Die Liste.

Der Generalsekretär der Universität Bern, Dr. iur. Christof Pappa, Fürsprecher, ermahnte mich in einem weiteren Schreiben, Persönlichkeitsverletzungen zu unterlassen. Seine Ermahnung fand er nötig, weil ich in einer email an die Qualitäts-Sicherungsexpertin den Ausrufesatz geschrieben hatte: „Geben Sie sich ein bisschen mehr Mühe!“ Das ist ehrlich wahr die ganze Reklamation in dem Brief. Ich runzelte meine Stirn. Sind diese Leute wirklich so empfindlich, dass man nicht einmal als Student, Stimmbürger, Steuerzahler erklären darf, was man von den Verantwortlichen erwartet?

Item, im folgenden gebe ich eine kurze Liste von Beschimpfungen, die ich innerhalb der Uni Bern nicht verwende, weder im Gespräch noch in meiner Korrespondenz. Etliche stammen von der „Warmduscher-Liste“. Ein Teil jener Liste ist unanständig und pubertär. Das lasse ich weg. Anderes stammt aus meinen Beobachtungen im Uni-Alltag. Sind es nur Beschimpfungen oder geht es schon unter „übler Nachrede“?

Altpapiersammler
Auf-jede-Email-Antworter
Auf-keine-Email-Antworter
Bambi-Streichler
Blog-Schreiber
Blümchen-Zähler
Büffet-Ansteher
Bullet-Point-Spalter
Bullet-Point-Zähler
Dauerwellen-Botaniker
Der-Umwelt-zuliebe-Nichtraucher
Denk-Verzichter
Energie-Sparlampen-Käufer
Erste-Reihe-Sitzer
Exkursions-Teilnehmer
Farmer-Energy-Säufer
Fettnäpfchen-Treter
Fisherman’s-Friend-Kiffer
Flachwasser-Paddler
Freiwilliges-Praktikum-Absolvierer
Fröschli-Streichler
Fussgängerstreifen-Benützer
Gartenkräuter-Pflanzer
Google-Translator-Texter
Google-Translator-Versteher
Grosi-Grüsser
Grosi-Platzmacher
Hamsterbefreier
Handbuch-Leser
Handy-Einhüller
Haploider Frosch [hat etwas mit Entwicklungsbiologie zu tun]
iFon-Surfer
iFon-Texter
Kalorienzähler
Klima-Gläubiger
Klima-Paniker
Kopierpapier-Auffüller
Kraftausdrücke-Vermeider
Kurzstrecken-ÖV-Fahrer
Lebensplaner
Mückenmörder
Mülltrenner
Nach-Hause-Telefonierer
Paper-Spalter
Paper-Zitierer
Pommes-Frites-Auftauer
Powerpoint-Graphiker
Powerpoint-Phantast
Powerpoint-Redner
Pringles-Lutscher
Qualitätssicherer
R-Graphiker
Red-Bull-Komasäufer
Regenflüchter
Regenkombi-Träger
Reisbeutel-Wärmer
Selberdenker
Smartphone-Intelligenzler
Sonnenschutzfaktor-20-Benutzer
Spinnen-Killer
Suchmaschinen-Nutzer
Sudoku-Spieler
Tastaturabdecker
Tofu-Vegetarier
Umwelt-Guru
Velo-auf-dem-Trottoir-Stosser
Velo-bei-Grün-Anhalter
Velo-Bergauf-Schieber
Wangenküsschengeber
Warmduscher
Wäsche-zu-Mami-Bringer
Zuvorderst-Sitzer

Haploider Frosch ist meine Lieblingsbeschimpfung seit Gymerzeiten. Der entsteht, wenn man ein Froschei mit einem Kamelhaar ansticht, die Zellteilung auslöst damit. Der daraus entstehende Teichfrosch hat ungefähr zweidrittel der Grösse eines normalen Frosches und ist natürlich steril.

Weiter im Text zum rechtlichen: Ich begann mich richtig zu wundern, als ich den Brief von Dr. iur. Christof Pappa zum zweiten mal durchlas. Er ist Jurist und müsste eigentlich wissen, was eine Persönlichkeitsverletzung ist und was nicht.

Ich hatte der Spezialistin für die Qualitätssicherung eine ordentlich durchdachte email geschickt, in der ich auf wenigen Zeilen zusammenfasste, was ich in drei Jahren zum Zustand des Biologiestudiums an der Uni Bern recherchiert hatte. Ich fragte sie zu dem Thema, wie es komme, dass solche Qualitätsprobleme in der Lehre in ihrem Büro unbemerkt bleiben und was sie zu unternehmen gedenke. Als Antwort bekam ich einzig und ganz alleine den Link zur Qualitätssicherungswebsite. Das war alles – mehr Antwort auf eine gewichtige Frage war zuviel verlangt von der Frau.

