Chrousimousi!

Unser neugieriger Leser W. Gabathuler fragt nach meiner Meinung zum Naturschutzinterview in der NZZ von heute. Die NZZ schreibt nicht, wer genau dieser Bruno Baur sein soll, den sie ausgefragt hat. Dem Thema nach, wird es wohl der Basler Professor für Naturschutzbiologie sein.

In dem Interview in der NZZ von heute ist das Wort „Biodiversität“ nichts weiter als ein volksverdummendes Schlagwort. Man schreibt lauter Chrousimousi zusammen und tut, als käme man draus.

Baur brunzt wahllos einen hellen Strahl von modischen Wörtern über die Zeitungsseiten: Was hat die Gefährdung von Uferverbauungen durch das Wachstum von Staudenknöterich mit „Biodiversität“ zu tun? Wenn betonierte Uferverbauungen von dieser Pionierpflanze aufgebrochen werden, dann nimmt die Biodiversität des Standortes zu. Was hat Aufrechterhaltung von „ecosystem services“ mit Biodiversität zu tun? Das ist ein anspruchsvolles und kontrovers diskutiertes theoretisches Thema. Das Interview gibt keine Anhaltspunkte dazu.

Das ultimative Schrottdeutsch kommt allerdings daher mit „Die Biodiversität wird überall etwas gleicher:“
Das nachfolgende frivol undisziplinierte Denken finde ich erschütternd: „Kakteen gibt es etwa an Orten, wo sie natürlicherweise nie vorkommen würden.“ Ist die Diversität des neu besiedelten Standortes grösser oder kleiner geworden, seit sich eine Kakteenart dazugesellte?

Bruno Baur hat früher einmal eine Doktorarbeit geschrieben. Der Antworttext zu diesem Interview enstammt vermutlich nicht einem seiner glanzvollsten Momente. Auch Professoren sind manchmal müde oder abgelenkt!

Advertisements

51 Gedanken zu „Chrousimousi!

  1. Für Ihre Ausführungen bedanke ich mich und entnehme daraus, dass für Sie Artenvielfalt nicht so wichtig ist. Die Erläuterungen Herrn Baurs sind mir beim ersten Durchlesen einigermassen logisch erschienen, aber wenn Sie als Experte meinen, dass es nicht draufankommt, wenn endemische Pflanzen durch global verbreitetere Sorten verdrängt werden, bin ich auch beruhigt. Wir machen uns da also zuviele Sorgen. Ich hatte beim Staudenknöterich an diese von den US amerikanischen Truppen eingeschleppte Camouflage-Pflanze gedacht, die ich auf sovielen Südseeinseln gesehen habe und die heutzutage dort alles erstickt. Aber es stimmt eigentlich: Hauptsache grün und bodendeckend, welches Grün, ist dann ja eigentlich egal.

  2. @Gabathuler
    Baur schreibt nichts erklärendes zum Thema von wegen „endemisch verbreitete Pflanzen durch global verbreitete Sorten verdrängt“. Er stellt das einfach als ideologische Behauptung in die Luft, ohne irgend etwas zur Diskussion beizutragen.

    Der Interviewte sagt recht viel über Arten- und Biotopschutz. Diesbezüglich wiederholt er einfach die aktuelle Liste der bekannten Forderungen an die Landwirtschaft aus Naturschutzkreisen. Besonders belebend sind seine Äusserungen nicht.

    Empirische Beweise für von Baur wiedergekäute Argument, wonach Ökosysteme mit höherer Artenvielfalt stabiler seien, gibt es nicht. Es gibt auch keinen Grund, warum Systeme nach erfolgter erfolgreicher Besiedlung durch Neophyten weniger stabil sein sollten oder die ecosystem services schlechter erbringen. Auch das ist reine Ideologie, sogar das Wort „Stabilität“ in diesem Zusammenhang ist von nicht zu übertreffender Belanglosigkeit. Mir ist kein „stabiles“ Ökosystem bekannt.

    Es ist eine Angelegenheit der ethischen und der politischen Wertung, in welchem Umfang die aktuelle Zusammensetzung von Flora und Fauna geschützt werden sollen. Zur Zeit kann sich die Schweiz diesen Naturluxus leisten. Wir importieren 50% unserer Nahrung aus dem Ausland.

    Man kann über Artenvielfalt und Möglichkeiten zur Erhaltung kundig das Publikum unterrichten. Dazu hat Baur nicht allzuviel beigetragen. Der einzige einigermassen bedenkenswerte Ansatz findet sich in diesem Abschnitt von Baur:

    “ Kiesgruben dienen Amphibien und Reptilien als Ersatzlebensräume. Es ist also eine gesellschaftliche Frage, welche Biodiversität wir aben wollen.“

    Bei Amphibien und Reptilien ist das ziemlich klar, weil in den 60er und 70er Jahren die Lebensräume rar wurden.

    Eingeschleppte fremde Pflanzen verdrängen manchmal die einheimischen und meistens nicht. Die Verschwörungstheorie von wegen der Staudenknöterich sei zur Camouflage von US Soldaten auf Südseeinseln eingeschleppt worden, halte ich für den neuesten Schrei in der Sammlung der urban legends. Diesen Treppenwitz habe ich bisher noch nie gehört!

  3. Die Pflanzen, mit der viele Südseeinseln, bzw. deren Bauern, zu kämpfen haben, gibt es tatsächlich. Ich weiss deren Namen nicht und ich weiss nicht, ob es der Staudenknöterich ist, aber er hat mich daran zurückerinnert, weil er ähnlich aussieht. Es ist kein Witz, dass er von amerikanischen Truppen benützt wurde, um deren Stellungen zu tarnen, weil er besonders schnell wächst. Wird ein Feld nicht jedes Jahr davon befreit, ist es das nächste Jahr total überwachsen. Doch die Leute leben ja auch vom Meer und importierten Gütern.

  4. @W. Gabathuler
    Japanischer Staudenknöterich wächst so gut wie an jedem Ort auf der Welt, wenn nur genug Wasser da ist. Und ja, er macht regelmässig Probleme. Wenn Sie sagen, die Stengel und die Blätter hätten ähnlich ausgesehen, dann mag es schon das gleiche sein. In Europa wurde er als Zierpflanze und als Viehfutter angebaut. Der verbreitet sich so leicht, dass es hinterher keine Rolle spielt, wann und wie er eingeführt wurde.

  5. Für mich ist das ein gutes Interview. Vielbesser kann man das nicht bringen, dafür reicht der Platz nicht. Sonst müsste eine ganze NZZ nur zu diesem Thema erscheinen.

    @Jürg So wie Du das schreibst, meint jeder er kann aussetzen so viel er will. Das sei ja eh egal.
    Eingeschleppte Arten können massiv schädigend sein. Teilweise ganze Wirtschaftszweige lahmlegen. Beispiele gibt es genügend. Gerade der Staudenknöterich hat grosse wirtschaftliche Schäden an Bauwerken zur Folge. Oder er überwuchert die letzten Rückzugsgebiete unsere einheimischen Pflanzen.
    Ökosystemleistungen sind nicht kontrovers diskutiert, aber anspruchsvoll. Da hier vor allem Bakterien und Pilze wichtig sind.
    Das Ökosysteme nach Besiedlung mit Neophyten weniger Stabil sind, dafür gibt es ebenfalls beweise. Siehe Knöterich, oder Kanadische Pappel, Eukalyptusplantagen, etc..

  6. @Jürg Naturluxus ist für mich kein Luxus. Wenn die ein Fisch im Wasser, oder ein Schmetterling im Garten, das Blümchen im Feld egal ist. Für mich ist das kein Luxus.

