Staatsbürgerprolet.

Rekord: Ich habe das Stimmaterial aus dem Briefkasten genommen und brauchte 5 Sekunden, um die Stimmzettel auszufüllen. Normalerweise brauche ich 20 Sekunden. Das Abstimmungsbüchlein fliegt als erstes in den Ofen. Die lese ich seit 15 Jahren nicht mehr. Dort stehen sowieso nur die Lügen der Regierung drin. Die haben extra ihre Kommunikationsabteilungen, die an den Texten feilen, damit sie das Stimmvolk einseifen können. Abstimmen tue ich per Brief, so bekommen die Politiker und die linken Journalisten gar keine Gelegenheit, mich ständig von neuem anzulügen.

Was kommt dabei heraus? Es gehen immer weniger Leute abstimmen, weil sie lieber nichts tun, als sich für blöd verkaufen zu lassen. Lieber werde ich vom kundigen Staatsbürger zum blicklesenden Proleten, der die Geschicke dieses Landes mitbestimmt.

Also, wie sieht das bei der nächsten Abstimmung aus:
Nein, dagegen, dass Steuerzahler und Autofahrer wie die Milchkühe ausgenommen werden, weil die Leute zu faul sind, ihren Haushalt in die Nähe des Arbeitsortes zu zügeln.
Ja, dagegen, dass ich als Krankenkassenprämienzahler die Life-Style-Entscheidungen sorgloser Frauen mitfinanzieren soll.
Ja, dafür, dass die schweizerischen Arbeitgeber den Universitäten dreinreden und sich gefälligst dafür wehren sollen, dass hier in der Schweiz qualifiziertes Personal ausgebildet wird.

Und beim Kanton:
Ja, dafür, dass ich als Steuerzahler nicht bei jedem einzelnen Schuttmätsch von YB 150’000 Franken an die Bewachungskosten zahlen soll.

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29 Gedanken zu „Staatsbürgerprolet.

  1. Unverschämt gelogen wird gerade rechts. Entbehrt jeglicher Grundlage, aber trotzdem werden immer wieder die gleichen falschen Argumente gebracht. Ich habe heute keine Zeit die Liste der Unverschämtheiten zu bringen.

    Die Unternehmen werden nur eins machen. Wenn die Mitarbeiter nicht mehr zu finden sind und das in der PFZ enthaltene Entsendegesetz fällt, dann fallen hier tausende Stellen weg. Falls zusätzlich die Bilateralen 1 fallen, dann beginnt erst richtig der grosse Umzug in die EU.

  2. „Rechts“ ist eigentlich nur die SVP. Ist demnach Deine Meinung, dass ein Drittel der aktiven Stimmbürger alles nur Schafsköpfe sind, die der Herde hinterherlaufen?

  3. Kannst Dir einmal das Extrablatt herunterladen. So viel Verarschung des Bürgers auf so wenig Papier ist unglaublich.

    Dabei sind die Fakten eindeutig:
    – Die PFZ hat keinen Einfluss auf die Arbeitslosigkeit.
    – Die Anzahl Sozialhilfebezüger ist seit Jahren konstant. Es hat kein Einwanderung ins Sozialsystem stattgefunden.
    – Das BIP ist gestiegen, die Löhne ebenso.
    – Die PFZ Ausländer bezahlen mehr in die Sozialsysteme als sie beziehen.
    – Ohne Ausländer hätten wir in kürze ein Defizit in der AHV.
    – Die Kriminalität ist nur punktuell gestiegen. Und ist immer noch tiefer als in den 80’er. ZH war z.Bsp. noch nie so sicher wie heute.
    – Der Verkehr hat um ein vielfaches mehr Zugenommen als die Einwanderung. Da sind die Einwanderer nur zum Teil beteiligt. Das andere sind die Freizeitbedürfnisse und die sich veränderte Arbeitswelt.
    – Die Mieten steigen, weil sich die vielen Leute mit sehr gut bezahlten Jobs dies leisten können. Zudem unternimmt die SVP alles um die Mieten zu erhöhen.
    – Lohndumping ist nur in einigen wenigen Bereichen ein Problem. Und auch da gilt. Nur weil sich einige Betrügen, muss nicht das ganze Verboten werden. Immerhin hat sich die SVP jeweils alles unternommen um diese Betrüger zu decken.
    -Lohndruck…… Haben die noch nie etwas von Globalisierung gehört? Kein Mensch bezahlt mehr, nur weil etwas aus der Schweiz ist.
    – Kulturlandverlust und Zersiedelung Ja ist ein Problem. Aber die SVP hat alle Massnahmen dagegen bekämpft. War gegen das Raumplanungsgesetz, gegen die Zweitwohnungsinitiative und im Kanton ZH gegen die Kulturlandinitiative.
    – Da wirkt die Sorge ums Kulturland…. ich schrieb hier besser nicht was ich denke.

