Farce.

Mein treuer Blogbesucher Hansli stellte gestern zur Diskussion, inwiefern Doktoranden der Biologie in Zürich selbständig und engagiert das Angebot an Lehrveranstaltungen nutzen. In Bern wird dieses Problem verschärft, weil die Uni nur ein marginales Ausbildungsangebot auf Masterniveau bietet. Hier in Bern erhält die Frage ein existenzbedrohendes Ausmass, wie selbständig die Studenten in ihrem Wissenserwerb sind. Leider selektiert das Grundstudium in Biologie auf Anpassertum und Konformismus. Das sind schlechte Voraussetzungen.

Sucht ein Ökologe Arbeit, dann kommt es gnadenlos darauf an, was er im Studium gelernt hat. Seine zukünftigen Arbeitgeber bei Ämtern und bei den Ökobüros mit ihren KMU Strukturen haben keine Zeit und keine Möglichkeiten, Ökologen auszubilden. Was ein Master in „Ecology and Evolution“ kann oder nicht kann, weiss vermutlich nur ein ganz kleiner esoterischer Zirkel von nicht mehr als 20 Leuten schweizweit. Der Personalchef eines möglichen Arbeitgebers kann mit so einem Titel schlicht nichts anfangen.

Mein Eindruck von den PhD, die in Bern in der Ökologie ausgebildet werden: Sie sind 25 oder 26, wenn sie fertig sind und den Doktortitel haben. Heutige PhD können fast soviel wie meine Studienkollegen in den 90erJahren konnten, wenn sie mit 25 oder 26 das Diplom machten. Die Studienzeit wurde auf dem Papier verkürzt, die Leute mit einem besser tönenden Abschluss versehen, gelernt haben sie nicht mehr.

Bei uns sind vor allem ausländische Doktoranden. Bei ihnen hatte ich nicht in besonders vielen Fällen den Eindruck, dass sie die Grundlagen des Faches verstanden hatten. Eine allereinzige von allen war ernsthaft genug, die nötigen Lehrveranstaltungen mit den Masterstudenten zusammen zu besuchen.

Bei den Zellbiologen und Molekularbiologen ist die Sache anders: Die Industrie will möglichst junge und formbare Menschen, das heisst Konformisten, die sich nahtlos in die Hierarchie einfügen und tun, was man sie zu tun heisst. Damit diese Wissenschafter im Labor von den Laboranten als Autorität akzeptiert werden, müssen sie den Doktortitel haben. Was sie wirklich können und was nicht, ist nebensächlich. Der Titel zählt. Die fachlichen Fähigkeiten werden dann betriebsintern vermittelt.

Aus der Basler chemischen Industrie wurde vor fünf oder sechs Jahren öffentlich bekanntgegeben, dass ein doktorierter Biologe oder Chemiker während des ersten Anstellungsjahres keine produktive Leistung erbringt, sondern eingearbeitet wird. In dieser Zeit betragen die Bruttolohnkosten an die 100’000 Franken. Die Gesamtkosten für die Einarbeitung und betriebsinterne Schulung wäre demnach an die 250’000 Franken zu veranschlagen.

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Farce, aus wikipedia:

Im Gegensatz zu romantischen Komödien enthält die Farce normalerweise keine traditionelle Handlung, die frustrierte Liebende, die Hindernisse überwinden, zeigt. Der Fokus liegt häufiger darauf, dass eine Grenze überschritten wird oder etwas vor den anderen Figuren verheimlicht werden soll und auf einer daraus resultierenden unvorhersehbaren Kettenreaktion.

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