Desperados oder „Bologna-Reform à la Bernoise“.

Am Montag habe ich eine Beschwerde gegen die Universität Bern an das Verwaltungsgericht abgeschickt. Zwar hatte die Rekurskommission meine Rechte als Behinderter geschützt. Dafür hatte sie es verpasst, mich auch grad noch vom Diplom- in das Masterstudium zu überführen. Sie bezog sich dabei auf eine Bestimmung im Reglement der phil-nat Fakultät, wonach in Bern nur Studenten den Master machen können, die das Bachelorstudium in den letzten 10 Jahren abgeschlossen hatten.

Ich hatte es extrem streng seit 10. Januar. Innerhalb von vier Wochen musste ich das schweizerische Recht rund um die Bologna-Reform auseinandernehmen. Dabei stellte ich fest, dass die Uni Bern geltende Gesetze bricht und das augenscheinlich sehr selbstverständlich nimmt.

Für mich als Blogautor ist das eine der allerschwierigsten Aufgaben: Meinen Lesern erklären, dass es für bernische Behörden ein normaler Vorgang ist, Gesetze zu missachten und eigenes Recht zu fabrizieren. Man fährt anschliessend so lange fort damit, bis man bei irgendeinem Untertanen auf die Schnauze fällt. Weil Bürger, Einwohner, Studenten für gewöhnlich nicht genügend informiert sind, weder Zeit noch Geld haben, sich gekonnt zu wehren, können bernische Behörden oftmals 10 oder 20 Jahre lang sich über die Gesetze hinwegsetzen. Sie tun das einfach und finden es normal.

Bernische Behörden machen ihre Gesetze selber. Sie meinen, sie dürfen das. Es hat auch eine lange Tradition. Ich hatte schon in den 70er Jahren solche Geschichten gehört. Sie gehen quer durch die gesamte Bernische Verwaltung hindurch, die gezielt und sehr diszipliniert sich von geltenden Gesetzen abschottet, wenn sie einen Vorteil dabei hat. Der erste, der mich darauf aufmerksam machte, war mein Vater. Als eidgenössischer Steuerexperte bei der direkten Bundessteuer musste er den Kanton Bern beaufsichtigen. Neben seiner Arbeit her, hat er von solchen Fällen aufgeschnappt.

Es gibt in der Schweiz kein „europäisches“ Bologna-Recht sondern nur die Bologna-Richtlinien, die von der Universitätskonferenz verabschiedet wurden. Diese werden dann im Universitätsgesetz des Kantons Bern für die Uni Bern festgenagelt. Nun vermeinte aber die Universität Bern, sie dürfe ein bestehendes kantonales Gesetz selber abändern und sie brauche sich auch nicht an das übrige Bologna-Recht zu halten. Nirgends, weder im Universitätsgesetz des Kantons Bern, noch in den Bologna-Richtlinien der Universitätskonferenz, noch im eidgenössischen Hochschulförderungsgesetz steht, dass man die Gültigkeit der Bachelordiplome zeitlich begrenzen dürfe.

Dennoch hat die naturwissenschaftliche Fakultät der Uni Bern als ganz allereinzige in der Schweiz so etwas wie ein Verjährung von Bachelordiplomen in ihrem Reglement. Nicht einmal die ETH Zürich hat das. Diese Berner Verjährung ist auf 10 Jahre angelegt. Die Bachelors werden seit 2006 vergeben. Das heisst, nächstens werden die erste Bachelors an die Uni zurückkehren, deren Diplom 10-jährig ist. Die Uni Bern will sie wegweisen.

Unsere Fakultät will um keinen Preis in der Welt bei mir nachgegeben. Sie weiss genau, wenn sie die Strecke bis 2016 durchhält, bis die ersten Bachelors aus dem Berufsleben zurück kommen, dann können sie das Gesetz brechen, so oft wie sie nur wollen. Die ganzen Konflikte, die ich seit 28. Februar 2011 an der Uni durchhalten musste, gehen alle zusammen nur auf dieses eine zurück: Die Uni Bern will das Universitätsgesetz in dieser Angelegenheit brechen können, nach eigenem Belieben. Man darf es bei mir nicht korrekt machen.

Das hatte zur Folge, dass das Dekanat den Professoren in den Rücken fiel, sie im Ungewissen liess, wenn diese mich korrekt und hilfsbereit betreuen wollten. Die ganze Verwirrung und Ungewissheit wären überflüssig, wenn nur der Dekan meinen täte, das Gesetz gelte auch für ihn und für seine Fakultät.

Schlimm ist, dass ich als Behinderter mit meiner stark reduzierten Arbeitsfähigkeit diese ganze Arbeit leisten muss. Schlimm ist auch, dass ich das meiste alleine machen muss. Sich gegen Behörden zur Wehr setzen ist eine sehr einsame Angelegenheit. Die meisten Bürger können es sich schlicht nicht vorstellen, dass das nötig ist.

Die phil-nat Fakultät verhält sich wie eine Bande von Desperados. Sie halten sich in ihrem Canyon mit seiner sauberen Quelle versteckt und machen ihre räuberischen Ausfälle gegen die Trecks junger Studenten auf dem Weg ins Berufsleben, die weder Zeit noch Lebenserfahrung haben, um ihr Hab und Gut wirkungsvoll zu schützen. So sehe ich das.

P.S.
Die andalusische Räuberbande auf dem Bild von Manuel Barrón y Carrillo ist übrigens grad in Schwierigkeiten: Über der Schlucht im Hintergrund, dem Bach entlang, rückt die Guardia Civil vor. Ob die Gesetzlosen die Schiesserei durchhalten und noch einmal flüchten können, wird sich weisen.

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