  7. @Hansli

    Das ist alles richtig von wegen der Schäden, die fremde Pflanzen anrichten können. Aber es hat kaum je das geringste mit Biodiversität zu tun. Nur weil jemand „Biodiversität“ sagt und Professor ist, enthebt ihn das nicht der Verpflichtung zur wissenschaftlichen Redlichkeit und zum disziplinierten Denken.

    Eine mit Staudenknöterich überwachsene Wiese bildet ein ausgesprochen stabiles Ökosystem, das sich von nahezu jeder Art von Störung bestens erholt. Es erbringt auch den allergrössten Teil der von Baur aufgezählten ecosystem services. Es ist vielleicht nicht das System, das wir uns wünschen.

    Diese Wahl ist eine ethische und politische. Sie entspringt unserem Willen. Eine wissenschaftliche Notwendigkeit, wie sie Baur verzapft, gibt es nicht.

    Ökologische Stabilität ist sogar ein Gegensatz zu vielen Artenschutzmassnahmen: Viele der von den Naturschützern geförderten Lebensräume bestehen nur, weil sie fortdauernd massivstens geschädigt und die natürliche Entwicklung nachhaltig gestört wird. Rieder, Flachmoore, Magerwiesen, Halbtrockenrasen, Gebüschsäume, Ruderalstandorte, sie alle existieren nicht, wenn nicht ständig mit zerstörerischen Eingriffen dem Gang der Natur dreingepfuscht wird. Dass man solche Eingriffe als „Pflegemassnahmen“ benennt, ist euphemistisch. In Wirklichkeit werden Nährstoffe ausgetragen, Böden ausgelaugt, Böden der Vernässung preisgegeben, Bäume und Sträucher mit den dazugehörigen Nahrungsnetzen ausgereutet, ökologische Anpassung an das Klima und die Umwelt verhindert.

  8. Der Staudenknöterich fördert die Erosion, die Ökosystemservice verändern sich.

    Klar ist ein Ökosystem nicht stabil im Sinne keine Veränderung. Aber übers ganze gesehen sind Ökosysteme stabil. Alle Deine Aufzählung betreffend Pflegemassnahmen bräuchten wir nicht, hätten wir natürliche Gewässer. Im Prinzip werden diese Massnahmen nötig weil wir für diese Lebensräume die natürlichen Prozesse abgeschafft haben.

    Mein Punkt ist: Anhand Deines Kommentars denkt jeder Leser. Blödes Geschwätz dieser Fundis. Das ist ein Freipass um noch weiter unsere Natur zu zerstören.

    Ein zerstörter Boden kann auch mit intensiver Bearbeitung und Düngung genügend Ertrag abwerfen. Dafür brauchen wir keine Ökosystemservice.
    Oder Trinkwasser kann auch stark verschmutztem Wasser gewonnen werden. Ist alles eine Frage des Geldes. Die Industrie bevorzugt sogar die teure Aufbereitung. Denn an sauberem Trinkwasser kann man nichts verdienen.

  9. @Hansli

    Es gibt viele Gründe, warum eine Flussböschung erodiert. Sie kann erodieren, wenn dort Staudenknöterich alles andere verdrängt, eine dichte Krautschicht oder gar ein Weidengebüsch. Sie kann auch erodieren, wenn der Staudenknöterich die betonierten Verbauungen durchbricht. Im ersteren Fall nimmt die Biodiversität kurfristig ab, im zweiteren Fall nimmt sie von Anfang an zu.

    Eine solchermassen erodierende Flussböschung schafft dann ganz viele lustige neue Habitate für Insekten, Larven, Käfer, Unken. Fische finden Platz zum Laichen. Alles entstecht, was Dein Herz begehrt. Hektarweise werden Wiesen, Weiden, Gärten zu natürlichen Habitaten verwandelt. Autobahnen versinken in der Aare, die Zulg macht Einfamilienhäuser platt. Also ist der Staudenknöterich ein gutes Mittel um rasch viel neue Biodiversität entlang von Flussufern zu schaffen. Man muss es nur die nächsten 20 Jahre über geschehen lassen, gratis ohne „Pflegemassnahmen“ — my two cents.

    In diesem Interview werden in einem wilden Durcheinander alle möglichen modischen Naturschutzwörter durcheinandergewirbelt. Muss einer nur „Biodiversität“ sagen und schon ist er der Siebensiech am Tisch und alle nicken.

    Ja, das Interview ist blödes Geschwätz. Mit einem solchen Interviewtext wird die informierte Leserschaft nicht ernst genommen. Es handelt sich immerhin um einen Beitrag in der NZZ.

    Wenn man Staudenknöterich bekämpfen will, dann soll man eine Fachtagung von spezialisierten Wissenschaftern durchführen und die Forschung auf dem Gebiet fördern. Ein von Steuerzahlern finanziertes Kaffeekränzchen über „Biodiversität“ bringt jedenfalls nicht einen halben Meter Rhizom vom Staudenknöterich zum Verschwinden.

  10. @Jürg Leider ist vieles im Naturschutz Kaffeekränzchen. Denn die Umsetzung ist kaum durchsetzbar. Man gebe den Naturschützern gehör und lasse Sie reden. Dann merken die nicht, wie sie verarscht werden. Das ist eben Politik.

  11. @ Hansli

    Dann sollen sie halt reden, das Publikum informieren, für die Sache interessieren und nicht nur läppische Schlagworte dreschen. Dann hört ihnen vielleicht auch jemand zu.

  12. @Jürg Das Publikum ist auf der Seite der Naturschützer. Regelmässig werden an der Urne Initiativen angenommen. Das ist nicht das Problem. Aber die Umsetzung im Alltag wird von einer bürgerlichen Phalanx aus SVP, FDP und CVP verhindert. Wir haben schliesslich eine Kuscheljustiz die da auf beiden Augen blind ist. Ich wäre nicht so nachsichtig und würde bei Verstössen hart durchgreifen. Ebenso wenn Kantone sich weigern Gesetze umzusetzen. Ebenso geniessen Bauern und die Stromwirtschaft eine art Immunität.

  13. Ich bedanke mich auch für die Informationen von Hansli. Wie gesagt, habe ich das Interview schlüssig gefunden, als Nichtexperte. Vielleicht ist das das Problem: Es richtet sich an den Durchschnittszeitungsleser und nicht an den fortgeschrittenen Oekologen. Ich denke auch, dass es wichtig ist in unserer Zeit, wo wir alles zubauen und kaum mehr Reservezonen da sind, die nicht rentieren müssen, das Sensorium für Artenvielfalt aufrecht zu erhalten.

    Uebrigens habe ich vor kurzem auf 1’100 Metern Höhe, windexponiert und bei -7 Grad tatsächlich eine Buche entdeckt, deren Knospen bereit sind für den Frühling. Ich muss zugeben, dass ich das noch nie genauer bemerkt habe, aber ich war erstaunt, dass dieser Baum tatsächlich über die karge und relativ dunkle Jahreszeit die Energie findet, sich auf den nächsten Austrieb vorzubereiten. Sie haben ein interessantes Forschungsgebiet gewählt.

  14. @Hansli

    Eben genau das ist das Problem: Die Naturschützer betreiben permanenten Abstimmungskampf. Sie verbreiten Parolen und tun so, als wäre das dann die Realität. Sie brunzen Schlagworte.

