich Tests durchgeführt und dümmliche Blödelsprüche platziert. Diese wurden veröffentlicht. Das Wissensniveau von newsnet Journalisten bewegt sich ungefähr auf dem Niveau von 12-jährigen.

8) Newsnet kann die Öffentlichkeit manipulieren, indem sie vorgibt, ein Abbild von Lesermeinungen zu geben. Das ist der technische Aspekt.

9) Einzelne Newsnet- Redaktoren missbrauchen die Leserkommentare für ihre persönlichen politische Kampagnen. Mehrmals stellte ich fest, dass bestimmte Redaktoren nur die Meinungen veröffentlichten, die ihre persönliche Ansicht zum Thema wiederspiegeln. Rechtsgerichtete Meinungen gegen Velofahrer auf dem Trottoir. Linksgerichtete Hetze gegen Jet-Boote auf dem Brienzersee als Beispiele.

10) Sobald man mit seinem Namen auf der schwarzen Liste ist, muss man einen neuen Namen erfinden. Wer nun die langen Listen von Kommentatornamen sieht könnte meinen, dass auch sehr viele Leute kommentieren. Ich gehe davon aus, dass jeder der in newsnet.ch regelmässig Kommentare schreibt, mindestens vier bis sechs verschiedene Namen benützt und diese auch über die Zeit wechseln muss.

11) Wer sich kritisch äussert zur Arbeit der Journalisten wird gelöscht. Die Wörter „Journalist“, „Redaktion“, „Bernerzeitung“, „Tagesanzeiger“, „Michael Marti“, „Res Strehle“ sind auf dem Index. Wenn solche Wörter im Kommentar stehen, dann wird nicht veröffentlicht. Ich schreibe zum Beispiel „Schreiber“, „Verfasser“ anstatt „Journalist“. Das Wort „Bernerzeitung“ ersteze ich mit „dieses Blatt“ und schon geht es.

Anmerkung: „Res Strehle“ ist der linksextremistische Kumpel von Bombenterroristen aus Südamerika und Deutschland, der in den 70er und 80er Jahren mit solchen Verbrechern Küchentisch und Stuensofa teilte und der heute Chefredaktor im Tagesanzeiger-Konzern ist.

Mir kam es lange so vor, dass aus politischen Gründen jeder gelöscht wird, der nicht linientreu linke Parolen von sich gibt. Meine Mutmassung musste ich aufgeben, als wir Leserbriefschreiber frei von der Leber weg gegen die Velofahrer schimpfen durften, die auf der Kornhausbrücke auf dem Trottoir fahren. Ich glaube nicht wirklich, dass 90% der BZ-Leser die Velofahrer verdammen. Das kann gar nicht sein. Meine Theorie von links und rechts schien nicht aufzugehen.

Auf einmal verschwanden die Kommentare von Dr. Peter Beutler, linkem Luzerner Alt-Grossrat, SP-Mitglied, wohnhaft in Leissigen (diese Angaben stammen sämtlich aus dem was Dr. Peter Beutler im Verlauf der Jahre über sich selber öffentlich machte, ausser dass er natürlich sich selber als links, aber sicher nicht als extrem einstuft). Ein oder zweimal noch schaffte er es, seine Situation im Forum kundzutun: Seine Beiträge würden nicht mehr veröffentlicht, ganz offensichtlich weil er eine linke Position vertrete.

So sind war also an folgendem Punkt angekommen: Es gibt Leser wie ich, deren bürgerliche, gewerbefreundliche, auf Ruhe und Ordnung ausgerichteten Beiträge zensuriert werden. Es gibt engagierte Gutmenschen, die all die dahergelaufenen in Schutz nehmen, die uns Schweizer berechnend und skrupellos ausbeuten. Diese sehen sich selber natürlich als sozial, solidarisch, links. Auch sie stellen fest, dass ihre Beiträge ebenfalls gelöscht werden.

Ein verharmlosende Variante davon, wie ihre Zensur-Löscherei funkioniert, gab die Bernerzeitungsredakton von sich. Solche Äusserungen müssen als Desinformation qualifiziert werden.

Die Respektlosigkeit, die Oberflächlickeit, die Herablassung, wie die Bernerzeitung / newsnet mit ihren Lesern umspringt, wird kaschiert — es wird abgelenkt.

Am schwersten wiegt, dass die Massenmedien auf diese Art ein falsches Bild der öffentlichen Meinung vorgaukeln. Linke Parteipolitiker, Mainstream-Journalisten und die sechs Gartenzwerge im Bundesrat meinen dann, sie seien informiert und hätten das Schweizer Volk im Griff, bis sie dann in einer der berüchtigten Februarabstimmungen auf die Schnauze fallen.

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7 Gedanken zu „Zensur in Nachrichtenportalen ist feiges Bubizeugs.

