Wer hat Angst…

… vor Jürg Brechbühl?

Seit Februar schlage ich mich mit einer Reihe von Beschwerdeantworten herum, die die naturwissenschaftliche Fakultät verfasst und an die Rekurskommission der Universität Bern eingeschickt hatte.

Zwei Dinge fallen auf: Erstens hantiert das Dekanat tapsig und laienhaft mit dem Bildungsrecht und mit dem Behindertenrecht. Es ist zum Fremdschämen! Zweitens haben es einige Dozenten nötig, in ihren Antworten geradeheraus zu lügen. Ich frage mich, was sie damit bezwecken.

Was die ungeschickten rechtlichen Argumente der Fakultät betrifft: Die nehmen aus irgendeinem Reglement oder aus einem Bundesgerichtsentscheid einen einzelnen Satz, lösen ihn aus dem Zusammenhang heraus und machen daraus anzuwendendes Recht.

Wir sind hier an einer Bildungsanstalt von deren Rechtsanwendung die berufliche Zukunft vieler junger Menschen abhängt. Wer hantiert so unbedarft mit dem geltenden Recht? Entweder sind es die Zoologie-, Mathematik- und Physikprofessoren selber, die mit Juristerei dilettieren oder sie lassen sich von einem Rechtsdienst beraten, der im Jus-Studium geschnarcht hat. Immerhin macht dieser Vorgang klar, wie bitter nötig es ist, all diese offenen Fragen von kompetenten Juristen klären zu lassen.

Ich habe keinen Grund zu zweifeln, dass in der Rekurskommission fähige Leute tätig sind. Zudem handle ich hier aus einer Position der Stärke heraus; ich kann Dinge bewirken, wie das den jungen Studenten nicht möglich ist. Ich kann mir leisten, zwei oder drei Jahre durch mehrere Instanzen hindurch zu prozessieren.

Junge Studenten müssen ihre Ausbildung abschliessen und weiterziehen in das Berufsleben. Sie können sich nicht wehren und daran hat sich die Fakultät gewöhnt. Ich bin pensioniert und habe Zeit. Zudem habe ich inzwischen an die 30 ECTS in meinem Konto gesammelt von Lehrveranstaltungen aus dem Masterstudium. Der Notendurchschnitt ist zwar nicht was ich von mir selber erwarte, aber mit einem gewichteten Mittel von 5.1 bin ich kein Verlierer in dieser Sache. Viele Junge Studenten setzen sich erst zur Wehr, wenn alles verloren ist, sie bereits am Herausfaulen sind. Mein Rücken ist ziemlich breiter gebaut.

Gelingt es mir, in Fragen der korrekten Rechtsanwendung und der Behindertengleichstellung Präzedenzfälle zu schaffen, so kann ich sicher anderen Studenten dienen — allen, die nach mir kommen. Ich nehme die Aufgabe ernst, arbeite hart daran, nehme es klaglos auf mich, weil ich weiss: Wenn ich es nicht mache, dann tut es keiner. Ich sehe den Sinn und das Ziel dieser meiner Bemühungen.

Die andere Frage ist, warum es einzelne Dozenten dermassen bitter nötig haben, fortgesetzt zu lügen, wenn es um Leistungskontrollen geht. Was bezwecken sie damit? Ich habe in den letzten 18 Jahren so viele Prozesse gegen bernische Verwaltungseinheiten geführt und gewonnen, dass ich durchtrainiert und mit Routine meinen Rücken decke. Ich dokumentiere jeden nur denkbaren, rechtlich relevanten Vorgang: Ich notiere während der Vorlesung die Details zu den Aufträgen für die Leistungskontrollen. Ich protokolliere Gespräche mit Dozenten. Ich protokolliere den Verlauf mündlicher Leistungskontrollen. Ich hebe jede allereinzige email auf.

Beweismittel zu bewirtschaften und im Prozess zu nutzen, das gibt enorm viel Arbeit. Ich bin gesundheitlich angeschlagen. Mein Archiv ist chaotisch – die Dokumente sind verstreut in Notizblocks, unterschiedlichen Ordnern und Mappen. Wenn ich in einem Beschwerdeverfahren Beweis führen muss, so dauert es Monate, bis ich alles zusammengesucht, ausgedruckt, zitiert und kommentiert und in der erforderlichen dreifachen Ausführung für die Rekurskommission durchkopiert habe.

Ein Dozent braucht einen einzigen Satz, um eine Lüge zu beizen für die Beschwerdeantwort. Die Korrektur jeder einzelnen dieser Lügen kann mein Arbeitspensum von mehreren Tagen verschlingen. Ich muss zeigen, welche Dokumente das Gegenteil beweisen. Kursunterlagen muss ich zusammenstellen und auf die wichtigen Textstellen hinweisen. Ich muss emails zusammenfassen. Handschriftliche Notizen sind oft grobe Skizzen des Geschehens. Sie müssen sauber zitiert werden, damit der Leser meiner Eingabe drauskommt, worum es geht. Ich muss erklären, inwiefern diese Dokumente etwas anderes zeigen, als was der Dozent am Lügen war. Ich muss der Rekurskommission erklären, wo und in welchem Zusammenhang die Aussage vorkommt.

Bei dem ganzen weiss ich nicht einmal, ob der Sachverhalt für den Entscheid der Rekurskommission eine Rolle spielen wird. Vielleicht findet sie die betreffenden Tatsache nicht wichtig für ihren Entscheid – gelogen oder wahr, gehauen oder gestochen. Vielleicht ist meine Arbeit an der einen oder der anderen Lüge überflüssig. Ich weiss es nicht im voraus. Das ist enorm frustrierend, aber ich darf die Lügen dennoch nicht unwidersprochen lassen, nämlich weil ich später im Verfahren oder bei einer Beschwerde vor Verwaltungsgericht diese Beweise nicht mehr einbringen kann.

Eine Lüge kann man in einem Satz einfach so hurtig hinsetzen. Die Lüge dann zu korrigieren, erfordert acht bis 10 Sätze. Die Antwort auf eine unverschämte Sammlung von Lügen, wie ich sie Ende März auf den Schreibtisch bekam, erfordert fünf Seiten sorgfältig durchdachten Textes, gibt vier Wochen Arbeit. Das sind Wochen über Wochen, während denen mein Studium ruht. In allem gesehen, ist es vollkommen überflüssige, langweilige, ärgerliche Arbeit und enorm kräftezehrend.

So frage ich mich dann: Haben die ihre Lügen wirklich so verzweifelt nötig? Haben die dermassen Angst vor mir?

Dieser Teil im Verfahren fällt mir schwer aufs Gemüt. Ich bin ernüchtert und enttäuscht von einer Universität, wo so viel gelogen wird.
Ist das alles eigentlich normal?

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