    Baur behauptet zum Beispiel, Magerwiesen seien ein Ersatzlebensraum für zerstörte Flussauen. Ich weiss nicht, ob das für Vögel oder Kriechtiere gilt. Für die Pflanzenwelt ist es schlicht falsch. Eine solche Behauptung zeigt, wie ungenügend das Fachwissen von Baur ist. Er kann mit solch schlampigen Fehlern nicht nur nicht überzeugen. Sondern jedwelche naturschützerischen Massnhamen, die so geplant werden, sind von Anfang an zum Scheitern verurteilt. In Magerwiesen überleben keine Pflanzenarten, die aus Flussauen verschwinden!

    Mit plapperndem Wissen auf dem Niveau von WWF-Heftli kann man zwar Abstimmungskämpfe gewinnen. Aber das genügt leider nicht, um den Planeten zu retten. Dazu wäre dann auch noch Sachkenntnis notwendig. Sachkenntnis weitergeben an die Macher, die Handwerker, die Chefs, die Beamten, kann man mit plumper Medienmanipulation nicht. Die durschauen das Spiel.

    @W. Gabathuler
    Man kann auch durchschnittliche Zeitungsleser sachlich korrekt informieren. Es ist nicht nötig, dass man deren mangelndes Fachwissen ausnutzt und sich mit naturschützerligen Stammtischsprüchen gross aufspielt.

    Wenn einer einfach die gleichen Sprüche wiederholt, die man in den letzten 15 Jahren bei jeder Abstimmungskampagne gebetsmühlenartige wiederholte, dann ist das nicht „schlüssige Argumentation“ sondern hinterwäldlerische Imitation.

  15. @Jürg Magerwiesen sind durchaus ein Produkt von Flussauen. Diese Gebiete werden halt nur bei Jahrunderthochwasser überflutet. Solche Magerwiessen sind noch an den Donau-Marchauen oder am Taliamento zu finden. Die entstehen dort natürlich, weil durch ganz seltene Fluten offengehalten.

    Praktischer Naturschutz läuft so. Wen ein Naturschützer darauf besteht Gesetze umzusetzen, so muss er vor Gericht ziehen. Sonst passiert da nichts. Das funktioniert jedoch nur bei Beschwerdeberechtigten grösseren Bauwerken. Bei all den kleinen alltäglichen Übertretungen passiert nichts. Da kann nicht geklagt werden. Also muss per Bevölkerung ein Druck auf die Behörden aufrechterhalten werden. Oder wenn Kantone sich weigern Gesetze umzusetzen, muss halt mit einer zweiten und Schärferen Initiative nachgesetzt werden. So geschehen beim Gewässerschutz. Natürlich wird wiederum alles versucht die Verschärfungen wieder auszuhebeln.

  16. @Jürg 1987 Wurde der Moorschutz an der Urne Angenommen. Das wurde bis heute nicht umgesetzt! Da empfinde ich solche Aussagen: „Abstimmungskampagne gebetsmühlenartige wiederholte, dann ist das nicht “schlüssige Argumentation” sondern hinterwäldlerische Imitation.“

    Was soll man den sonst machen? Was ist dein Vorschlag? Wie können Kantone gezwungen werden Gesetze umzusetzen?

  17. @Hansli

    Was die von Dir genannten Auen angeht, so wäre das Experiment einfach zu bewerkstelligen: Man müsste nur ein paar Probeflächen einzäunen und schauen, ob die nach 30 Jahren noch waldfrei sind. Bis ich mehr weiss, gehe davon aus, dass es vor allem Geissen und Schafe sind, die solche Flächen offen halten.

    Ich kenne nur geschützte Hochmoore. Allerdings wurde nach der Volksabstimmung der Begriff „Moor“ sehr viel weiter ausgelegt als vor der Abstimmung. Über das Thema habe ich ja in diesem Blog schon geschrieben. https://dailyecologist.wordpress.com/2012/09/26/tonerne-fusse/

  18. @Hansli
    Zitat, Erhard Kraus, March-Thaya-Auen-Symposium, Wien, am 27. und 28. Mai 2010, Fakultätszentrum für Biodiversität

    „Auch heute noch beherbergen die March-Thaya-Auen große und ökologisch äußerst wertvolle Komplexe von Überschwemmungswiesen mit einer ganzen Reihe seltener, pannonischer Pflanzenarten, die hier ihre westliche Arealgrenze erreichen. Große Teile der Auwälder wurden bereits in historischer Zeit mit der ersten Besiedlung durch den Menschen gerodet bzw. parkartig aufgelichtet und in Wiesen und Weiden umgewandelt. Die traditionelle Mahd und Beweidung des Feuchtgrünlandes sicherte eine hohe Artenvielfalt und schuf Lebensraum für typische Wiesenvögel wie Wachtelkönig, Wiesenweihe, Uferschnepfe oder Brachvogel.“

    http://www.univie.ac.at/population-ecology/publications/tagungsband_symposium_mta_.pdf

  19. @Jürg Das ist mit bewusst. Im Übrigen habe ich einen Teil der Donau-Marchauen der vom Menschen seit dem 2 Weltkrieg nicht mehr beeinflusst war besucht. Das bis zum Fall der Mauer und damit dem Ende der Todeszonen. Da gab es Hektarweise neu geschaffene auch trockene Standorte.
    Unsere heutigen Trockenwiesen sind eigentlich alle Sekundärstandorte wie so viele Lebensräume. Natürlicherweise war die Standorte die Felsensteppen und eben am Rande der Auen. Weil dort grosse Fluten ab und zu wieder alles abrasierten. Im Prinzip die Sukzession wieder zurückgesetzt haben. So wäre z.Bsp. das ganze Walliser Talboden natürlicherweise einer Kiesgrube ähnlich.
    Für viele Kulturfolgepflanzen hat der Mensch viel mehr Lebensraum geschaffen, als ursprünglich vorhanden war. (.Bsp. Magerwiesen). Nur dumm, dass nun die ursprünglichen Lebensräume und die neuen langsam verschwinden.

    Angenommen wurde: Moore und Moorlandschaften…..

  20. @Hansli

    „Natürlicherweise eine Kiesgrube“ im Wallis, das ist ein Pionierstandort.

    Auf der Photo vom Tagliamento sehe ich Flusskies mit Pioniervegetation sie muss mit rasch wechselndem Wasserspiegel, Sommertrockenheit und Nährstoffarmut klarkommen. Dazwischen Silberweidengebüsch mit ebenfalls Pionierpflanzen in der Krautschicht. Weiter am Rand sehe ich einen Weichholzauenwald, vermutlich mit Grauerle, aber ich kenne mich im Friaul nicht aus, der ebenfalls nährstoffarm, kiesig aber einigermassen zuverlässig mit Wasser versorgt ist.

    Nichts von dem ist eine „Magerwiese“, wo mehrjährige, teils auch klonale Pflanzen fest etabliert sind, vergleichsweise gut mit Wasser versorgt, aber nährstoffarm auskommen müssen.

  21. @Jürg Darin sind alle Pflanzen der Trockenstandorte dun Magerwiesen zu finden. Einige PDF auf der Seite beschreiben die Pflanzenlebensräume. Aber eben wie ich geschrieben habe. Natürlicherweise waren „Magerwiesen“ bei uns sehr seltene Lebensräume. Diese Pflanzenarten waren eigentlich nur an solchen kurzzeitig offenen Standorten zu finden. Teilweise können auch Tiere Landschaften teilweise offen halten, siehe Nationalpark. Eigentliche Magerwiesen sind rein durch Landwirtschaft entstanden.