    Erstens sind die Argumente nachweisbar falsch und bei den damit wenigen Problemen haben sie bis anhin die Lösungen bekämpft.

  4. Aber das beste ist natürlich, die Behauptung, die EU würde ohne Gegenforderungen unsere Bedingungen akzeptieren. Da steht nichts von bereits bekannten Forderungen wie die inakzeptable Forderung der automatischen Rechtsübernahme und die werden sicher noch weitere Forderungen haben. Im besten Fall haben wir dann einen geänderten Vertrag, aber gespickt mit unzähligen anderen Wünschen. Wobei die PFZ gegenseitig ist. Da profitieren tausende Schweizer davon. Die Auswanderung in die EU nimmt von Jahr zu Jahr zu. Kenn kaum jemand der nicht im Ausland war. Die meisten davon in der EU. Grossunternehmen z.Bsp. werden dann keine Schweizer mehr anstellen, weil die nicht unbürokratisch ins Ausland geschickt werden können. Das andere ist das Entsendegesetz. Dann kann man nicht mehr schnell zu den Kunden gehen. Davon profitieren viele KMU, weil ein Standort in der EU zu teuer ist. Nun können Sie unkompliziert Mitarbeiter in die EU schicken für Dienstleistungen, Servicearbeiten und Montage. Bereist das ist hart zu kompensieren. Richtig lustig wird das, wenn die Bilateralen 1 Fallen. Dann fällt die erleichterte Zulassung der Produkte, dann könne die gleich auswandern. Oder hier werden Lohnkürzungen von ca. 20% akzeptiert, um die gesamten Mehrkosten der beiden Faktoren zu kompensieren. Viele werden wohl zügeln. Zusätzlich fällt dazu noch das öffentliche Beschaffungswesen weg. Da werden dann zusätzlich tausende Arbeitsplätze gestrichen.

    Zudem wird das Kontingentsystem zu einem bürokratischen Monster, dass der Wirtschaft jegliche Flexibilität nimmt. Da fallen nochmals tausende Arbeitsplätze durch Auslagerung weg. Und zudem ist da die Initiative schwachsinnig formuliert. Dort heisst es, die Wirtschaft soll alle benötigen Arbeitskräfte weiterhin erhalten. Ist das der Fall nimmt die Zuwanderung nicht ab.

    Die SVP lügt einfach das Volk an. Ohne Rezession haben wir nicht weniger Einwanderung. Wer weniger Einwanderung will der muss unsre Wirtschaft bremsen. Anders geht das nicht. Diese Bremsspur wird auf jeden Fall tausende Arbeitsplätze kosten. Der Fall der Bilateralen würde uns zudem direkt in die EU führen, weil wir wirtschaftlich erledigt wären.

  5. Ich kann Ihre Argumentationsweise auch nicht nachvollziehen, Herr Brechbühl. Bei Annahme der MEI wären „Kontingente für erwerbstätige Ausländerinnen und Ausländer“ im „gesamtwirtschaftlichen Interessen der Schweiz“ vorgeschrieben. Dadurch wäre von Seite der Arbeitgebern noch mehr Anreiz vorhanden, die Bildung in der Schweiz zu vernachlässigen: je weniger halbwegs qualifizierte inländische Bewerber es gibt, desto einfacher ist es zu beweisen, dass ein Zuwanderer eine Stelle besetzen muss.

