Muss ich das glauben?

Die Professoren an der philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern brauchen sich nur an diejenigen Gesetze zu halten, die sie selber grad selber gemacht haben. Kein Schaden wenn noch nichts passendes erfunden ist — dann holt man das ad hoc nach. Mir ist das noch nie begegnet, dass eine Behörde so keck ist und wie diese Fakultät durch alle Böden hindurch findet, der Inhalt des Universitätsgesetzes betreffe sie nicht, die Universitätsverordnung könne man übergehen, die Studienreglemente täten grad nur dann gelten, wenn die Professoren das finden und überhaupt mit der Bundesverfassung haben wir nichts zu schaffen.

Ich rede hier nicht von ein bisschen schnudriger Oberflächlichkeit, von „Pech gehabt, diesmal bekommt der Jürg halt nicht recht!“. Ganz im Gegensatz, ich verschaffe mir den Überblick, wie die Fakultät über ganze Seiten hin begründet, welche besonderen Umstände, welche Ereignisse sie dazu auserwählt haben, Gesetze und Vorschriften nicht einhalten zu müssen.

Oben an der grossen Schanze ist die phil-nat Fakultät. Man braucht nur zum Fenster hinauszuschauen und sieht auf das Dach des Autonomen Jugendzentrums Reitschule hinunter. Ist das das blendende Vorbild, wenn von der Selbstverwaltung der Fakultät die Rede ist?

Es fing bei der Akteneinsicht an. Laut bernischem Datenschutzgesetz darf ich bei jeder bernischen Behörde sämtliche Akten sehen, die sie zu meiner Person bearbeitet oder archiviert. Da gibt es nur ganz wenig Ausnahmen und die Behörde muss sehr genau begründen, warum sie bestimmte Akten nicht herausgibt. An der philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Uni Bern allerdings, da gelten eigene Regeln. Hier finden die zuständigen Professoren, sie bräuchten nur die Akten herauszugeben, die sie selber grad herausgeben möchten. Schon sind wir beim ersten Beschwerdeverfahren.

Die fehlende Akteneinsicht hat zur Folge, dass ich nicht nachprüfen kann, welcher Professor in den folgenden Vorgängen welche Rolle spielen mag. Dem Sprachstil und den Inhalten folgend, kommen die Texte aus unterschiedlichen Quellen. Unterschrieben wird meistens vom Dekan, ab und zu auch von der Präsidentin der Prüfungskommission. Das heisst in Zeiten von email-Verkehr und copy-paste nicht allzuviel. Es ist nicht einmal ghostwriting sondern eher hilfloses Zusammenschnurpfen.

Die Beschilderung an diesem Quai der autonomen Gesetzlosigkeit, läuft immer auf dasselbe hinaus: Wir sind die Fakultät, wir bestimmen, wir setzen die Standards, wir sagen was geprüft wird, wir entscheiden, wir befehlen, wir, wir, wir…

Die Frage ist nur noch, ob die Beteiligten jeder für sich wissen, dass die Fakultät im Verlauf von zweieinhalb Jahren schon neunmal geschrieben hat, welche Vorschriften, Gesetze, Verordnungen und Reglemente sie meint nicht befolgen zu brauchen. Vielleicht ist es abgesprochen und auf mich gemünzt. So paranoid bin ich allerdings nicht. Eher vermute ich, dass das die allgemeine Betriebskultur ist. Man macht es seit Jahren so und hat sich daran gewöhnt.

Mich interessiert, was die Rekurskommission dazu zu sagen hat. Ich bin ehrlich gespannt. Die Fakultät hat so vollkommen anarchistisch auf ihrer Autonomie beharrt, dass sie fast gar nicht Recht bekommen kann. Die Rekurskommission allerdings hat in früheren Entscheiden ziemlich militant klar gemacht, dass sie Recht spricht und nicht einfach weiterführt, was die Fakultäten einfachso immer so machen.

Mir geht es vor allem darum, nach welchem Reglement ich am Schluss mein Studium abschliesse. In der zweiten Linie kommen meine Rechte als Behinderter und schliesslich noch die Frage, ob Professoren einfach so alles mögliche andere benoten dürfen, was sie gar nicht unterrichten. Das sind ziemlich viele unterschiedliche Forderungen. Diese werden die Rekurskommission genug beschäftigen, ohne dass sie noch allzu viel Zeit damit verschwenden wird, ob die Fakultät wirklich in einem Raum der Gesetzlosigkeit hantiert.

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