    Ich persönlich sehe heute in der Schweiz mit der aktuellen Naturschutzpolitik schwarz für die meisten Lebensräume die auf menschliche Aktivität zurückzuführen sind. Das betrifft vor allem die Magerwiesen. Die letzten Standorte sind meist steile Hänge die von Hand gemäht werden müssen! Das macht niemand mehr. Der Rest wurde in Fettwiesen umgewandelt. Genauso verstehe ich da ganze Hochstammprogramm nicht. Das ist für mich Geld zum Fenster hinausgeworfen. Das ganze Geld würde besser für grossflächige Renaturierungen verwendet werden. Das Ziel wäre möglichst viele Gebiete die keine Eingriffe mehr erfordern. Wird sicher nicht immer erreichbar sein. Aber Natur und Pflege ist für mich ein Widerspruch. Wer Kulturlandschaften erhalten will, bin ebenfalls dafür. Der sollte neben dem erhalt auch die Wirtschaftlichkeit im Fokus haben. Warum nicht Flächen von mehreren hundert Hektaren extensiv bewirtschaften? Das sollte auch ohne Subventionen rentabel betrieben werden können. Ist rein eine Frage der Flächengrösse.

  22. Ihre Ausführungen verstünde man vielleicht besser, wenn man Ihre Motivation zur Biologie kennen täte. Sie haben mich als neugierig beschrieben, darum getraue ich mich zu fragen:

    Warum studiert man (oder engagiert man sich in) Biologie?

  23. @Gabathuler

    Im Voraus: Die Biologie ist ein sehr weites Feld. Obwohl wir zwei den Biologen repräsentieren wie sich die Öffentlichkeit einen Biologen vorstellt, sind wir eine ganz kleine Minderheit. Die allermeisten Biologen arbeiten in der pharmazeutischen Forschung und Produktion, Pflanzenzüchtung oder Lebensmittelindustrie. Wir Ökologen die sich die sich mit Arten- und Naturschutzsachen beschäftigen sind da die eigentlichen Exoten.

    Warum? Weil ich seit je mich für unsere Natur interessiere.
    Eigentlich ist diese Studienwahl Blödheit. Die Jobaussichten sind für uns Ökologen miserabel. Die wenigsten können in ihrem Beruf arbeiten. Wer einen Job hat, der hat einen akademischen Tieflohn. Projektleiter zwischen 5000-6000.-, nur ganz wenige haben mehr. Wer nicht Projektleiter ist, das können Sie sich denken. Der Staat bezahlt natürlich viel besser (ca. mindestens 2000.- mehr). Das sind alles Projektleiterstellen. Diese Staatstellen sind genauso selten und Doktorarbeit Mindestvoraussetzung. Eine Doktorarbeit haben im Übrigen auch mindestens 90% der Projektleiter in der Privatwirtschaft.

  24. @Hansli
    Von wegen, Ökologen täten fast nichts verdienen, stimmt eigentlich nur, wenn die Ökologen als Ökologen arbeiten wollen. Sehr viele von meinen Studienkollegen von anno dazumal wurden Lehrer oder sie sind bei kantonalen Ämtern oder im Bundesamt für Umwelt oder sie haben Ökobüros. Die Lehrer und Beamten haben gute Löhne. Die Betreiber von Ökobüros haben es einige sehr gut, andere leben von mir aus gesehen an der Armutsgrenze. Das ist dann wie überall in der Privatwirtschaft abhängig davon, ob man die Kundschaft findet, die richtigen Auftraggeber, ob man weiss wie man ein Geschäft führt, wie man rechtzeitig die richtigen Fachleute für Spezialthemen anstellt.

    Ich denke, dass man im Kanton Bern als Ökologe gut leben kann. Aber vermutlich ist das einer der Gründe, warum der Kanton Bern jedes Jahr eine Milliarde bei den Zürchern, Zugern und Schwyzern über den Finanzausgleich betteln muss.

    Ich habe kürzlich per Zufall eine Kollegen von damals angetroffen und fragte ihn, ob er jetzt wirklich als selbständiges Einmann–Ökobüro leben könne, das ausgerechnet auf Flechtenkunde spezialisiert ist. Seine Antwort war, er lebe bescheiden, habe keine Kinder und immer wieder Auftraggeber. Für ihn sei vor allem wichtig, dass er sich den Flechten und den Dingen widmen könne, die ihn vor allem interessieren. Da sei das Geld nicht so wichtig. Es ist eigentlich dann mehr die Lebensweise des freischaffenden Künstlers, als die eines Karriere wissenschafters.

  25. @Jürg Ich habe ja geschrieben, das Staatsangestellte 2000.- mehr haben.

    Offen Staatsstellen für Ökologen in ZH der letzten ca. 5 Jahre: 4. Die durch Pensionierungen frei werdenden Stellen wurden nicht alle durch Neueinstellungen besetzt. Das ist nicht wirklich viel. Wer einen solchen Job ergattert, der beleibt bis zu Pensionierung. Ich schätze die Zahl der Ökologen beim Kanton auf ca. 30. Dabei waren vorher fasst alle in er Privatwirtschaft tätig. Das ist im Übrigen ein Problem für die Büros. Die bilden die Leute zum Projektleiter aus und dann werden Sie vom Staat abgeworben. Die Tendenz ist Staatstellen abzubauen und dafür Mandate an Private abzugeben. Das ist für den Steuerzahler billiger. Beim Staat verbleiben Koordinationsfunktionen und alle nicht auslagerbaren Bewilligungssachen. Das ist zumindest die Politik in ZH und angrenzenden Kantonen.

  26. Ich bedanke mich für die Antwort von Hansli (die Frage ging zwar an Herrn Brechbühl, weil ich seine Kritik nicht ganz verstehe). „Weil ich mich für unsere Natur interessiere“: Das dachte ich mir und das ehrt Sie. Nur dann verstehe ich die durchgängig negative Kritik und abwertende Sprache Herrn Brechbühls am NZZ-Artikel noch weniger: Natürlich muss Herr Baur vereinfachen und drückt sich akademisch vielleicht nicht ganz korrekt aus. Ich denke aber, der Normalbürger versteht seine Botschaft: das Plädoyer für einen sorgfältigen Umgang mit der Natur und der Artenvielfalt, was auch das Anliegen des Biodiversitätsrats ist hoffentlich, und das finde ich gut.

    Betreffend Ihrer Arbeit muss ich Sie trösten: Leider entlöhnt unsere Gesellschaft oft diejenigen am miesesten, die eine wertvolle Tätigkeit haben, sei’s in der Krankenpflege, in der Gemeindearbeit oder eben auch im Umweltbereich. Sie dürfen zumindest meiner Wertschätzung versichert sein.

  27. @Gabathuler Die Entlöhnung ist Konkurrenzbedingt. Die Hürde ins Businnes ist sehr tief. Im Prinzip reicht ein Computer! Einige brauchen vielleicht noch ein bisschen Ausrüstung, sagen wir maximal 20’000.- . Dann kann jeder loslegen. Ist im Prinzip das Gleiche wie in der Gastgewerbe. Viele versuchen ihr Glück, nur wenige können gut davon leben.

  28. @W. Gabathuler

    Ich kann meine Kritik an Baurs Interviewtext furchtlos noch einmal kurz fassen:

    Erstens, 90% seiner Aussagen sind fachlich falsch. Das heisst, es sind nicht einfach zulässige Vereinfachungen für das bürgerliche Publikum, sondern seine Angaben sind voll von groben Fehlern. Ob einfach oder kompliziert, 90% des Textes ist einfach nur falsch.

    Zweitens, ein weiteres „Plädoyer für einen sorgfältigen Umgang mit der Natur und der Artenvielfalt“ brauchen wir nicht, weder aus professoralem Mund noch aus anderem. Wer sich dafür interessiert, weiss das längst und wem es egal ist, dem ist es nach einem weiteren Plädoyer immer noch egal.