    Das jetzige System ist keineswegs Perfekt, aber wenigstens erlaubt es einzelne motivierte Schweizer auf nicht komplexer Weise über den Tellerrand zu schauen in dem sie in einem Nachbarland studieren oder arbeiten. Wie mittlerweile bekannt ist, müssen die grossen Nachbarländer ihre Arbeitskräfte Grossteils selbst ausbilden. Deshalb haben sie auch einen Anreiz, die eigenen Universitäten nicht vergammeln zu lassen. Als Schweizer kann man davon durchaus profitieren, mit PFZ einfacher als ohne.

    Meiner Meinung nach wird es mit oder ohne PFZ noch ein paar Jahre dauern bevor man sich bewusst wird, dass man in der Schweiz bei der Nachwuchsförderung zu viel gespart hat. Allerdings kommen im nördlichen Nachbarland in der 2. Hälfte des Jahrzehnts der Anfang der grossen Pensionsierungswelle der Nachkriegsgeneration auf uns zu. Gleichzeitig werden die Anzahl Uni-Abgänger aus dem wirtschaftlich noch angeschlagenen Ostdeutschland stark sinken, da nach 1989 die Geburtenrate im Osten stark gesunken ist (in den 1980er Jahren war die Fruchtbarkeitsrate in Ostdeutschland noch deutlich höher als in Westdeutschland). Spätestens beim gleichzeitigen Eintreffen dieser zwei Phänomene wird man auch in der Schweiz merken, dass man den eigenen Nachwuchs selbst ausbilden. Möglicherweise wird man dann auch dankbar sein, dass sich doch recht viele Schweizer ins Ausland gewagt haben, zum Teil mithilfe der PFZ. Diese Auslandsschweizer werden sich dann beim Wiederaufbau des Bildungswesens nützlich machen können.

  6. @ S Zürcher

    Danke für die ausführlichen Informationen vor allem zur Frage, wie sich die Dinge in Deutschland verändern.

    Zum ersten Punkt. Das wird eine Frage der Dynamik. Ich gehe davon aus, dass die Löhne für schweizerische Studienabgänger aus den richtigen Fachrichtungen steigen werden, sobald der Import von billigen Ausländern stockt. Man wird mehr hiesige werben. Wenn dann die hiesigen unvollständig ausgebildet sind und sie kosten erst noch einen Haufen Geld, dann wird der Leidensdruck in der Privatwirtschaft genug schnell genug gross und sie werden innert weniger als fünf Jahren auf den Putz hauen.

    Ich erlebe eine Uni nach 16 Jahren Larifari von wegen „politischer Autonomie der Universität“. Die Studenten sind träge, denken kaum über ihre berufliche Zukunft nach. Den Studenten fehlen die klaren Anhaltspunkte, um die Lehrinhalte auf Vollständigkeit zu überprüfen. Sie stellen keine Forderungen an die Fakultät. Die Arbeitgeber ebenfalls, sie lassen die Unis dümpeln und überlassen es dem Egoismus der Professoren, was halt grad unterrichtet wird und was nicht.

    In unserer Fakultät ist man vor allem mit dem Bologna-Dünkel absorbiert, will als die grössten und besten dastehen, ohne dass es einen realen Bezugsrahmen dafür gäbe. Sehr viele Professoren meinen im Ernst, sie täten einen guten Betrieb führen, wenn sie möglichst viel publizieren. Sie nehmen das als Massstab für „Qualität“.

    Um es in Relation zu stellen: Das Biologiedepartement der Uni Bern hat 24 Personen mit Professorentitel, ordentliche und alle anderen eingerechnet. 24 Professoren produzieren mit ihren 30 Doktoranden 2500 Publikationen pro Jahr. Come on! Wer ist so gescheit, dass er zweimal pro Woche etwas bedeutendes zum in die Welt Hinausposaunen hat?

