Erkenntnis für freie Menschen.

… ist der Titel eines Buches von Paul Feyerabend, Wissenschaftstheoretiker, lustigerweise bis zu seiner Pensionierung angestellt als Hochschullehrer an der ETH Zürich.

Es gibt vier Bücher, die mein Denken als junger Student und meine Einstellung zu den Naturwissenschaften geprägt haben. Sie mögen ein wenig davon begründen, wie anders ich mich in den Naturwissenschaften bewege. Wer Lust hat, zu lesen, nachzudenken, sich zu fragen, wie wir eigentlich zu unserem Wissen kommen:

Gregory Bateson (1979): „Mind and Nature: A Necessary Unity“.

Paul Feyerabend (1976): „Wider den Methodenzwang“.

Murray Bookchin (1982): „The Ecology of Freedom: The Emergence and Dissolution of Hierarchy“.

Sir Peter Kropotkin (1902): „Mutual Aid: A Factor of Evolution“.

Gregory Bateson’s Buch ist epistemologisch, wissenschaftstheoretisch also. Er forschte der Reihe nach in vier unterschiedlichen Wissensgebieten. In den ersten dreien ist er heute noch eine Referenz, dessen Arbeiten Gültigkeit haben: Als Anthropologe mit traditionellen Gesellschaften auf Bali, als Verhaltensforscher mit Delfinen, als Erschaffer der double-bind Theorie in der Epidemiologie der Schizophrenie. Als Wissenschaftstheoretiker wurde er ausserhalb eines kleinen Kreises nie wahrgenommen.

Paul Feyerabend betrieb wissenschaftstheoreitischen Anarchismus. Murray Bookchin und Peter Kropotkin sind politische Anarchisten.

Dass so viele dieser Autoren mit Anarchismus in Verbindung gebracht werden, fällt mir erst jetzt beim Nachlesen ihrer Biographien auf. „Mind and Nature“ hatte mir ein Ingenieur am Ökozentrum in Langenbruck empfohlen. „Mutual Aid“ bekam ich in Boston von einem tschechischen MIT-Studenten. Auf Paul Feyerabend und Murray Bookchin stiess ich beim Stöbern in meiner liebsten Buchhandlung.

Unter den Dozenten am Institut für Pflanzenwissenschaften der Uni Bern gibt es etliche Kleingeister. Das sind dann die Leute, die in der Tretmühle immer gleicher Methoden gefangen sind. Sie erschaffen keine wirklichen Neuerungen, sondern setzen einfach das bekannte fort, mit Abwandlungen im Detail, phantasielos. Es sind die Leute, die von einer befristeten Stelle zur nächsten eilen, deren Lebensinhalt vor allem darin besteht, sich zu verkaufen mit vielen Publikationen, raffiniert gemachten Vorträgen und nicht etwa, sich zu entwickeln und vertiefte Einsicht in ihr Fachgebiet zu gewinnen, die Perspektiven zu verändern, zu alten Problemen neue Zugänge zu schaffen.

Solche Dozenten nehmen dann ihr gefährdete Existenz als herumgeschubste Karriere-Akademiker zum Masstab für wissenschaftliches Können und bedrängen die jungen Studenten mit solchermassen verdummenden Anforderungen. Als Dozenten meinen sie dann, schön gemachte Aufsätze, Vorträge, sauber gestaltete sprachliche Formulierungen in Examen seien der Ersatz für Fachwissen und persönliche wissenschaftliche Kompetenz.

Das sind dann die Leute, denen die Perspektive fehlt, die nicht darüber nachzudenken vermögen, wie Wissen entsteht, wie Wissen geschaffen wird, wie Wissen in einem bestimmten historischen und gemeinschaftlichen Kontext seine Bedeutung erhält und auch wieder verliert.

Schade ist, dass meine jungen Studienkollegen zu sehr mit sich selber beschäftigt, um sich zusammenzutun und sich selbständig an die Abgründe menschlichen Denkens heranzuwagen. Aus meiner persönlichen Lebenserfahrung heraus verwundert mich immer wieder, wie sehr vor allem die jungen Frauen sich den Autoritäten anschliessen und sich damit zufriedengeben, viel zu leisten und gute Noten zu haben. Das sind die Fräuleins, die meinen, Bravsein bringe sie weiter im Leben und sich später beklagen, wenn die weniger braven (aka, die weniger guten) Studenten die besser bezahlten Arbeitsstellen bekommen. Durchschauen die das Spiel nicht, das da mit ihnen getrieben wird?

Advertisements

Was Du denkst:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s