Das Dings…

… mit den schlechten Frauenlöhnen stinkt zum Himmel.
Zuerst das offensichtliche aus unserem Berufsfeld: Frauen verdienen durchweg 1000 bis 1200 Franken weniger im Monat als Männer. Das entspricht 12 bis 15%. Zu unserer Diskussion hier im Blog über die Löhne von Ökologen und Biologen in der Schweiz habe ich das Salarium des Bundesamtes für Statistik befragt.

Für den nächsten Blogeintrag spare ich die Frage auf, ob die professionellen Frauengleichstellungs-Besserwisserinnen überhaupt die relevante Frage stellen. „Warum verdienen Frauen weniger als Männer?“ ist vermutlich die falsche Frage.

Das Salarium ist erheblich, weil dort sämtliche Lohndaten aus den AHV-Abrechnungen sämtlicher Arbeitnehmer aus sämtlichen Branchen erfasst und ausgewertet sind. Da sowieso alle Erwachsenen AHV-Beiträge zahlen und die AHV-Kassen nach Branchen organisiert sind, ist es für das Bundesamt recht einfach, diese Daten zu bekommen.

Branchen sind in diesem System nur grob eingeteilt. Ich nahm zwei häufige Arbeitgeberbranchen: Chemische Industrie und freiberufliche wissenschaftliche Tätigkeiten. Als Tätigkeit nahm ich „Forschung und Entwicklung“ und „Begutachten, beraten, beurkunden“. Ich schaute die Zahlen an, einerseits für Unternehmensgrössen von weniger als 20 und andererseits mehr als 50 Beschäftigten. Als Region nahm ich in allen Fällen die ganze Schweiz und ich gab 3 Jahre Berufserfahrung, sowie das Alter von 30-jährig ein. Das entspricht ungefähr dem Alter für den Berufseinstieg, den ich allen Studienabgängern dringend anrate. Als Akademiker sollte man „höchst anspruchsvolle und schwierigste Tätigkeiten“ ausüben und in dem Alter hat man noch keine Kaderfunktion.

Ich probierte sämtliche Kombinationen aus. Der Median der Bruttomonatslöhne sowohl von Männern sind je nach Suchvorgabe zwischen 6500 und 9500 Franken. Doch die Frauenlöhne sind regelmässig um 12 bis 15% tiefer als diejenigen der Männer.

Die Frage ist nun, ob das nicht alles viel zu einfach gestrickt ist. Was sonst noch beeinflusst die Löhne ausser dem Geschlecht? Und sind die Statistikerinnen beim BfS genug phantasievoll, um nach den Ursachen zu forschen oder ziehen sie sich einfach auf gängige leicht zugängliche Datensätze zurück?

Und auch: Sind meine Studienkolleginnen der bösen männerdominierten Wirtschaftswelt und der niederträchtigen SVP-Politik ausgeliefert, die eine flächendeckende Nivellierung verhindern? Oder hat jeder einzelne, Frau wie Mann, mit seinem eigenen Verhalten, seinen Entscheidungen, seinem Lebensweg viel mehr Einfluss auf den Lohn? Was ist mit denen, die ganz einfach nicht mehr Lohn haben wollen — aus welchen Gründen in dem Fall?

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5 Gedanken zu „Das Dings…

  1. Ein Beispiel (keine Biologin) erhält ihre erste Arbeitstelle. 2 Stellen im gleichen Bereich im gleichen betrieb sind ausgeschrieben. Jobbeschrieb klingt interessant und der Qualifikation nach dem Studium angemessen, zudem ist der Lohn gut (kein Wunder ist Bundesnaher Betrieb). Im Bewerbungsgespräch, das erste in ihrem Leben, verläuft alles gut und irgendwelche Haken sind nicht zu erkennen. Dass die genauen Aufgaben zwischen den 2 neuen nach Antritt vergeben werden, nimmt sie aus mangelnder Erfahrung nicht wahr. Aber muss man immer gleiche Böse Absicht erwarten? Denn und kommt die böse Überraschung. Ihr Kollege, ebenso Anfänger, wird als Projektleiter angesetzt und sie muss ihm zudienen. Kollege war vom selben Jahrgang und sie war in allen Fächern besser als der. An den Sitzungen wird ihr nicht das Wort gegeben, ihrem Kollegen schon. Und selbstverständlich wird erwartet, dass sie den Kaffee holt. Sie sieht zu recht zwei Möglichkeiten. Entweder den Lohn akzeptieren und in dieser beruflichen Sackgasse bleiben oder kündigen, den motzen bringt nur schlechte Referenzen. Also neuer Job gesucht, jetzt ein bisschen wählerisch, da Lebensunterhalt gedeckt.

    Oder ein Bekannter bewirbt sich mit einer Kollegin, die das gleiche studiert hat mit den exakt gleichen Fächern, um die gleiche Stelle. Er hatte einen um 0.1 bessere Noteschnitt als Sie, aber beide um die 5.5. Sie erhält eine Standardabsage die mit den ersten Absagen rausgeht worin steht, für die Stelle haben sich Leute beworben, dessen Profil besser passt. Das Profil das nicht passte war: Frau! Denn er wurde eingeladen. Das Bewerbungsgespräch hat ganze 15 s gedauert. „Ich freue mich in einem sexistischen Betrieb zu bewerben……..“. Waren in etwa die Worte 🙂

    Männer bekommen leichter gute Jobs und werden eher befördert.

  2. Einmal die Frau, einmal der Mann
    Sind zwar mittlerweile eine Minderheit der Unternehmen, aber immer noch zu viele. Hätte noch weitere Beispiele….

  3. @Hansli

    Grundsätzlich: Wenn es in einem Bereich wie der Ökologie sehr viel zu viele Studienabgänger hat und zuwenig Stellen, dann können sich die Chefs Marotten leisten, die mit den Aufgaben des Betriebes nichts zu tun haben.

    Wie aber wäre das in der Basler chemischen Industrie wo notorisch, seit ende der 60er Jahre ein ständiger und nie kurierter Mangel an Chemikern und teils auch Biologen herrscht? Könne die sich leisten, Frauen anders oder schlechter zu behandeln?

    Und: Wenn ein Chef jemanden schlechter behandelt, weil sie ein Frau ist, so wird er genauso unfähig und daneben sich verhalten, weil ein Angestellter eine dicke Brille hat, nach Knoblauch riecht, am Sonntag Ski fährt, das falsche Bier trinkt oder mit dem Auto statt mit der Bahn zur Arbeit kommt. Er wird immer einen Vorwand finden, zu zeigen wie blöd er ist. Die Frage ist demnach, wer will für einen blöden Chef arbeiten?

  4. Das waren keine Beispiel aus unserem Biobereich. Die sind aus sehr männlich dominierten Bereichen. Solche voreingenommene Chefs sind keine Seltenheit, der Generationenwandel wird das Problem lösen.

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