    Hier werden Papierberge produziert auf Kosten der Ausbildung. (Im Vergleich das Biologiedepartement der ETH Zürich liefert 1500 Publikationen pro Jahr).

  7. @Jürg Warum sollen die Löhne steigen? Wer nicht zu globalen konkurrenzfähigen Preisen produziert, der bleibt auf seinen Waren sitzen. Die Produktivitätsgewinne der letzten 10 bis 15 Jahren wurden den Kunden weitergegeben.

  8. @Hansli
    Nehmen wir als Beispiel einen international tätigen, holländischen Konzern, der in der Schweizer Niederlassung chemische Spezialitäten produziert und damit handelt. Das Beispiel ist real und stammt aus einer Sammlung von Stelleninseraten, die ich vor sechs Jahren anlegte.

    Diese Chemiefirma braucht einen Ökologen, um das Image zu pflegen und um pingelig genau die hiesigen Umweltvorschriften einzuhalten. In Frage kommen Biologen, Geographen, Chemiker, Umweltnaturwissenschflter für diesen Posten. Die Firma ist direkt am Rhein (Pratteln oder Rheinfelden) – wo ich erinnere nicht mehr genau.

    So wie ich das gerne hätte, wäre diese Firma gezwungen, Schweizer Ökologen anzustellen. Sie weiss sehr genau, welche Fähigkeiten der Stellenbewerber mitbringen muss und wird entsprechend den Lohn zahlen, den dieser Spezialist verlangt. Die Spannweite beim Verhandeln wird zwischen 110’000 und 130’000 Franken pro Jahr liegen. Wenn ein Stellenbewerber von sich zuverlässig weiss, dass er einer der wenigen Hochschulabsolventen ist, die nicht nur ein Diplom im Sache haben, sondern auch das nötige Fachwissen mitbringen, so wird er diesen Lohn bekommen.

    Ein durchschnittlicher Absolvent aus unserem heutigen Bologna-Murks-Studium wird auf die Nase fallen, weil viel zu schnell klar wird, dass er das nötige Zeugs nicht hat. Die geschulte „Human Ressource Managerin“ wird das clever und schnell merken, dem Bewerber einen Teilbereich anvertrauen zur Entlastung anderer Spezialisten, irgendso einen Koordinatoren-Bürogummi-Job. Unser Durschnitts-Ökologe bekommt dann 80’000 oder 90’000 Franken und ist unendlich glücklich, wenigstens eine Stelle gefunden zu haben.

    Der Unterschied von sagen wir 40’000 Franken pro Jahr für einen besonders wichtigen Spezialisten fällt bei den Produktionskosten der ganzen Chemiefirma nicht ins Gewicht. Aber die Geschichte vom erfolgreichen Hochschulabsolventen kann die Runde machen und dazu führen, dass die Jungen ihre Ausbildung überprüfen und bei den Fakultäten vorstellig werden und Forderungen stellen.

  9. @Jürg Deine Lohnvorstellung sind jenseits jeglicher Realität. Ohne Managementverantwortung erhält niemand mehr als 100’000.- . Ausnahmen sind IT oder Bank. Der Anfangslohn wird mit Glück irgendwo zwischen 70’000.- bis 80’000.- liegen und später nie über 100’000.- kommen. Einmal abgesehen davon, dass in eine solchen Position kein Anfänger angestellt würde.

    40’000.- sind extrem viel in einem Geschäft mit sehr kleinen Margen wie die Spezialitätenchemie.

  10. Werte Herren,

    ein promovierter Naturwissenschaftler mit 3-5 Jahren Berufserfahrung (nach Verlassung der Hochschule) bekommt bei einem Großunternehmen in der nördlichen Euro-Zone — also die Länder, die dem germanischen Sprachraum zugehören — 75-95 T€ Lohn. In der Schweiz ist es meines Wissens nach 100-130 T CHF. Also verdient man bei jetzigen Wechselkurs etwa 10-20% mehr in der Schweiz, was aus meiner Sicht vollständig durch die höhere Arbeitsplatzsicherheit in der Euro-Zone kompensiert wird. Der niedrigere Steuersatz in der Schweiz wird durch die niedrigeren Lebenskosten in der Euro-Zone ausgeglichen. Die Mär des billigen Ausländers ist also aus meiner Sicht genau das: etwas, dass sich einige Schweizer einbilden, wenn sie Schwierigkeiten in der Stellensuche haben.

