Bildungsunterschiede:

So sieht es bei mir auf dem Küchentisch aus, wenn ich grad nicht darüber hirnen möchte, ob wavelet transforms über eine Zeitreihe von Niederschlagsdaten eine gute Möglichkeit wären, Korrelationen zwischen Störungen im Wasserhaushalt und der Wachstumsdynamik von Waldbäumen zu untersuchen. Ich finde solche Handarbeiten sehr entspannend.

Revision eines Universalkondensors zum Leitz Fluovert Umkehrmikroskop.

Revision eines Universalkondensors zum Leitz Fluovert Umkehrmikroskop.

Anders hingegen tönt es wenn der durchschnittliche Tagesanzeiger-Leser auf meine durchdachte Meinung zur Frage stösst, ob alle Schweizer Journalisten Linke seien.

Meinen eigenen Kommentar zu den Überlegungen des bekennend linken Tagesanzeiger-Redakteurs Philipp Löpfe habe ich etwas überarbeitet. Die Reaktion eines meiner Leser hingegen bringe ich unzensiert.

Wären unsere Journalisten Linke, dann hätten sie geradezu eine politische Gesinnung. Das war einmal, anfang 70er Jahre, als die Herren Radiodirektor Roger Blum und Fernsehdirektor Peter Schellenberg den „engagierten Journalismus“ erfanden. Ihr erklärtes Ziel war, nicht mehr die Fakten zu berichten, sondern das Publikum zu manipulieren und die Welt zu verändern.

Die Vorlagen bekamen sie zügig aus den Propagandaministerien in Prag und Ostberlin geliefert. Das KGB unterhielt eine Akademie zur Forschung, welche zurechtgebogene Wahrheit nötig war, den Kalten Krieg zu gewinnen. Die KGB-Akademie war eine grossartige Einrichtung, wo russische Intellektuelle Karriere machen konnten. Sie mussten unterwürfig und parteitreu sein, aber sie bekamen die einmalige Chance, die Wahrheit über die Welt zu erforschen, wie sie in ihrem eigenen Land keiner kennen durfte. Daraus entwickelte man dann die Strategien für die Kriegführung mittels öffentlicher Desinformation im Westen. Unsere Journalisten von dazumal plapperten freizügig die sowjetischen Lügen nach. Das war sehr bequem. Man konnte drucken und reden und musste nicht selber recherchieren.

Heutige Journalisten bei den Tageszeitungen und im Staatsfernsehen kopieren die immer selben linken Klischees aus den 70ern. Es ist ein Trugschluss zu meinen, die seien Linke, nur weil sie sich aus der Rumpelkiste der 70er-Jahre bedienen. Journalisten von heute sind gesinnungslose Konformisten.

Gängige Stereotypen, mit denen man als Journalist und beim akademischen Smalltalk nie etwas falsch macht:
Die USA sind böse, Israel ist schuld, Bosse sind gierig, Naturwissenschaften schaden der Welt, AKW sind vom Teufel.

Ein weiteres ewig kolportiertes journalistisches Klischee ist das von der abgeschlossenen Schweiz, die sich angeblich für Europa und die Welt öffnen müsse. Alt-Fernsehdirektor und Uralt-68er Peter Schellenberg bekannte vor vier Jahren im Interview: Ziel des “engagierten Journalismus” der 70er-Jahre sei gewesen, die Bunkermentalität der Schweiz aufzubrechen. Die Wahrheit ist, die Schweiz ist mit Europa vernetzt wie kein anderes Land. Unser Handel je mit Frankreich und Deutschland beträgt ein Vielfaches des Handels zwischen den beiden Ländern. Der Ausländeranteil bei uns übersteigt den der anderen Länder um ein Mehrfaches. Wir reisen, sprechen fremde Sprachen, bilden uns im Ausland weiter, arbeiten im Ausland.

Linke Miesmacher!

