Guter Rat…

… braucht grad gar nicht teuer zu sein.

Der Arbeitsmarkt für Ökologen ist zur Zeit ziemlich eng. Meine Kollegen von der ETH reden nicht allzuviel über die Zeit nach dem Masterstudium.

Immerhin bringen sie wesentliche Voraussetzungen mit auf die Stellensuche: Sie können reden über das was sie machen und sie wurden dazu ausgebildet, selbständig ein wissenschaftliches Problem zu lösen. Also, wie weiter?

Ein Weg wäre zu doktorieren und darauf zu spekulieren, dass all die 55 und 60-jährigen dannzumal pensioniert sind. In den nächsten 15 Jahren werden in der Schweiz 200 bis 300 Arbeitsstellen für Ökologen in den Ämtern, den Forschungsanstalten, den Umweltbüros frei.

Vermutlich der bessere Weg für den Moment ist die Weiterbildung in anderen Sparten:

Ökologen in Ämtern und in Umweltbüros, bei der Begutachtung und der Planung müssen mehrere Landessprachen sprechen. In Valbella war ein einziger, der mit der französischen Studentin fliessend in ihrer Muttersprache sich unterhalten konnte. Also Stäcketööri, ihr anderen, geht für ein Jahr ins Welschland und tut Euch den Gefallen!

Kenntnisse in Datenverwaltung und statistischen Analysen und zwar auf einem Spezialistenniveau kämen bei der Stellensuche zupass. Ich rede von „richtig programmieren können“ und nicht von „ein bisschen R hacken“. Welches wären gute Ausbildungen in diesem Bereich? Da habe ich noch nicht allzuviel recherchiert. Für ausgebildete Ökologen müsste man eine Weiterbildung von ca. ein Jahr Dauer suchen.

Bei der Suche nach einer guten Ausbildung zur Programmierung muss man im Auge behalten, dass R als Programmiersprache von den Informatikern nicht wirklich ernst genommen wird. Sie hat vom ingenieurmässigen her grobe Mängel und wird eher schon als Hackersprache belächelt. Das kann darauf hinauslaufen, dass zuerst ein Informatik- und Statistikstudium unternommen und erst von da aus die anspruchsvolle R-Programmierung in Angriff genommen werden sollte. Morandat et. al. haben aus der Sicht der Informatikingenieure das Design von R genauer angenschaut.

In den Stelleninseraten werden oft „GIS-Kenntnisse“ verlangt. Aber das ist so unspezifisch, als würde man von einer Sekretärin verlangen, dass sie Word für Windows bedienen könne. Welche Spezialistenkenntnisse helfen wirklich weiter? Einer der Burschen, die in unserer Institutsbibliothek ein und aus gingen, bestritt ein GIS-Fernstudium an der Universität Salzburg. Er wählte diese Ausbildung, nachdem er als Umweltwissenschaftler bereits in einem Ökobüro Berufserfahrung gesammelt hatte. Er war mit der Ausbildung zufrieden, fand sie anspruchsvoll und lehrreich.

Wem es von den Begabungen her liegt, der sollte eine Weiterbildung entweder in Betriebswirtschaft oder in Personalführung machen. In Ökobüros braucht es Leute, die nicht nur von der Sache etwas verstehen, sondern auch die vielen schlecht ausgebildeten Billig-Ökologen führen und gekonnt einzusetzen wissen — zum Beispiel die unterqualifizierten Studienabgänger aus Bern, diejenigen ohne solide Artenkenntnis, die man für einen Hungerlohn ausnützen kann.

Doch auch hier gilt: Die Kenntnis mindestens einer zweiten Landessprache ist unabdingbar. Französischkenntnisse sind für Ökologen auf dem Masterniveau sehr viel wichtiger als gute Englischkenntnisse. Wer Euch an der Uni anderes aufschwätzt, kennt sich nicht aus!