    Offensichtlich gibt es an einigen CH-Universitäten ein Problem in der Grundausbildung in gewissen Fachrichtungen. Die Richtigkeit dieser Aussage kann ich nicht direkt beurteilen, aber Sie ist auf jeden Fall plausibel. Ich habe schon argumentiert, dass das jetzige System mündige Schweizer Studenten erlaubt, mit wenig bürokratischer Mühe ins EU-Ausland zu gehen um sich zu bilden oder weiterzubilden (und möglicherweise auch in einen Teilzeit zu arbeiten um sich finanziell zu unterstützen). Ich bin überzeugt, dass für für ein kleines Land die Möglichkeit von einem Studium oder Arbeitsaufenthalt im Ausland besonders wichtig ist, z.B. weil nicht alle Fachrichtungen in gleicher Qualität im Inland angeboten werden können. Mir ist aber auch bewusst, dass der Wegfall der PFZ dies nur erschweren, aber nicht verhindern würde.

    Ein letzter Punkt: Auch innerhalb de Schweiz gibt es eine Konkurrenz zwischen den Unis, ETH/EPFL und FH. Wenn es klar wird, dass z.B. die Uni Bern kein anständiges Grundstudium in z.B. Biologie anbietet, dann kann der informierte Student auch innerhalb der CH ausweichen, vorausgesetzt er kann darüber sich informieren. Irgendwann wird sicherlich auch der Steuerzahler eingreifen.

  11. @S Zürcher 100-130T Wo bitte? Und ohne Managementposition? Meine Zahlen beziehen sich auf Master oder Diplom. Und ich kann Ihnen versichern, alle die kenne verdienen auch mit Promotion nicht mehr als 7000.- . Ausser Sie arbeiten in der erwähnten IT, Bank oder auch Pharma (aber auch da lange nicht alle).

    brutto. http://www.conviva-plus.ch/index.php?page=297

    Ein typischer Abgängerlohn ist so um die 6’000.- . Wobei die Spanne mit Ausnahmen im Bereich 5’000 bis 7’000.- sein dürfte. Aber wer dann gut arbeiten kann je nach Branche schnell aufsteigen. Wobei die Grenze ohne Managementfunktion bei etwa 100’000.- ist.

  12. Nachtrag: Ich gehe davon aus, dass einem promovierten Naturwissenschaftler einige Laboranten unterstellt sind, d.h. er hat eine gewisse „Managementverantwortung.“ Ein Monatslohn von 6 T CHF halte ich für unplausibel. (Man muss aufpassen, da die Berufserfahrung oft ab Diplom/M.Sc. zählt. Nach 5 Jahren sind die guten Studenten oft noch an der Hochschule und verdienen dementsprechend wenig.)

  13. S Zürcher Zu ihrem Nachtrag: Ein paar Laboranten beaufsichtigen sind keine Managementposition. Management heisst Projektverantwortung inklusive Akquisition, Budget und alles was dazugehört. Ein reales Beispiel: 30 Laboranten unterstellt, erster Job nach Studium, 5500.- Lohn. Bezahlt hier in ZH-Agglo.

  14. Hansli, wir vergleichen offensichtlich z.T. Äpfel und Birnen (Diplom vs. Promotion, Abgänger vs. Berufserfahrung). Sicher kommt auch die genaue Fachrichtung in Frage. Zu meinen Zahlen zum Lohn in der Industrie im EU-Raum stehe ich (zumindest die Teile des EU-Raums, die ich kenne). Wenn Ihre Zahlen annähernd stimmen ist meine Aussage — man verdient in der EU nicht schlecht im Vergleich zur Schweiz — jedenfalls richtig (vorausgesetzt man findet eine Stelle).