    Drittens, was wir Ökologen und mit uns alle anderen Naturwissenschafter notwendigst brauchen, ist ein informiertes Publikum mit einem naturwissenschaftlichen Vorwissen. Nur so können Stimmbürger, Handwerker, Ingenieure, Planer, Beamte in lebenswichtigen Sachfragen sowohl Argumente wie Informationen nutzen.

    Zu dieser zwingend erforderlichen öffentlichen Weiterbildung trägt Baur nichts bei, weil er ein Plädoyer hält, anstatt in vereinfachter Form fachlich korrekte Information zu vermitteln.

    Letzlich, ein Plädoyer zielt auf die richtige Gesinnung und nicht auf die fachliche Information. Politische Propaganda kann man mit der Wahrheit gleichgut machen wie mit Lügen. Es geht nur um Stimmungsmache. Davon sind unsere Tageszeitungen randvoll. Unsere Tageszeitungen verschlampen gleichmässig, mit totalitärer Konsequenz ihren Informationsauftrag. In diesem letzteren Sinn, weiss ich nicht einmal, ob die Fehlleistung auf Baurs Konto geht oder in der Verantwortung des NZZ-Journalisten liegt. Hätte der Journalist eine minimale Sachkenntnis, es wäre ihm nicht im Traum in den Sinn gekommen, diesen Schrott zu veröffentlichen.

  29. Herr Brechbühl, sie fordern ein Publikum mit einem naturwissenschaftlichen Vorwissen. Das wäre zwar schön und ich wünschte mir dieses auch, nur überfordern Sie uns. Das Publikum muss sich nämlich auch noch mit vielen anderen Dingen beschäftigen: Rechtsprechung, gesellschaftliche und ethische Fragen usw., und wir führen daneben noch einen Broterwerb, eine Familie, vielleicht auch noch eine ehrenamtliche Tätigkeit in einem Verein. Deshalb sind wir auf ehrliche Experten wie Sie angewiesen, die uns zur einen oder anderen Fragestellung Hilfe und Gedankenanstösse bieten, in einer verständlichen Sprache. Was wir allerdings nicht gebrauchen können, sind sich gegenseitig heruntermachende Wissenschaftler, denen es nur darum geht, ihr Wissen vorzuführen, recht zu haben oder die im Solde einer finanzkräftigen Firma stehen. Leider sehe ich das an mancher öffentlichen Veranstaltung und ich versuche es auszublenden. Also, es geht mir nur darum (und in diesem Sinne habe ich das NZZ-Interview zusammengefasst), das Bewusstsein für Artenvielfalt zu transportieren und ich sehe nicht, was daran falsch sein soll. Ich möchte nämlich nicht auf herlich duftende Magerwiesen verzichten, auch wenn gedüngte Grasweiden, Äcker und die betonierten Verbauungen für unsere Zivilisation notwendig sind oder besser rentieren.

    Heute habe ich auf dem Arbeitsweg und noch in der Dunkelheit bereits einzelne Vögel pfeiffen gehört. Es war wie eine Predigt und die Hoffnung auf den Frühling – herrlich! Ich beneide Sie etwas um Ihr Arbeitsgebiet.

  30. @Jürg Herr Bauer hat im ganzen Interview nichts Falsches gesagt. In einem solchen Interview muss klar vereinfacht werden. Klar sind dabei einige Punkte nicht ganz zutreffend. Das ist in der Biologie nie ganz zu vermeiden, wie in allen anderen komplexen Bereichen auch nicht. Wichtig ist die Kernbotschaft zu verkaufen. Wenn ein CERN-Physiker seine Sachen beschreibt, dann ist das auch eine Vereinfachung die einige mir unbekannte Details weglässt. Falsch ist zum Beispiel 1+1= 5 zu schreiben. Das wäre Propaganda. Und das hat Herr Bauer klar nicht gemacht.

  31. PS: Muss gerade die populationsgenetischen Grundlagen meiner Arbeit für die Öffentlichkeit erklären. Das ganze auf eine A4-Seite. Mehr habe ich nicht zur Verfügung. Da kann ich nicht mehr als sehr vereinfacht den Kern erklären.
    Das ist heutzutage Standard. Egal wofür. Ein Projekt muss auf einer A4-Seite (exklusive Illustrationen) zusammengefasst werden können. Mehr als die Zusammenfassung liest kaum jemand. So werden die Entscheidungen gefällt. Kein Entscheidungsträger hat die Zeit sich durch hunderte Seiten Details zu wühlen.

  32. @Hansli

    Der globale Handel verändert die Grenzen zwischen biogeografischen Regionen nicht seit den letzten Jahrzehnten sondern solange wie es globalen Handel überhaupt gibt, das heisst von China aus seit 3000 Jahren, von Spanien aus, via Zentralamerika und Philippinen seit 500 Jahren.
    Biodiversität nimmt nicht ab, wenn eine fremde Pflanze dazukommt, sondern sie nimmt zu.
    Die lokale Verdrängung einheimischer Pflanzen durch eingeführte ist bis anhin kein generelles Artenschutzproblem. Wir sind hier nicht auf Hawaii.
    Biodiversität wird nicht „überall gleicher“.
    Es ist nicht die Kleinräumigkeit der Landwirtschaft, die artenreiche Lebensräume geschaffen hat, sondern der Raubbau unserer Vorväter, die die natürlichen Ressourcen der Landschaft ausbeuteten bis zum Zusammenbruch der natürlichen Ökosysteme.
    Die Magerwiesen der Schweiz enthalten nicht die gleichen Pflanzen wie die naturbelassenen Flussauen in der Schweiz.
    Ecosystem services hängen nicht von der Artenvielfalt ab. Es gibt keine empirischen Beweise für diese romantische Behauptung.
    Die Bäume, die in der Nähe von drüsigem Springkraut vielleicht oder vielleicht nicht langsamer wachsen, werden sowieso nicht geerntet.
    Keine moderne Ackerbau oder Viehwirtschaftsmethode verändert die Stärke von Überschwemmungen.
    Beides hat auch nichts mit „Sauerstoffproduktion“ zu tun. Das ist ja der Witz der Landwirtschaft, dass die Primärproduktion anschliessend verbraucht wird.
    Die Frage, wieviel Prozent der erzeugten Nahrung verwertet wird, hat nichts mit Biodiversität zu tun, sondern dient einzig der politischen Stimmungsmache.

    Bleibt als einzige richtige Behauptung, dass in Kiesgruben Amphibien leben, die sonst in den Flussauen wären.

    Wir haben also 11 falsche Aussagen und eine richtige. Sorry, das sind sogar 91.67% Fehler und nicht nur 90%.

  33. W. Gabathuler
    Doch, ein minimales naturkundliches Grundwissen muss jeder in der heutigen Zeit haben. Dass die Grundschulen heute den Kindern nicht einmal mehr ordentliches Lesen, Schreiben, Rechnen beibringen, ist ein absolutes Drama.

    Aber es gibt Dinge, die jeder wissen sollte, so wie das ein mal eins: Erhaltung von Masse und Energie, Übertragung und Umwandlung von Energie, Zunahme der Entropie, Aggregatszustände der Materie, den biologischen Artbegriff, die Artwerdung in der Evolution, die Unterscheidung der biogeografischen Regionen, den Grundbauplan von Pflanzen und den wichtigsten Ordnungen der Tiere, was eine Zelle ist, was ein Gen, was eine Population die Kreisläufe der von Wasser, Kohlenstoff und Nährelementen in Erde, Luft und Wasser, der Bau des menschlichen Körpers. Ich meine nicht die Details, sondern die Grundzüge. Man kann sich noch ein paar Sachen aus der Chemie, der Geographie, der Meteorologie und der Informationstheorie dazu auslesen. Das ist ein Pensum für Acht- und Neuntklässler, zwei Jahre, drei Stunden pro Woche.