Nicht verhehlen will ich, dass die wirklich gut bezahlten Stellen für Ökologen in der Industrie und bei den Versicherungen zu haben sind. Kraftwerksbauer versuchen schon seit den 70er Jahren die Umweltfolgen ihrer Eingriffe zu schmälern — da hatte ich einen Korrespondenten, der nach der ETH bei Motor Columbus anheuerte. Die Kraftwerke Oberhasli versuchten in den letzten Jahren vergebens, eine Ökologenstelle zu besetzen. Einer meiner Studienkollegen landete bei den Zürich Versicherungen. Die SwissRe beschäftigt eine ganze Abteilung von Umweltwisschaftern, Ökologen, Physikern, um langfristig Risiken abschätzen zu können. Bei der chemischen Industrie geht es glaube ich eher darum, den Betrieb sauber zu halten, die Emissionen zu kontrollieren. Eher weniger betreiben die grossen Chemiefirmen Technologiefolgen-Abschätzungen. Das wäre allerdings ein attraktives Forschungsgebiet, wo die Ökologen sehr viel Freiheit bekommen müssten.

Alle diese Grossfirmen wollen Ökologen mit Doktoratsabschlüssen. Der Grund mag dabei sein, dass deren Personalchefs nicht allzuviel von der Sache verstehen und sich auf der sicheren Seite wissen, wenn der Kandidat doktoriert hat. Wer auf den grossen Zapfen aus ist, so ab 150 Tonnen brutto pro Jahr, der sollte seinen Ehrgeiz in diese Richtung lenken.

Mir persönlich würde die Arbeit bei einem Kraftwerkbauer sehr gefallen. Man ist im grossen und ganzen selber verantwortlich für die eigene Arbeit, ist viel im Gelände unterwegs, hat ein grosses Budget zur Verfügung mit dem man wirklich etwas erreichen kann. En passant: Auch hier sind gute Französischkenntnisse wichtiger als das holprige pseudo-elitäre Englisch unserer Universitäten.

Advertisements

18 Gedanken zu „Guter Rat…

  1. @Hansli
    Du schreibst da mit Blick auf die schlechten und verlogenen Politiker von heute:

    Sie wissen nicht Bescheid, wollen nicht Bescheid wissen und nehmen die Antworten der Fachleute (nicht nur derWissenschaftler) mit der Brille des Paranoiden auf: Entweder ist die Antwort gut für meine Position dann ist es wahr oder sie ist schlecht, dann ist es die gekaufte Lüge des politischen Gegners.

    Ich selber denke eher in eine andere Richtung. Wirtschaftsvertreter wissen, welche Art von Wissen für ihren Betrieb notwendig ist. Leider machen kaum noch Leute aus der Wirtschaft in unseren Parlamenten mit. Von jener Seite her wären realistische Anforderungen an die Hochschulen zu erwarten.

  2. Von Dir :“Entweder ist die Antwort gut für meine Position dann ist es wahr oder sie ist schlecht, dann ist es die gekaufte Lüge des politischen Gegners“.

    Besser kann man die Situation nicht beschreiben.

  3. Die Wirtschaft ist im Grossen und Ganzen mit der Uni-Ausbildung zufrieden. Da wird der Mangel an Akademikern beklagt. Zu viel wollen halt wirtschaftlich nicht erwünschte Fächer wie Ökologie studieren (gehörte auch dazu), aber nicht Fächer wie Informatik, Mathematik, Physik, alle Ingenieurrichtungen, etc…. Grob gesagt müsste eine auf die Wirtschaft ausgerichtete Unilandschaft z.Bsp. in der Ökologie / Evolutionsbiologie mindestens 2/3 der Ausbildungskapazität und damit auch die Forschung abbauen. Wir haben sogar das Gegenteil gemacht und zusätzliche Kapazität bei den Fachhochschulen aufgebaut! Meine Meinung dazu ist. Die Uni sollte keine Berufsausbildung sein, jedoch auch nicht ohne die Wirtschaft zu berücksichtigen. Wobei das in jedem Fachbereich anders ist. Die Molekularbiologien sind klar auf die Wirtschaft ausgerichtet.

Was Du denkst:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s