  15. @S Zürcher Die genau Fachrichtung und vor allem die Branche spielt eine viel grössere Rolle. Leute mit Promotion können in der EU in vielen Ländern mehr verdienen als hier in der CH. In der EU kennen viele Länder eine ganz andere Lohnpyramide. Hier verdient der Laborant unwesentlich weniger als sein Chef, in der EU ist die Differenz sehr viel grösser. Und in meinem letzten Lohnbeispiel ist der Konkurrenzdruck gross, das könnte genauso gut irgendwo in Osteuropa erledigt werden. Der einzige Grund für den Standort CH ist die Kundennähe, aber die Kosten dürfen natürlich nicht überstrapaziert werden.

  16. Die Löhne sind für EU-Akademiker kein Grund um in die Schweiz zu kommen. Die meisten haben zuhause mehr vom Geld.

  17. Jetzt sind wir uns offensichtlich grossteils einig, Hansli. Ich würde also jedem Schweizer Akademiker, der sich um seine Bildung gekümmert hat und der etwas Mut hat, den Blick in die EU empfehlen (natürlich nicht Spanien, sondern D, NL, usw.). Man verdient gut, trinkt gutes Bier, isst gut, fährt auf breiten Autobahnen und je nach dem gibt es auch Berge (oder in NL: zumindest Deiche).

  18. @Hansli
    @S Zürcher
    Danke, dass Ihr beide mit Recherchen und Erfahrungswerten zur Diskussion beisteuert.

    @Hansli
    Vergleichend zwischen heute und vor zwanzig Jahren stelle ich fest, dass heute 25-jährige die Doktorarbeit abschliessen, während man dazumal frühestens in dem Alter mit dem Diplom fertig war. Die anmassende Ideologie dahinter ist die Behauptung, auf diese Weise würden unsere Wissenschaftler international konkurrenzfähiger. Die Realität ist, dass heute ein PhD im besten Fall das Wissensniveau erreicht wie vor zwanzig Jahren jeder diplomierte Biologe. Beunruhigend finde ich die Beobachtung, dass Studenten mit Masterabschluss inzwischen kaum noch Chancen haben, eine gut bezahlte Arbeitsstelle zu finden.

    @S Zürcher
    Mir ist eher egal, ob deutsche Akademiker billiger sind als schweizerische oder nicht. Mir kommt es darauf an, dass schlecht ausgebildete schweizerische Naturwissenschaftler schlechte Chancen bei der Stellensuche haben und dass unsere Studenten zu brav und zu unpolitisch sind, um sich bei der Fakultät zur Wehr zu setzen, wenn diese eine unvollständige Ausbildung anbietet oder wenn ausländische Professoren zwar hier den Lohn beziehen, sich aber um das Unterrichten drücken.

    Besonders schlecht denke ich über die Parlamente, die den Universitäten einfach alles durchlassen und wegschauen. Im Kanton Bern gibt es keine Hochschulpolitik. Wenn der grosse Rat Bildungspolitik macht, dann geht es um Tagesschulen und Kindergärten.

    Meine Sicht ist, dass die Personenfreizügigkeit für die Arbeitgeber der bequeme Ausweg ist, um sich bildungspolitisch nicht engagieren zu müssen. Dies geht zulasten der meiner jungen Studienkollegen, denen man keine gute Ausbildung verschafft.

  19. @S Zürcher Die heutigen Studenten sind sehr mobil, da ist ein Auslandsaufenthalt das normalste der Welt. Das hat sich in ca. 10 bis 15 Jahren komplett gewandelt.
    @Jürg Ohne Zugang zum EU-Binnenmarkt wird hier ein Jobkahlschlag stattfinden. Wer eine wissenschaftliche Karriere machen will, der hat nur eine Chance wenn man den Dr. mit 25 Jahren macht. Denn nur so kommt die benötigte Anzahl Publikationen zusammen. Das benachteiligt die Studenten aus dem deutschsprachigen Ländern die im Schnitt älter sind als die Franzosen und Angelsachsen. Und ja, jemand der mit dreissig seinen Titel hat ist natürlich meist fachlich besser als einer mit 25, immerhin hat er 5 Jahre mehr Erfahrung. Aber wichtiger ist, einer der mit 25 seinen Titel hatte und mit 30 PostDoc ist, der hat mehr konkrete praktische Erfahrung als einer der mit 30 seinen Titel hat.

