Wozu?

Wozu betreibt die Uni Bern eine „Qualitätssicherung“? Tut man die website der Profi-Qualitätssicherer auf, so geht es vordergründig um die Verbesserung der Lehre und der Forschung. In der Zeit der spin doctors, der Werbeprofi und website-Gestalter muss man solche Selbstdeklarationen immer von neuem nachdenkend überprüfen. Wir können uns in Ruhe umsehen, was die Qualitätssicherung bewirkt anstatt nachzuplappern, was sie verspricht.

1) Zuerst einmal liefern die Qualitätssicherer Kennzahlen. Diese dienen zum Beispiel dazu, die Verteilung von Nationalfonds-Geldern zu steuern. Die Meldung an eine Qualitätssicherer-Zentrale wird von dem ensprechenden Departement des Bundesrates so verlangt. Solche im Hochschulförderungsgesetz verankerten Anforderungen sind der eigentliche Ursprung unserer Qualitätssicherungs-Technokratie. Das hat weder mit Forschung noch mit Lehre zu tun, sondern mit Politik und mit bürokratischen Vorgängen.

2) Kennzahlen zur Qualität von Forschung und Lehre sollen statistisch, mit einer reproduzierbaren Methodik erhoben werden. Solange die Methodik also reproduzierbar bleibt, ist eigentlich egal, ob die Studenten wirklich etwas brauchbares für ihre berufliche Zukunft lernen. Auch wird daran nicht sichtbar, ob die publizierte Forschung zum Denken anregt, die Wissenschaft erneuert, den Fortschritt unserer technikbasierten Zivilisation ermöglicht, drängende Zukunftsprobleme zu lösen hilft. Veränderungen in Lehre und Forschung werden zum ungezielten Leerlauf.

3) Im Streit um die Verteilung von Ressourcen, Geld, Räumlichkeiten, etc., wenn die Damen und Herren von der Fakultät am Tisch hocken und sich mit roten Köpfen anschreien, dann kann man den Qualitätssicherer hereinbitten, der schwenkt dann seine Computerausdrucke in der Luft und darf den Schiedsrichter spielen. Wer „Qualität+“ bietet, bekommt mehr Stutz. Aggressionen im Kollegium werden unterdrückt.

4) Die Auseinandersetzung mit den Studenten wird unterdrückt. Man gibt den Studenten die Illusion, das Ausfüllen von anonymen Fragebögen, täte etwas beitragen, damit zukünftige Studenten, mehr, besseres, gründlicher und vollständiger lernen. So wird jugendlichem Tatendrang der Wind aus den Segeln genommen. Die Jungen werden korrumpiert.

5) Das Ausfüllen von anonymen Fragebogen enthebt die Studenten einer wichtigen Lebenserfahrung. Sie gehen nicht mehr zum Professor hin, um ihre Anliegen zu formulieren. Sie lernen nicht, sich verständlich genug auszudrücken, dass der etwas damit anfangen kann. Sie lernen nicht, ihren Mann zu stehen und zu ihrer Meinung zu stehen. Die Jungen werden infantilisiert.

6) Die Professoren lernen ihre Studenten nicht mehr gründlich kennen. Wenn sie keine persönlichen Reklamationen, kein engagiert vorgetragenen Vorschläge, keine Aufforderungen, Mitteilungen mehr entgegennehmen, dann können sie ihre Studenten viel schlechter einschätzen. Sie wissen nicht, wer mutig ist, wer weiterdenkt, wer Verantwortung für das ganze übernimmt, wer losprescht, wer nachdenklich die Dinge sich entwickeln lässt, wer sich vermittelnd im Hintergrund hält. Ohne die Kenntnis der persönlichen Qualitäten können die Professoren den Nachwuchs gar nicht mehr gezielt fördern. So kommt dann das Gejammer von wegen den Universitäten fehle der einheimische Forschernachwuchs.

7) Die Gestaltung des Studienganges wird delegiert. Professoren brauchen sich nicht mehr im Kollegium die Koordination der Lehrveranstaltungen und der Lehrinhalte zu diskutieren. Jeder Professor sucht einfach die besten Tricks, um für seine eigenen Veranstaltungen ein gutes Ranking zu erreichen. Professoren werden infantilisiert.

8) Man braucht nicht mehr nachzufragen, was die Schweiz eigentlich von unseren Hochschulen braucht. Man kann auf die Kennzahlen der Qualitätssicherer verweisen. Die Uni wird gegen Forderungen von Seiten der Politik und der Arbeitgeber abgekapselt.

Schlussfolgerungen:
Die Qualitätssicherungs-Bürokratie beschäftigt vor allem sich selber und dient als Hauptzweck der Entlöhnung ihrer Mitarbeiter. Sie kann ihre Existenz rechtfertigen mit ihrem technokratischem Eifer, ohne irgendeinen tatsächlichen Nutzen zu haben.
Die Qualitätssicherungsorgane dienen als ein entfremdendes Herrschaftsinstrument in den Händen linker Bildungs-Apparatschiki. (Huch, ich höre den Leser Hansli, der mir die heimliche propagandistische Kooperation mit dem Revolutionären Untergrund vorwirft).
Qualitätssicherungs-Technokratie behindert auf allen Ebenen und in allen wesentlichen Bereichen die Kommunikation. Sie ist brandgefährlich für die Existenz einer funktionierenden Universität.

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