  1. Ich hab kein Ahnung wie blöd man schreiben muss um in der Zensur hängenzubleiben. Schriebe ab und zu und bis jetzt immer mit dem gleichen Namen.

    Ich würde noch viel mehr zensurieren, wenn ich sehe wie viel rechtskonservative Propagandalügen und Beleidigungen veröffentlicht werden.

  2. @Hansli

    Ich schreibe Dir ein Beispiel für einen zensurierten Kommentar auf. Ich muss es aus dem Gedächtnis machen, weil ich den Wortlaut nicht speicherte:

    In der Bernerzeitung – Berner Oberland, 14. Februar – ein Tourismusunternehmer will Fahrten mit dem Jetboot zur Besichtigung der Giesbachfälle anbieten. Pro Natura ist als erstes schon dagegen, bevor die Fakten bekannt sind.

    Ich schrieb folgendes in meinen Kommetar: „Solange die Boote nicht zu viel Wellenschlag und Lärm machen, gibt es keinen Grund, das zu verbieten. Pro Natura jammert auf Vorrat, weil sie ja nicht einmal wissen, um wieviele Fahrten es wirklich geht — höchstens zwei oder drei Boote, fünf Fahrten pro Boot am Wochenende, mehr kann ich mir nicht denken.“

    Ok, Du bist vermutlich nicht einverstanden mit meiner Meinung. Aber ist das jetzt eine „rechtskonservative Propagandalüge“? Und ist es Zweck der Tageszeitung, nur noch zu veröffentlichen, was den linkskonservativen Jammerischützern von den Umweltverbänden in den Kram passt?

    Liest man nun die 22 Kommentare zu dem Thema, so sind 15 dagegen, einer dafür und 6 weitere sind Blödelsprüche, die mit der Sache nichts zu tun haben. So wird ein Abbild einer Öffentlichkeit produziert, das vorgaukelt, die Mehrheit sei gegen diese Boote. Vielleicht ist das so, vielleicht auch nicht.

    Man kann damit die Behörde manipulieren, die eine Bewilligung ausstellen muss. In Fällen, wo eine Volksabstimmung ansteht allerdings, da wiegt man dann eine ganze classe politique in Sicherheit. Die fällt auf die Schnauze und reibt sich die Augen.

  3. Das hat wohl andere Gründe als Zensur. So werden z.Bsp. nicht zu allen Artikel bis zum geht nicht mehr Kommentare veröffentlicht. Oder manchmal spielt es eine Rolle auf welcher Zeitungshompage ein Kommentar geschrieben wird. So werden z.Bsp. alle Tagi nicht veröffentlich, dafür alle Basler etc.

  4. @Hansli

    Du meinst, wenn ich statt auf Bernerzeitung zum Beispiel auf Berner Oberländer zum Brienzersee kommentiere, dann wird es veröffentlicht. Ich denke eher, das war, weil ich „jammern“ schrieb, Pro Natura kritisiert und weil der Journalist politisch Stimmung machen wollte.

    P.S. Sorry, hier gibt es grad ein Durcheinander mit meinen eigenen Diskussionsbeiträgen.

  5. @Jürg Kann einfach sein, dass dein Beitrag zu spät erstellt wurde, z.Bsp. nach Feierabend der zuständigen Person. Am Folgetag, wenn die Artikel mit zu wenigen klicks ins Archiv verschoben werden, lohnt sich das nicht mehr etc.. Muss nicht immer Zensur sein.

  6. Mein zweiter Versuch beim tagesanzeiger einen Kommentar zu hinterlassen, wurde zensiert. Unglaublich. Es war folgender, zum Thema Otto Warmbier:

    „Viele dieser („selbst Schuld“) Kommentare erinnern mich leider, leider an jene des Mordes an den beiden Frauen in Südamerika letzthin.

    Liebe Verfasser: der Fokus auf das Risikoverhalten in solch einer Angelegenheit impliziert in gewisser Weise die Akzeptanz dieser schrecklichen Taten, die sich auf dieser Welt abspielen.

    Ich sag es jetzt mal stark vereinfacht: die Diskrepanz bzgl. Diskussionsbedarf zwischen solchem Risikoverhalten und der Taten ist dermassen hoch, dass es von unglaublich mitgefühllosem Verhalten zeugt, diese mittels solcher Kommentare zu leugnen respektive sogar auf den Kopf zu stellen. Wenn der Mensch eine gewisse Stufe halt erst noch zu erreichen hat, dann fehlt mir wohl auch eine gewisse Einsicht, nämlich jene, dass dieser Kommentar überhaupt verstanden wird.“

  7. @Peter Müller
    Ich habe den Artikel im Tagi gegoogelt, den Sie vermutlich meinen. Sie haben drum etwas wichtiges vergessen: Sie hätten noch „Albisgüetlitagung“ einstreuen müssen und irgendetwas zusammenhangloses über Machtübernahmen in der Schweiz brabbeln müssen, dann wäre es schon gegangen.

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