    Die Parlamente haben längst betreffend Unipolitik entschieden. Das heisst Wettbewerb, sprich möglichst viele Publikationen. Diesem Ziel wird alles untergeordnet, denn Wettbewerb um jeden Preis ist das höchste Ziel. Die Einflussnahme der Wirtschaft wird übrigens stark bekämpft, siehe den Knatsch nach dem UBS-Sponsoring an der UZH.

  20. @Hansli

    Deine und S Zürchers Beiträge zeigen mir, dass die Anfangslöhne für Akademiker seit der Einführung der Personenfreizügigkeit um ca. 15 bis 20% gesunken sind. Ich habe 2003 und 2007 je Umfragen zu Anfangslöhnen und zu Löhnen für Ökologen und Biologen nach 3 Jahren Berufserfahrung gemacht.

    Ich habe nur einmal gesehen, dass ein Postdoc hinterher eine gut bezahlte Stelle in der Privatwirtschaft bekam. Die Leute sind in dieser Situation schon zu sehr eingeschossen auf den akademischen Betrieb und auf die Publikationsproduktion. Für die flexible Nutzung ihres Spezialistenwissens sind sie kaum noch einsatzfähig. Anno dazumal nannte man das „deformation professionelle“ oder auch „Fachidiot“.

    Ich denke, das Alter zwischen 25 und 28 ist ungefähr richtig, um als Fachspezialist Arbeit zu suchen. So wie das aussieht, bekommen Doktorierte heute ungefähr die Stellen, die vor 20 Jahren Diplomierte erhielten. Das entspricht dem Alter und dem Ausbildungsstand, kaum aber dem akademischen Titel.

  21. @Jürg Mein Beispiel (Beispiel: 30 Laboranten unterstellt, erster Job nach Studium, 5500.- Lohn. Bezahlt hier in ZH-Agglo.) war von 2001. PS. Kenne auch Ingenieure die vor der PFZ zu diesem Lohn angestellte wurden. Deine Lohnerwartung war bereits vor der PFZ zu hoch. Die Löhne sind nicht gesunken, das zeigt auch jede Lohnstatistik. Besser bezahlt haben seit je nur IT, Banken, und Pharma. In der IT verdient jemand mit Studium mit ca. 5 Jahren Erfahrung als Projektleiter locker an die 150’000.-. Und trotz diesen löhnen finden die kaum Leute!!!. Ich kenne mehre erfolgreiche ehemalige PostDocs in der Privatwirtschaft, aber genauso viele gescheiterte. Das Problem ist halt, wer erfolgreich PostDoc war, der hat meist auch keine Probleme eine Stelle zu finden. Wer als PostDoc nur so knapp überleben konnte, den wird auch Probleme haben bei er Stellensuche in der Privatwirtschaft.
    Abgesehen davon ist früher nicht heute, so vor 30 bis 20 Jahren wurden alle Bioligenstellen geschaffen. Klar war es leichter, dann eine Stelle zu finden. Die staatlichen Stellen werden nun wo möglich reduziert. Und auch in der Privatwirtschaft werden nicht alle Stellen mehr ersetzt. Zudem hat sich die Anzahl der Bewerber für die Biologen vergrössert. Da nun auch Geographen, Umweltwissenschaftler und Umweltingenieure gezielt auf Berufe im Umweltbereich ausgebildet werden. Für Biologen bleiben nur die Hardcoreökologenjobs ohne Konkurrenz durch diese Abgänger.

  22. @Hansli
    Ich werde gelegentlich beim Bundesamt für Statistik nach solchen Zahlen fragen.