Philipp Löpfe gibt in seinem Politblog den Zustand in den heutigen Redaktionsstuben gut wieder:

Auf dem Arbeitsmarkt haben Journalisten derzeit miserable Karten, auf den Redaktionen herrscht Angst. Sparrunden und Entlassungen sind alltäglich geworden. Deshalb erntet ungläubiges Staunen, wer jungen Journalisten von anwaltschaftlichem Journalismus erzählt. Linkssein ist alles andere als lustig, es ist zum Berufsrisiko geworden.

Leider verwechselt Philipp Löpfe „anwaltschaftlichen Journalismus“ mit „Linkssein“. Anwaltschaftliche Berichterstattung bedingt, dass man sich informiert, recherchiert. Linker Journalismus hingegen besteht aus feiger Anpassung an ewiggestrige Denkschemen.

Es ist dieser Leistungsdruck, der unsere Schweizer Journalisten zu Konformisten macht. Keiner will den Kopf zu hoch halten, wenn ein weiteres mal das scharfe Schwert des Stellenabbaus durch die Grossraumbüros saust. Also machen die Nachrichten-Proletarier einfach, was die anderen auch schon gemacht haben. Sie halten sich unauffällig an die zuverlässigen Werte. Sie kopieren von den Kollegen, kopieren aus den Archiven, kopieren die Klischees von anno dazumal. Aus der Sicht des konformen Zeitungsschreibers ist es gleichgültig, dass die Klischees von anno dazumal halt grad zufällig linke Klischees sind.

Meinen Kommentar im Politblog von gestern hatte ich zu meinem eigenen Blog verlinkt. Man muss dort nur auf meinen Namen klicken. So bekomme ich ab und zu neue Leser von ausserhalb der kleinen Uni-Welt. Folgendes landete dann bei mir im Blog, als augenscheinlich einer dieser pennenden Nachäffer-Linken sich von seiner Büroarbeit ablenkte und dabei sein eigenes Hirn rumoren hörte:

mongo schreibt:
8. Januar 2014 um 11:04
du mongo figg di

Der gute nennt sich „mongo“ und bezeichnet mich auch grad als „mongo“. Gross- und Kleinschreibung hat er nicht gelernt. So also entspannt sich die schweizerische Intelligenzija, wenn sie überfordert ist vom Büroalltag. Im Unterschied zum Tagi gibt es bei mir keine Zensur. Sonst hätte der Junge sich nämlich dort drüben Luft gemacht.

****************
Literatur aus meiner Privatbibliothek:
Chatfield, Christopher (2004): The analysis of time series. An introduction. 6. Aufl. Boca Raton, FL: Chapman & Hall/CRC.
Smith, L. C.; Turcotte, D. L.; Isacks, B. L. (1998): Stream flow characterization and feature detection using a discrete wavelet transform. In: HYDROLOGICAL PROCESSES 12 (2), S. 233–249.

Advertisements

3 Gedanken zu „Bildungsunterschiede:

  1. Die einzigen Journis die recherchieren sind aus de NZZ und der WOZ. Die Weltwoche betreibt Parteipropaganda und Fakten sind dort unbekannt. Der Rest ist zu 90% billigstes abschreiben andrer Zeitungen und abdrucken von Presseerklärungen, denn wichtig ist nur die Rendite. Die NZZ hat übrigens auch nachgelassen, die haben auch gute Journis abgebaut. Die einzigen die Propaganda betreiben stammen aus der SVP-Küche.

  2. Ich finde die Weltwoche spannend, lese sie jede Woche und erfahre immer auch neues zu Themen, wo man sonst nie etwas zu lesen bekommt. Will ich von Tag zu Tag die Wahrheit wissen, so lese ich den Blick. Übrigens hatte 20Minuten bis vor kurzem den Ruf, dass sie unabhängig von der Tagi-Redaktion eigene Recherchen anstellen.

  3. @Jürg Das Problem bei der Weltwoche ist, da werden alle Informationen weggelassen, die das eigen Weltbild stören könnten. Ich habe die vor Jahren aufgehört zu lesen. Was nichts anders zu erwarten ist bei einer SVP-Propagandazeitung.

Was Du denkst:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s