    Einfach so drauflos Schrott erzählen, weil es grad schick tönt und Stutz in die Kassen des eigenen Institutes schwemmt, das halte ich für schlitzohrig im besten Fall im schlimmsten Fall für Betrug.

  34. @Jürg Jürg Du willst einfach diesen Herrn kritisieren das ist der punkt.
    Biodiversität ist oft bei invasiven Pflanzen oder anderen Organismen mit einer Abnahme verbunden, durch Verdrängung einheimischer Arten. Oder einer Angleichung, wenn über die ganze Europa alles immer gleicher wird. Gibt zig Beispiele. Dazu haben wir noch Alpha-, Betta,- Gamma- und noch mehr Biodiversität. Aber das kann man nicht in einem solchen Interview bringen.
    Natürliche Flussauen enthalten die gleichen Pflanzen wie Magerwiesen. Aber klar haben wie keine natürlichen Flussauen mehr in der Schweiz.
    Ecosystemservice hängt sehr wohl von der Artenvielfalt ab. Gibt genügend Untersuchungen dazu.
    Springkraut ist ja auch nur ein Beispiel.
    „Keine moderne Ackerbau oder Viehwirtschaftsmethode verändert die Stärke von Überschwemmungen“ Das ist nun aber ein ganz starkes Stück. Naja, das ist eins der Weltweit größten Probleme. Die Abflussmuster haben sich dadurch auch bei uns wesentlich verändert.
    Wie viel Fläche für die Landwirtschaft verbraten wird, hat sehr viel mit Biodiversität zu tun. Schliesslich werden Weltweit riesige Flächen dafür neu der Landwirtschaft zugefügt.
    etc.

  35. @Jürg Denm sage ich zudem Tüpflischiesser: „Der globale Handel verändert die Grenzen zwischen biogeografischen Regionen nicht seit den letzten Jahrzehnten sondern solange wie es globalen Handel überhaupt gibt, das heisst von China aus seit 3000 Jahren, von Spanien aus, via Zentralamerika und Philippinen seit 500 Jahren.“

    Wenn der heutige globale Handel pro Jahr mehr Organismen verschiebt als währen dieser ganzen Zeit.

    Sorry, aber aber so viel unwesentliche Details löscht den Leser ab.

  36. @Hansli

    Kann ich etwas dafür, wenn heutzutags in Madagaskar, Nepal oder Bolivien Bauern Raubbau an der dortigen Natur treiben und damit Überschwemmungen verursachen? Ich bin hier in der Schweiz, ich bin hier Stimmbürger, ich zahle hier Steuern, ich lese in der Schweiz die NZZ. Wenn Herr Baur Drittewelt-Politik machen will, dann soll er sich zu Drittewelt-Politik äussern und nicht dazu, was wir hier in der Schweiz tun sollen. Zudem:Nimmt dann die Artenvielfalt ab wegen der Bauern in Brasilien, Indien, Kenia oder nimmt sie zu? Und muss ich das überhaupt hier in der Schweiz wissen?

    Wenn Baur das in der NZZ verzapft und grad in den nächsten Satz noch schiebt, nur 50% der Nahrungsmittel würden gegessen, dann zielt er auf die hiesigen Bauern und die hiesigen Konsumenten und pflegt damit die Lieblingsfeindbilder der schweizerischen Naturschutz-Bessermenschen.

    Dass die Rate der weltweit verschleppten Arten zugenommen habe in den letzten Jahrzehnten, halte ich ebenfalls für eine Mutmassung. Bei den Insekten zumindest, nimmt die Anzahl augenscheinlich seit ca. 15 Jahren wieder ab. Es handelt sich um einen vollkommen natürlichen Vorgang.

    Die Frage, ob dieser globale Austausch seit ein paar Jahrzehnten passiert oder schon seit Jahrtausenden ist relevant. Wenn es schon seit Jahrtausenden passiert, haben wir nämlich sehr viele Fälle von Arten, die sich in die neue Umgebung einfügten. Falls wir wollten, könnten die Invasionsbilogen also herausfinden, ob der globale Austausch die Biodiversität fördert oder verkleinert. Invasive Pflanzen aus der Segetalflora wie die Kornrade, der Klatschmohn oder die Kornblume werden von den Naturschützern ja gehätschelt, als wäre es der Untergang der Biodiversität, wenn sie nach 4000 Jahren Anwesenheit halt wieder verschwinden, weil die Bauern von heute das Saagut besser reinigen als unsere Pfahlbauervorfahren.

  37. Gefragt wurde schliesslich betreffend der globalen Situation und der hiesigen.
    Wenn im Balastwasser Organismen um die Welt gekarrt werden, ist das sicher kein natürlicher Vorgang. Die Verschleppung ist rein Abhängig von der Anzahl Verbindungen zwischen zwei Orten. Der Verkehr war noch nie so gross wie heute und nimmt immer noch zu. Mehr Verkehr, mehr Verschleppung. Abgesehen davon gilt alles vor Kolumbus hier anwesende als einheimisch. Egal ob durch die Römer gebracht oder nicht. Da wurde einfach die Nulllinie gezogen. Dabei ist Europa noch wenig betroffen. Die Auswirkungen der Verschleppung sind in vielen anderen Regionen der Welt katastrophal. Kein Wunder ist der Import von jeglichem organischem Material nach Australien strengstens Verboten. Ein Apfel hat dort eine Busse von mehreren tausend Franken zur Folge. Die wissen eben um die Gefahr von Krankheiten etc.
    Den Seitenhieb an die Bauern die hier noch mehr zerstören wollen, empfinde ich als sehr gut. Wir haben eine hochsubventionierte naturzerstörende Landwirtschaft. Eine so krass intensive Nutzung wie in der Schweiz ist einzigartig. Wir haben eine grüne Wüste geschaffen. Nicht einmal Berge können da als Rückzugsgebiete herhalten.

  38. Hier noch einige Beispiel aus meinem Fachgebiet zur Verschleppung beschränkt auf Europa:
    – Forellen wurden durch ganz Europa gekarrt. Mit den Fischen kamen Krankheiten wie die PKD. Da wurden Forellenständen in einigen Ländern ausgemerzt. Die Aquakulturschäden gehen in die Millionen. Einmal drin immer drin. Die Forellen kommen nicht wieder.
    – Der Import amerikanischer Süsswasserkrebse hat zum Kollaps der europäischen Bestände geführt. Die mitgelieferte Krebspest hat unsere Krebse weitgehend ausgerottet. Da sind nur noch Restbestände übrig.
    – Der Import des japanischen Aals führt nun zum massiven sterben des europäischen Aals. Ebenfalls wegen einer Krankheit.
    – Das gleiche beim Import der japanischen Auster.
    – Einschleppung der Wohlandkrappe hat zum Zusammenbruch vieler Fischbestände geführt.
    – Einschleppung von Schnecken, Muscheln, und Wasserinsekten haben zur praktischen Auslöschung einheimischer Arten in vielen Seen bei uns geführt.
    -Einschleppung Fischarten aus Rhein-, Rhone-, Donaueinzuggebiets führt zur Hybridisierung mit Verwandten Arten oder konkurrenziert andere im adriatischen Raum. Da sind einige Arten verschwunden. Dasselbe in Spanien.
    -Aussetzen (entsorgen) von Fischen in jeden Tümpel führt zum Kollaps von Amphibienbeständen.
    Etc.. Das ist kein Blabla-Problem. Vieles betrifft halt nur die Vielfalt der Organismen. Einiges hat Schäden teilweise in Milliardenhöhe zur Folge.

