Mangel an allem.

Mein Gesprächspartner kommt gerade zurück von einer Tagung im Ausland. Dort hat er zusammen mit einer Kollegin als Jungforscher ein Poster austellen dürfen. Stolz zieht er für mich aus einem Klarsichtmäppchen die Kopie seines Posters. Er ist im sechsten Studienjahr als Masterstudent und hat sich schon ein respektables Spezialistenwissen erarbeitet.

Doch diese kurze Reise ins Ausland hat seine Perspektive auf die Uni Bern verändert:
„Bern ist einfach kein Standort für biologische Forschung!“ ruft er aus.
„Das hier ist viel zu klein.“ Sein Einwand läuft darauf hinaus, dass man hier keine wirklich grossen Würfe schafft. Wenn die Biologieprofessoren zusammenarbeiten täten, dann könnten sie etwas daraus machen. „Aber sie hemmen sich gegenseitig.“

Ich gebe zurück:
„Ja und was ist mit den Superrankings? Das Biologiedepartement der Uni Bern wurde doch zu einem der allerbesten in ganz Europa ausgezeichnet!“

Er bleibt dabei, dass die Möglichkeiten in Bern beschränkt sind.

Bisher hat dieser Student seine Ausbildner in Schutz genommen. Er war sich sicher, hier von führenden Wissenschaftern ausgebildet zu werden. Die Tatsache, dass man von diesen Superleuten im benachbarten Ausland noch nie gehört hat, die gibt ihm zu denken.

Wir essen zusammen im botanischen Garten, wärmen uns in dieser verspäteten Frühlingssonne. Der Bursche neben mir auf der Bank legt die Schoggi unter den Pullover: „Aber das ist im Fall gar nicht, weil ich Deinen Schoggi abstauben will — es ist nur, damit er nicht von der Sonne heiss wird.“ Ich schmunzle. Ich hatte ihm die Tafel zum Teilen angeboten. Selber habe ich schon genug gegessen und er ist so ausgehagert, dass ihm ein wenig Auffutern auch nicht schaden würde. Als wir uns verabschieden, ist die Schoggi jedenfalls nicht zurück in meinem Migrossack.

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Editiert am 26. März 2013

Der zitierte Student verwahrt sich gesagt zu haben, die Berner Forschung kenne man im Ausland nicht. Das jedenfalls sei nicht seine Meinung. Ich selber bin in letzter Zeit nicht gereist und kann den Sachverhalt nicht nachprüfen. Ich muss mich auf Zeugen verlassen. Entsprechend habe ich den Blogeintrag angepasst. Seiner eigentlichen Forderung, diesen Blogeintrag zu löschen hingegen, komme ich nicht nach. Dieses Blog ist ein Diskussionsforum und die Zustände werden nicht besser, wenn man nur hinter vorgehaltener Hand redet.

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3 Gedanken zu „Mangel an allem.

  1. Naja, das liesse sich zu fasst jeder Uni sagen… die nehmen sich viel zu wichtig.

  2. Nachtrag: Die Uni Bern hat sehr bekannte Professoren (Bsp. Excoffier Genetik und Seehausen Evolutionsbiologie) , die wohl so ziemlich jeder auf der Welt kennt. Bei der Frage nach der Uni wäre die Antwort wohl irgendwo in der Schweiz oder Europa.

  3. @Hansli
    Im grossen und ganzen nenne ich bei meiner Kritik keine Namen sondern zeige mit dem Finger auf verbreitete Missstände. Ein Professor kann noch so eine internationale Koryphäe sein, wenn Professoren während des Semesters kaum je an der Uni anzutreffen ist, dann brauchen sie vom Rektorat einen ganzen Korb voll von Ausnahmebewilligungen. Wer solche Ausnahmebewilligungen hat, ist mir nicht bekannt. Ich erschrak jedenfalls zünftig, als ich im zoologischen Institut mitten im Semester durch ein vollkommen ausgestorbenes Stockwerk stolperte und dazu erfuhr, das sei der Normalzustand. Die Büros hatten alle Namensschilder, aber das Personal hat es nicht nötig, an der Uni zu erscheinen.

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