Substrat.

Ein grelles Schlaglicht auf die Ausbildung der Pflanzenökologen an der Uni Bern wirft die komplett fehlende Kenntnis jeglicher Fakten über Böden — mit Ausnahme der Tatsache, dass das der Ort ist wo die Pflanzen ihre Wurzeln drin haben.
Für die Neugierigen bietet die Bernerzeitung ein schön gemachte Reihe von Bildern und Texten über Ackerböden. Ackerböden sind zwar künstlich verändert, aber immerhin gibt es einen Eindruck vom Wechsel zwischen natürlicher Bodenentstehung und dem menschlichen Einfluss.

Für Pflanzenökologen in Bern ist das Kultursubstrat sogenannte „Landerde“. Da wird Erde dubioser Herkunft gesiebt, gerührt und geschüttelt und danach je nach Fragestellung sterilisiert in Blumentöpfe abgefüllt und bepflanzt. In vielen Fällen sind die experimentellen Effekte in solcher Landerde komplett anders als wenn man die Experimente in Sand und mit Flüssigdünger macht, wie das scheints an der ETH gehandhabt wird. Der Gebrauch von Landerde erscheint also gerechtfertigt. Nur, können die Berner Masterstudenten solche Informationen überhaupt gescheit interpretieren? Und warum machen sie sich so wenige Gedanken über Herkunft und Zusammnesetzung ihrer „Landerde“?

Richtig, man muss in pflanzenökologischen Experimenten eine künstliche Umgebung schaffen, muss alle möglichen für die unmittelbare Frage nicht notwendigen Einflüsse ausschalten. Das ist ja gerade der Witz vom Experiment. Dennoch: Will man Experimente sinnvoll anlegen und will man hinterher die Experimente interpretieren, dann braucht man schon ein absolutes Minimum an Wissen über die natürliche Umgebung. Die Uni Bern meint, sie dürfe ihren Pflanzenökologen all das vorenthalten: Verwitterung, Bodenbildung, Bodentextur, Schichtung in Horizonten, Wasserspeichervermögen, Bodenchemie (sogar die Adsorbtion von Nährstoffen an Tonmineralen ist jenseits von „schon mal gehört“). Mehrere meiner jungen Kolleginnen von der ETH, insbesondere Studenten der Umweltnaturwissenschaften, versicherten mir letzte Woche dass sie in solchen Dingen ausgebildet wurden und einen guten Überblick haben.

Das Erlernen von experimentellen Techniken ist sicher ein wichtiger Bestandteil eines Ökologiestudiums. Aber es genügt nicht. Das erscheint selbstverständlich, ist es in Bern aber nicht. Der Wechsel von den einen Methoden zu anderen, sollten gut ausgebildete Masterstudenten ohne allzu grossen Aufwand erarbeiten. Die Uni Bern meint hingegen, ihre Magerausbildung täte genauso gut genügen. Das Departement für Biologie verunmöglicht sogar den Bachelorstudenten den Zugang zu Bodenkundeverlesungen, die bei den Geographen gehalten werden.

Damit behält die Uni Bern ihre Absolventen des Ökologiestudiums auf dem Niveau von Hilfsgärtnern und Hilfslaboranten. In akademischen Berufen sind sie weitestgehend unbrauchbar, weil ihnen die Fähigkeit fehlt, das Erlernte und Beobachtete in neuen Zusammenhängen durchzudenken und anzuwenden.

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