Forscher als Spielzeug.

Über die Motivation der Politiker kann ich nur spekulieren: Ein halbes Dutzend Berner Grossräte verlangen die „Bestrafung“ der Zürcher Wildbiologen — emel drei davon von der SVP aus dem Oberland und auch ein paar von der SP. Das Naturschutzinspektorat hat auch schon reagiert und den Zürchern telefoniert, die Forschungsarbeit sei einzustellen. Es geht um den Unfall bei einer wildbiologischen Doktorarbeit — dem Rehprojekt im Simmental–, wo 18 Rehkitze getötet werden mussten, nachdem ihre Funkhalsbänder sich nicht dem wachsenden Tier anpassten. Ich habe dazu kommentiert in meinem früheren Blogeintrag „Drehsessel-Ökologen“.

Gesundes Augenmass und vernunftgesteuertes Handeln sind nicht allzu gefragt, wenn man es mit den Jöhhh-härzig-Naturschützern zu tun bekommt. Die betreffenden Grossräte plustern sich auf, lenken von der eigenen Unfähigkeit ab. Wenn man die wirtschaftliche Misere in diesem Staat und Kanton Bern sieht, dann wird einem ob solch dümmlich wissenschaftsfeindlicher Gesinnung speiübel.

Was geschah bisher? Ein Wildbiologe, Doktorand von der Uni Zürich, wollte herausfinden, ob die Luchse im Berner Oberland einen Einfluss auf die Rehpopulation haben. Vorläufige Daten zeigen, dass die ganz allermeisten von Autos, Eisenbahn, die zweithäufigsten von Füchsen und wildernden Hunden getötet werden. Nur eine verschwindend kleine Zahl wird Opfer von Luchsen.
Dann passiert ein Unfall im Forschungsprojekt. Zwei Dutzend Rehkitze hatten Funkhalsbänder bekommen, die sich nicht ausweiteten und die Tiere zu erwürgen drohten. 18 Tiere mussten vom Wildhüter erschossen werden.

Und jetzt kommt der schlechte Witz zum Schluss, der Grund, warum ich mit solcher Empörung auf der Verhältnismässigkeit beim journalistischen Gerede beharre: Für diese Jagdsaison wurden vom Kanton Bern nur schon für den Oberaargau 1250 Rehe zum Abschuss freigegeben. Auf den ganzen Kanton gerechnet, dürfen pro Jahr um die 5000 Rehe von Jägern geschossen werden.

Was also bezwecken geübt verlogene und unfähige Politiker, wenn sie den Naturwissenschaftlern an den Karren fahren und 18 tote Rehkitze zum Vorwand nehmen?

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Ein Gedanke zu „Forscher als Spielzeug.

  1. Der Zweck der Politiker ist einfach. Für die SVP-Politiker wollen den Uni-Ökofundis eins auswischen. Die lassen Grundsätzlich keine Gelegenheit aus. Die SP-Politiker wollen vor ihrer Jöhhh-härzig-Naturschützern Wählerschaft gut dastehen. Und natürlich eignen sich die bösen Zürcher gut dazu.

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