Mangelernährung.

Pflanzen- und Vegetationsökologen in Bern lernen schlicht nichts über Böden. Boden ist, wo das Wasser herkommt und wo es Nährstoffe hat und ja, dort drin wachsen die Wurzeln. Mehr ist nicht da – nichts von all dem lustigen anderen: Verwitterung der Grundgesteine, Textur mit unterschiedlichen Teilchengrössen, Adsorption von Nährstoffen an Tonmineralen, Wasserverfügbarkeit und Gasaustausch, Porengrössen, Auswaschung. Bodenhorizonte? Noch nie gehört.

Studenten mit solchen Wissenslücken wollen dann über Konkurrenz zwischen Pflanzenarten Bescheid wissen. Sie legen Experimente an und verzählen den Geldgebern, damit könne man etwas über die Ansiedlung unerwünschter Exoten erfahren.

Dass Nährstoffe in natürlichen Böden ungleich verteilt, nach Jahreszeit verschieden verfügbar, für unterschiedliche Pflanzen verschieden leicht anzueignen sind — nichts, gar nichts, null Ahnung. Hoppla Schorsch, sorry.

Im geographischen Institut gibt es Spezialisten, die moderne Bodenkunde unterrichten. Die sind vollkommen unterdotiert. Die Kurse werden nur alle zwei Jahre abgehalten, die Teilnehmerzahlen sind so beschränkt, dass nur jeder dritte Interessent aufgenommen wird. Biologiestudenten dürfen überhaupt nicht dort teilnehmen, weil ihnen das Biologiedepartement die Teilnahme von Reglementes wegen verunmöglicht.

Dafür prahlt dann die Fakultät herum, dass sie nur noch Wissenschafter mit den ganz allermodernsten Kenntnissen in die Berufswelt entlassen will. Als ich das kürzlich in meinem Beschwerdeverfahren zu lesen bekam, da blieb mir das Lachen stecken. Soviel ignorante Anmassung muss man zuerst einmal mustern. In dem Fall müsste man wohl eher sagen: Die Absolventen mit neumödischsten Wissenslücken.

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3 Gedanken zu „Mangelernährung.

  1. Wenn den Leuten verboten wird, diese Geographenvorlesungen zu besuchen. Dann stimmt etwas grundsätzlich an der Uni nicht.

  2. Andererseits ist Z.Bsp. die Verfügbarkeit von Nährstoffen auch chemisch reguliert (Ph, etc..) und von den Mykorrhiza-Pilzen. Das eine ist Chemie, das andere Mikrobiologie. Daher mein Kommentar zu „Ausblicke“.

    Ein solides Basiswissen in Chemie und Mikrobiologie ist Grundvoraussetzung für das Verständnis in vielen Ökosystemen (Insbesondere Botanik und Gewässern).

  3. @Hansli
    „Verboten“ ist glaube ich das falsche Wort. Biologiestudenten dürfen schon in der Geographie hineinhocken. Sie können es sich einfach nicht an das Bachelorstudium anrechnen lassen.

    Richtig, ein Ökologe, der sich mit Böden befasst, muss wissen wie Ionen getauscht werden, wie eine Pufferlösung funktioniert und er muss das auch im Praktikum erlebt haben. Genauso gibt es Grundlagen in der Mikrobiologie, die für sie absolut notwendig sind. Ob sie aber wirklich Membranen zeichnen können müssen, mit der Lokalisierung von Enzymkomplexen etc. Der Lehrstoff sollte durchgekämmt werden. Nur so kann man Platz freischaufeln für anderen genauso wichtige Fächer.

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