Ich bin hier engagierter Student, besorgter Stimmbürger, kritischer Steuerzahler. Ich schicke eine email mit einer sorgfältig zusammengestellten Frage und ich erwarte, dass die Adressatin sich zwei Minuten lang bemüht und ein Minimum von durchdachter Antwort auf meine Frage gibt. So sehe ich das.

Was für Leute sind das, die eine solche Aufforderung als Beleidigung nehmen und sich beim Generalsekretär melden müssen?

Im schweizerischen Strafgesetzbuch gibt es bei den Persönlichkeitsverletzungen drei Arten von Straftatbeständen, als da wären Beschimpfung (wenn ich jemanden mit Schimpfwörtern eindecke), üble Nachrede (wenn ich Lügen über unsittliches Verhalten verbreite) und Verleumdung (wenn ich Lügen über Straftaten verbreite). In diesem Zusammenhang wäre es dem Generalsekretär der Uni Bern folgend eine Beschimpfung, wenn ich jemanden auffordere „sich ein bisschen mehr Mühe zu geben“. Üble Nachrede und Verleumdung kommen nicht in Frage, weil ich niemandem sonst ausser der betreffenden Person selber meine Einwände kundgetan habe. Da bliebe nur die Beschimpfung übrig.

Beschimpfungen sind herabsetzende Bezeichnungen, die sich nicht auf Tatsachen beziehen – alles was im Tierbuch, im Zoo oder auf dem Bauernhof vorkommt, sind Beschimpfungen, wenn man sie auf Menschen anwendet. Berufsbezeichnungen können je nachdem, was für einen Beruf man nennt, auch Beschimpfungen sein. So mutiert zum Beispiel das Wort „Beamter“ mehr und mehr zur Beschimpfung. Man kann jemanden einen „Polizisten“ nennen, dann ist es in Ordnung, wenn er wirklich Polizist ist. Wenn er es nicht ist, dann ist es eine Beschimpfung. Bezeichnet man einen Polizisten als „Bullen“, dann ist es eine Beschimpfung. Man kann ihn einen „Tschugger“ nennen, dann ist es nur eine Beschimpfung, wenn der Zuhörer kein Berndeutsch kann.

Wenn ich nun die Adressatin einer ernstgemeinten Frage auffordere, sich mit ihrer Antwort „etwas mehr Mühe zu geben“ dann ist das eine Beschimpfung, wenn man es innerhalb der Uni Bern einer akademisch geschulten Angestellten gegenüber äussert. Kurlig, echt, so weit sind wir schon! Es ist also eine Beschimpfung, wenn man an der Uni Bern von Akademikern erwartet, dass sie sich Mühe geben, wenn sie auf eine email antworten!!!!

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6 Gedanken zu „Die Liste.

  1. Grundsätzlich gibt es drei mögliche Erklärungen, die das dilettantische rechtliche Vorgehen der phil-nat Fakultät in meinem Fall erklären:

    1) Die Biologie-, Mathematik-, Physikprofessoren machen, was juristische Laien machen: Sie nehmen den erstbesten Satz aus dem Reglement, der ihre a priori Vermutungen bestätigt und machen „Recht“ daraus.

    2) Eine Anzahl von Biologieprofessoren schlampen ganz allgemein mit Unterricht und Leistungskontrollen und das Dekanat hat bei der Regelung meines Studiums gepfuscht. Jetzt muss man das Gesicht wahren und so tun, als würde man das Recht schon richtig verstanden haben.

    3) Die Juristen werden zwar gefragt, aber man hört nicht auf sie, weil man sich verrannt hat (siehe auch 1 bzw. 2). Sich dumm zu stellen, ist sehr wohl eine Verhandlungstaktik.

    Sich-dumm-stellen ist einer kantonalen Behörde unwürdig. Dennoch ist in bernischen Verwaltungen diese Taktik gang und gäbe. Ich habe deswegen schon eine grössere Zahl von Prozessen vor Verwaltungsgericht gewonnen. Solche Siege sind nicht wirklich schwierig zu bewerkstelligen, wenn man Zeit und Nerven hat. Bernische Behörden spekulieren ständig darauf, dass die Untertanen das Recht nicht kennen und nicht genug Zeit haben, sich zu wehren. Man muss sich nur hinstellen, „nobis“ sagen und den Mut haben, dabeizubleiben, sogar wenn die Rechnung für den Gerichts-Kostenvorschuss von zweitausend Stutz kommt.

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