    Und nein, es sind nicht „Lohnerwartungen“ sondern anonymisierte detaillierte Bestätigungen tatsächlicher Anstellungsverhältnisse, die ich damals von verschiedenen Arbeitgebern besorgte, um die Verhandlungen mit einem Automobilhaftpflichtversicherer führen zu können.

    Möglicherweise reden wir nicht von demselben. Ich schreiben von Bruttolöhnen, vor Abzug der Arbeitnehmerbeiträge an die Sozialversicherungen.

  23. @Jürg Ich schreibe von Bruttolöhnen. Und der Durchschnitt ist sicher etwas anderes als Deine gesuchten Beispiel für die Versicherung. Denn da wird doch der möglichen Erwerbsausfall berechnet, also bei einer mustergültigen Karriere.
    Auf Admin ist das für Akademiker Männer 110’000 und Frauen 88’400. Aber da ist der Investmenbanker ein Herr Grübel auch dabei. Da ist dieser link besser

    brutto. http://www.conviva-plus.ch/index.php?page=297
    Aber hier wiederum nur inklusive der guten Branchen
    http://www.myscience.ch/de/living/salary/salary_in_switzerland

  24. @Hansli
    Wir nahmen damals die Anfangslöhne, aber nach der Probezeit von vier repräsentativen Arbeitgebern. Was wir nicht eruiert haben sind die selbstausbeuterischen Einkommen von Freiberuflern mit Einzelfirmen. Die gehen bei mir unter der Rubrik „freischaffende Lebenskünstler“. Aus der Rechtsprechung vom Bundesgericht wird von diesen Löhnen aus eine theoretische Lohnsteigerung pro Jahr errechnet. So gesehen waren für uns nur Anfangslöhne interessant

    Zum Vergleich haben wir noch die Daten beim Bundesamt für Statistik abgefragt. Je nach Region und Branche war der Median um die 140’000 Franken für Biologen mit 5 Jahren Berufserfahrung. Meine 100’000 bis 130’000 Löhne ab zweitem Jahr beziehen sich ausschliesslich auf Blümchenzähler und Fröschlistreichler. Rattenmörder und Bakterienmantscher erhielten wesentlich mehr.

    Ich habe soeben beim Bundesamt für Statistik die Eingabemaske gesucht, die wir damals nutzten. Aber ich finde es grad nicht.

  25. @Jürg Die 100’000 bis 130’000 für Blümchenzähler sind durchaus möglich. Beim Bund und in einigen Kantonen, den dort wird nach Abschluss bezahlt und nicht ob einer Ökologe oder IT ist. Lehrer sind ebenfalls sehr gut bezahlt. Kenne auch Ökologen die jetzt in etwa diese Lohnklasse sind, nur sind die jetzt in diversen Managementpositionen und waren nach dem Studium nie als Biologe tätig. Das Problem ist, wir sind nicht einmal in den üblichen Lohnrechnern zu finden….

  26. Von wegen den üblichen Lohnrechnern: Als ich mit dem Autohaftpflichtversicherer in den Schlussverhandlungen war, zog der Gegenanwalt, ein Spezialist von der SwissRe, einen Zettel hervor auf dem er notiert hatte, was man in der Forstbranche so verdient. Er argumentierte, dass meine angefangene Diplomarbeit ja etwas mit Wald zu tun habe. Also las er von dem Zettel, dass die Lohnrechner für einen Förster im ersten Jahr nach der Berufslehre einen durchschnittlichen Jahreslohn von 65’000 Franken angeben.

    Meine Taktik damals war: Ich lasse die Anwälte reden. Die müssen jetzt zeigen, dass sie ihr Geld wert sind und lassen einen Haufen Anwalts-Blabla heraus. Ich lehnte mich zurück und liess die Leute machen. Nur in drei strategischen Momenten griff ich ein. Dies hier war ein Moment. Ich sagte mit meinem sonoren und in keinem Fall leisen Bariton: Wenn Sie mir damit noch einmal kommen, stehe ich hier vom Tisch auf und die Verhandlungen sind beendet.

    Mehr dazu kann man in meinem anderen Blog lesen, wo ich schon das Diplom für den hertesten Siechen verliehen bekam.

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