Witzlos.

Das Ziel eines naturwissenschaftlichen Studiums an der Uni Bern sei, innerhalb enger Fristen und unter Zeitdruck gut formulierte Berichte abzuliefern. Das sei das eigentliche Können von Masters of Science, wie es die Uni Bern mit dem Verleihen ihres wissenschaftlichen Grades bestätige. Vom Erwerb wissenschaftlicher Fachkenntnis als Studienziel finde ich in dem ganzen sechzehnseitigen Papier nichts erwähnt.

Mit seiner Unterschrift macht der Dekan der philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern amtlich, was ich schon seit längerem in diesem Blog kommentiere.

Fristen? Funktionieren unter Zeitdruck als ureigentlicher Zweck des Studiums? In seiner Stellungnahme zu meiner Beschwerde in Sachen Diplomabschluss wiederholt der Dekan diese Behauptung in gewundenen über viele Seiten repetitiven Ausführungen immer und immer wieder. Studenten, die am Schluss der Ausbildung drauskommen wollen, sind an dieser Fakultät fehl am Platz, zumindest, wenn wir alle brav auf den Dekan hören täten. Seinen Worten zufolge, ist das wahre Können eines Master of Science von der Uni Bern, sich gut zu verkaufen, schöne Berichtli zu schreiben und in herausgeputzten Vorträgen die grosse Klappe zu haben.

Im „Reglement über Studien und Leistungskontrollen“ (RSL 2005) steht in Artikel 3 zwar ein anderer Zweck des Studiums. Da lese ich nämlich, das naturwissenschaftliche Studium solle mir Fachkenntnisse in meinem Spezialgebiet vermitteln. Es solle mich befähigen, selbständig mit meinem Wissen zu arbeiten. Zudem solle ich im Team arbeiten können und ich solle mir über die gesellschaftlichen Auswirkungen naturwissenschaftlichen Tuns im klaren sein. Davon aber schreibt der Dekan nichts. Ihm geht es einzig darum, ob der Student Fristen einzuhalten vermag.

Auf abschüssigem Terrain bewegt sich, wer wie der Dekan geradlinig behauptet, behinderte Studenten seien untauglich für eine naturwissenschaftliche Ausbildung. Ihre Behinderung führe ja dazu, dass sie für alles ein wenig länger bräuchten als die Fakultät a priori vorgebe.

Einer meiner Blogkorrespondenten schrieb mir in einer privaten email, dass sich in seinem Betrieb Ökologen von der Uni Bern als unbrauchbar erweisen. Schöne Berichtli schreiben, sei das einzige was die am Schluss können. Fachkenntnis fehle nahezu vollständig. Dazu passt auch, wenn der Teilhaber eines renommierten Berner Ökobüros mir sagt, Studienabgänger von der Uni Bern interessierten ihn nicht, für die habe er keine Verwendung. Traurig macht mich, wenn ich eine Biologin nach der anderen kennenlerne, jede zwischen 35 und 40 Jahre alt, verhärmt und enttäuscht, dass sie nie als Ökologinnen arbeiten durften sondern sich als Erntehelferin, bzw. Hilfsgärtnerin verdingen mussten. Sie kommen mit einem Lohn von 3600 Franken pro Monat durch.

Und weil man sich im Departement für Biologie gerne elitär englischsprachig gibt, schreibe ich es hier noch einmal hin:

These people are ambitious beyond clue!

********************$
P.S Im Zusammenhang mit meiner Behinderung und den Fristen: Was meine eigene rechtliche Position angeht, mache ich mir keine Sorgen. Der Dekan hat einfach missverstanden, was das Diskriminierungsverbot in der Bundesverfassung bedeutet. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich erwarte von einem Physik-Professor nicht, dass er sich juristisch profiliert.

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