Bei Tag betrachtet.

Zum diesjährigen Dies academicus, dem Tag der Universität, stellt die Bernerzeitung die Feststellung des Rektors in den Aufmacher, der Wettbewerb unter den Universitäten habe sich verschärft. Welchen Wettbewerb er allerdings damit meinte, dazu musste ich dann tiefer graben. Im Uniaktuell finden wir die Angabe:

…denn im verschärften Wettbewerb bemühten sich die Bildungsinstitutionen um die gleichen Forschungsmittel, die gleichen Studierenden, die selben Forschenden und bemühten sich, von derselben Öffentlichkeit und Politik vorteilhaft wahrgenommen zu werden.

Reden hielten der Rektor, um die Position der Uni Bern zu beschreiben, der Erziehungsdirektor zum Schulterklopfen, der Vizerektor, um das öffentliche Ansehen der Forschung zu erklären und eine Vertreterin des Mittelbaus, um die Stellung des Mittelbaus wieder einmal deutlich zu machen. Beschämend ist, dass kein Vertreter der Studenten reden durfte.

Richtig betrübt bin ich darob, dass der website der Uni zufolge von allen Rednern niemand produktive Vorschläge zur Verbesserung der Lehre machte, mit Ausnahme der Vertreterin des Mittelbaus, der Kunsthistorikerin Anna Minta.

Die Mittelbauvertreterin Anna Minta erklärte, dass es unbedingt notwendig sei, unbefristete Stellen für den Mittelbau zu schaffen, sowohl in der Forschung wie in der Lehre, damit man an der Uni auch begabte Leute behalten könne, die nicht auf ein Ordinariat aus seien.

Bei der Lehre ist es offensichtlich: Einen ausgewogenen, quer durch die Teilfächer koordinierten Unterricht kann man nur mit spezialisiertem und fest angestelltem Personal erreichen. Das Chaos im Grundstudium in der Biologie kann anders nicht abgestellt werden. Genügend qualifizierte Mittelbauangestellte für die Lehre wird man nur finden, wenn man sie auch forschen lässt. Über den Daumen gepeilt, wäre zum Beispiel ein Drittel der Arbeitszeit für die Forschung und zwei Drittel für die Lehre ein gutes Mass. Bei der Zahl der Publikationen würde man solche festangestellten Assistenten nicht zu sehr drängen dürfen, eine Publikation pro Jahr, je nach Fach auch alle zwei oder drei Jahre, müssen genügen. Sonst wird wieder die Lehre vernachlässigt.

Vollständige schriftliche Redetexte habe ich vergebens gesucht und die mp3-Tondateien mit dem Redevortrag habe ich mir mit meiner knappen Zeit nicht angehört.

Welchen Dienst die Berner Universität der Öffentlichkeit zu erweisen gedenkt, dazu hat sich augenscheinlich keiner geäussert. Forschung und Beschaffung von Nationalfonds-Geldern erscheinen als Selbstzweck. Dazu passt denn auch, dass die Lehre nur in kurzen Randbemerkungen gestreift wird.

Studenten hat man und die, so scheint mir, sind vor allem eine lästige Verpflichtung.

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