    Bei Schiffen werden bald neue Normen betreffend Balastwasser für Frachtschiffe eingeführt. Wie Filterung oder UV-Bestrahlung oder andere Systeme um Organismen abzutöten oder herauszunehmen. Mehr und mehr Inselstaaten führen strenge Kontrollen ein, weil die Schäden zu gross geworden sind.

  39. @Hansli
    Was Du auflistest, sind Artenschutzfragen und nicht solche der Biodiversität. Hat die Biodiversität zugenommen oder abgenommen als die Forellen austarben, als die Süsswasserkrebse ausgerottet, der japanische Aal zum europäischen dazu kam, Fischbestände verkleinert wurden?

    Nein, nein, nein, es geht um den Schutz der Arten. Von mir aus gesehen ist Artenschutz eine ernste Angelegenheit. Aber dann soll man über Artenschutz reden oder über Biotopschutz. Wenn einer „Biodiversität“ sagt, so tut er nur so, als sei er modern, wisse mehr als der gewöhnliche Pöbel und sei als Fachmann mit Sonderkenntnissen unersetzlich. Er verhunzt die ernsthafte Besorgnis von grossen Gruppen in der Bevölkerung zu dümmlichem Popart.

    Biodiversität wird gemessen und statistisch berechnet. Habe gestern grad in Gurevitch et. al. (2006): „Plant Ecology“ nachgeschlagen. Hier sind 17 Theorien aufgelistet darüber, wie sich Biodiversität einem Umweltgradienten entlang verändert. Hier finden ich 15 verschiedene statistische Masse für Biodiversität.

    Nehmen wir einmal den Shannon-Wiener Index für Biodiversität und weil wir Biodiversitätsapostel sind, wollen wir in einer gegebenen schweizerischen Landschaft von sagen wir 20km2 im Entlebuch die Biodiversität maximieren. Es sind verschiedene Szenarien denkbar. Sollen doch ein paar Hochmoore in diesen 20km2 vorkommen. Das sind ausserordentlich gefährdete Lebensräume. Die Naturschützer wollen zurecht, dass keine Hochmoore zerstört werden. Hochmoore sind sehr artenarm und enhalten eine sehr, sehr, sehr kleine Zahl von Pflanzenarten, vielleicht ein halbes Dutzend, die schweizweit stark gefährdet sind. Die Artenschützer wollen die Hochmoore ebenfalls zu recht schützen, weil diese Arten sonst ganz verschwinden.

    Will ich aber die Biodiversität in dieser Landschaft von 20km2 maximieren, dann muss ich eine umfangreiche Planung vornehmen und komplizierte statistische Szenarien durchrechnen. Eine Schlussfolgerung dabei wird voraussichtlich sein, dass ich diese Hochmoore gezielt, gekonnt und vollständig zerstöre. Ich muss die extrem seltenen Arten loswerden und Lebensraum für weniger seltene, aber immer noch seltene Arten schaffen und so die evenness zwischen ziemlich seltenen und häufigen Pflanzen vergrössern. Nur so könnte ich den Shannon-Wiener Index maximieren.

    Sorry, wer in der Schweiz im Ernst „Biodiversität“ maximieren will, ist ein Volltrottel der so ziemlich alles kaputt macht, was die Naturschützer in den letzten 100 Jahren erstritten haben.

  40. @Jürg Biodiversität ist Artenschutz!!!!! Was den sonst. Wenn wir über Biodiversität erhalten wollen, dann ist gerade Artenschutz gemein und die genetische Diversität gehört ebenso dazu.

    Wenn Arten ausgerottet werde und dabei sind zu verschwinden. Dann nimmt die Biodiversität ab (Krebse). Wenn im Rhein und anderen grossen Flüssen nur noch Wasserinsekten aus der Donau zu finden sind und Mollusken aus der ganzen Welt, aber kein einheimische mehr. Dann hat die Biodiversität abgenommen. Viele weg, einige weniger Arten haben den Platz eingenommen.

    Die Naturschützer haben in den Letzten 100 Jahren die Biodiversität gefördert, das ist der Ursinn des Naturschutzes. Wir setzen uns schliesslich für die Vielfalt der Lebensformen ein.

    Sorry, aber ich verstehe Dich wriklich nicht.

  41. Als kurze Antwort genügt, „Artenschutz“ ist ein deutsches Wort, das jeder versteht. „Biodiversität“ ist ein spezialisierter statistisch-ökologischer Fachbegriff, dessen Inhalt 999’999 von 1’000’000 Leuten nicht verstehen.

    Die Verwendung von elitärer Fachsprache dient in der Schweiz fast immer dazu, sich als ein kleines Clübli von Insidern abzugrenzen und hinterher wehleidig zu jammern, wenn man von der Mehrheit der Macher nicht wahrgenommen wird. Wenn Artenschützer wollen, dass Artenschutzmassnahmen ausgeführt werden, dann sollen sie Deutsch reden, weil nämlich ihre Gesprächspartner im allgemeinen Deutsch können.

    Wenn nun 99’000 von 1’000’000 Einwohnern „Biodiversität“ sagen anstatt „Artenschutz“, dann zeigen sie damit nicht, dass sie über Sachkenntnis verfügen, sondern dass sie die übrigen 901’000 als Bauerntölpel hinstellen. Leider ist es dann so, dass diese Bauerntölpel und Hinterwäldler die Kosten dafür auf sich nehmen sollen. Fremdwörter werden meistens von Leute gebraucht, die nicht wirklich sorgfältig nachdenken und über ihre mangelnde Denkdisziplin hinwegtäuschen. Mit Fremdwörtern und schlampigem Nachdenken kann man niemanden überzeugen, sogar wenn der andere aufmerksam ist und sorgfältig zuhört.

    Fast immer sind es Linke und Grüne, die über die Sprachkontrolle solche elitäre Abkapselung betreiben. Nehmen wir ein ganz anderes Themengebiet: Im Kanton Bern darf man nicht mehr „schwererziehbar“ sagen wenn man von Jugendlichen redet, die sich in der Schule nicht benehmen. Angeblich ist das Wort negativ besetzt. Im Verlauf der Jahre wurde ein Wettrennen durchgeführt, wobei die Fachleute die Begriffe immer dann auswechselten, wenn der gewöhnliche Pöbel sich ein Bild gemacht und das Konzept verstanden hatte. Aktuell soll man glaube ich „verhaltensauffällig“ sagen. Das war mein Wissensstand vor vier Jahren und es kann gut sein, dass dieses Wort schon zwei weitere male ausgewechselt wurde. Die Ersatzeltern dieser Kinder heissen auch nicht mehr „Heimerzieher“ sondern „Sozialpädagogen“. Und was musste nun ein solcher „Sozialpädagoge“, der in einem solchen Jugendehim arbeitet, hören? Er fiel fast um vor Schreck: Die Kinder sagen von sich selber, sie seien hier in der „Tubelischule“. Die betroffenen Kinder selber machen nicht mit.

    Das ganze endet darin, dass sich niemand mehr freiwillig engagiert, die Freiwilligenarbeit verschwindet, das Geld fehlt, die Stimmbürger verweigern die Kooperation, die soziale Kontrolle fällt aus,weil die meisten nicht verstehen, worum es geht. Würde man von „Schwererziehbaren“ reden und bei dem Wort bleiben, so würden mit den Jahren die Steuerzahler, Stimmbürger, Nachbarn, Frauenvereine, Lottospieler verstehen, worum es geht und jeder auf seine Art etwas beitragen. Sie würden aber auch mitreden und mitdenken und den elitären Fachhochschulen dreinreden, wenn sie mit ihren modischen wissenschaftlichen Theorien zu Experimenten an Minderjährigen schreiten. Der SP-wählende Sozialkuchen wäre nicht mehr allein, müsste sich verantworten und könnte nicht mehr selbstmitleidig jammern über die bösen anderen.

    Genauso ist es mit dem Naturschutz, dem Artenschutz, dem Biotopschutz, der Luftreinhaltung, dem Landschatsschutz. Man muss reden mit denLeuten, Deutsch verständlich, diszipliniert, sachlich korrekt. Sonst kommt man nicht durch.

  42. Seit ca. 10 Jahren wird nur noch das Wort Biodiversität verwendet. Für mich ist das einerlei ob Biodiversität oder Artenschutz, Biotopschutz etc.. in der Öffentlichkeit verwendet wird.
    – Biodiversität: Wie Du geschrieben hast, neuer Begriff, oft Erklärungsbedürftig. Obwohl für mich der Beste.
    – Artenschutz: Am leichtesten Verkaufbar, aber meist nur für grössere Tiere verwendbar.
    -Biotopschutz: Da sehen die Leute gleich die Verbotstafel.

    Ich bin da ein Anhänger einen anderen Philosophie.
    Vieles lässt sich als Erholungsraum verkaufen. Zumindest im Gewässerschutz das beste Verkaufsargument. Zu oft sehe ich jedoch Verbotstafeln. Die meisten Lebensräume vertragen jedoch die Präsenz des Menschen. Gleichzeitig kann das Besucheraufkommen und Verteilung durch für den Besucher unbewusste Leitplanken gesteuert werden. Für den Rest können immer noch Betretungsverbote erlassen werden.

  43. Das ist ja ein heiliger Streit unter Experten, meine Herren. Und nur, weil Herr Baur statt „Artenschutz“ (müsste man nicht präzisieren: „Artenschutz endemischer Arten“?) geschrieben hat „Biodiversität erhalten“? Ich denke, ich habe Herr Baur schon richtig verstanden, wie ich schon oben schrieb: Dass ihm dies wichtig ist und er uns dafür sensibilisieren möchte.

  44. @W. Gabathuler
    Es heisst wennschon Schutz einheimischer Arten.

    @Hansli

    Richtig seit 10 Jahren redet man nur noch von „Biodiversität“ statt Artenschutz. Auch in allen anderen linken und grünen Öko- und Sozialbereichen wird eine propagandistische Sprachkontrolle ausgeübt. Die Wissenden werden gezielt von den Blöden abgeschieden. Und dann kommt das Gejammer, von wegen es gebe zu wenig engagierte Freiwillige, die Leute täten sich immer mehr in ihr Eigenleben zurückziehen und aus der Verantwortung für die Gemeinschaft verabschieden. Sollen die sozialen und ökologischen sich das Gejammer ersparen, wenn sie nicht mehr mit den Leuten reden.

    Ah ja, richtig und die Schreiberlinge von den Zeitungen, die die Lücken zwischen den Inseraten mit solchem Wörter-Klamauk füllen, klagen auch seit den gleichen 10 Jahren über immer weniger Leser und immer weniger Inserate. Für sie sind Fremdwörter genau so bequem. Sie können Wortreihen nach Schema kreieren, ohne zu wissen worum es eigentlich geht. Nur finden die Leser dann keine Neuigkeiten mehr in den Zeitungen, sonder nur die immer gleichen Schemen.

    Wenn ein eingeschleppter Hautpilz sich über die Kröten und Frösche an einem Teich hermacht und die Rossnägel während der Umwandlung zum Frosch abtötet, dann können sich über diese Leichen Schimmelpilze, Faulbakterien hermachen. Statt einem mickrigen Glööglifrösch haben wir dann 18 Arten von Mikroorganismen in dem Teich oder meinetwegen auch 58. Die Biodiversität wäre in diesem Fall dank des aus einem anderen Kontinent importierten infektiösen Pilzes stark angestiegen. Ist doch echt cool, dann haben wir 40% weniger blöde quackende Frösche und dafür eine trübe Suppe im Teich. Ein solcher Teich ist voll krass biodivers mit lauter unterschiedlichen Organismen und einem riesigen Pool an genetischen Ressourcen. Diese Mikroben entwickeln sich zudem evolutiv rasch weiter. Damit wird die Biodiversität sehr viel schneller zunehmen in diesem von Krankheit schwangeren Teich. Also los, lasst ein paar von diesen blöden Fröschen krepieren, die erst noch den Shannon-Wiener-Biodiversitäts-Index zur Sau machen!

  45. @W. Gabathuler

    Danke für die Aufmerksamkeit und für den Link.

    Der Artikel ist ein Beispiel, wie sorgfältige Naturbeobachtung mit lockeren Sprüchen verbunden wird.
    Woher will der Fischereiaufseher wissen, was er da so daherkommentiert?

    Dass sich der chinesische Eindringling nun auch im Zürichsee ausbreitet und auf dem Wasserweg eine neue Wanderroute zum Meer etabliert, sei ausgeschlossen,…

    Dem Bericht zufolge wird das Tier 30cm gross und hat den Weg in den Bodensee schon gefunden. Ich finde das besorgniserregend.

    So können wir feststellen, wie die Artenvielfalt im Zürichsee ein weiteres mal zugenommen hat und dass solche Biodiversität gar nicht erwünscht ist.

  46. Was halten Sie von genveränderten Nutzpflanzen und Feldversuchen?

    http://www.blick.ch/news/schweiz/uni-zuerich-plant-weitere-gentech-versuche-im-freiland-id2196333.html

    Ich muss zugeben, akeptisch zu sein, habe aber keine wirklichen Argumente, weil ich mich in der Materie zuwenig auskenne. Aber auch resigniert: Man wird wohl eh‘ nichts verhindern können, wenn wir es nicht machen, forschen andere. Auch hier ist zudem sehr viel Geld im Spiel. Aktuell steht ja ein Syngenta-Produkt unter Versacht am Bienensterben:

    http://online.wsj.com/article/SB10001424127887323926104578276040318770624.html#

  47. @W. Gabathuler
    Die Uni Zuerich macht ihre Freilandversuche unter extrem kontrollierten Bedingungen. Was das angeht, wird einfach von den Gegnern ein Religionskrieg vom Zaun gerissen. Bei den Fragen der Freisetzung im Ackerbau bin ich eher skeptisch. Wie bei allen ökologischen Fragen gibt es viele, viele Meinungen und viel zuwenig Daten. Von mir aus dürfte man ruhig einige tüchtige Pflanzenökologen anstellen und die einmal richtig forschen lassen. Wäre auf alle Fälle spannender als das 110tausendste Knabenkraut nachzählen.

    Was das Bienensterben betrifft, dürfen Sie den Artikel im Wall Street Journal ruhig ein bisschen genauer lesen: Ein ***Insektizid*** von Bayer hergestellt, von Syngenta in den Handel gebracht, tötet Bienen. Das hat jetzt grad überhaupt nichts mit genmanipulierten Pflanzen zu tun.

  48. Viele Meinungen und wenig Daten: Diesen Eindruck habe ich auch. Danke für Ihre Einschätzung. Das mit dem Insektizid habe ich nur als Beispiel gebracht, wieviele monetäre Interessen in diesem Bereich wohl mitspielen. Der WSJ-Artikel fassst ja nur einen Teil dieses „Kriegs“ zusammen.

  49. @W. Gabathuler „Monetäre Interessen“? Ich esse Brot und Kartoffeln. Mein Interesse in dieser Angelegenheit ist mehr als monetär.

Was Du denkst:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s