Umerziehung

Man muss es sich vorstellen: Auf den Jahreswechsel durfte die Studentenschaft der Uni Bern einen Wunsch tun. Was möchten die Studenten als wichtigstes verändern im Jahr 2013? Welcher Wunsch für die Universität Bern ist so wichtig, dass es auch in der Tageszeitung gedruckt werden soll?

Nachdem sie also mit dem Zeigefinger an der Zauberlampe entlang strichen, taten die 12 auserkorenen ihren grossen Wunsch. Sie möchten die Uni zum ökologischen Umerziehungslager machen. Sie wollen den anderen 14988 Studenten vorschreiben, was sie in der Mensa zu essen haben und was nicht.

Unter normalen Menschen würde man auf normal menschliche Weise sich um ein normales menschliches Bedürfnis kümmern: Die Mensa-Wirte würden in der ersten Semesterwoche einen Fragebogen zum Ankreuzen verteilen: „Liebe Studenten, was möchte ihr gerne essen?“ Am Ende des Semesters käme dann ein anderer Fragebogen: „Wie hat es Euch geschmeckt?“. Die Studentenschaft könnte sich nützlich machen. Sie könnte zum Beispiel bei der Auswertung des Fragebogens mithelfen.

Der Artikel in der Bernerzeitung online bringt bedenkliches zutage. Wir erfahren nebenbei einiges über die Entscheidungswege und die Entscheidkompetenzen. Man soll sich bei der Lektüre vergegenwärtigen, dass diese Uni angeblich unter Geldmangel leidet. Sie hat jedenfalls genug Geld und Zeit für einen Apparat von überqualifizierten, unterbeschäftigten Staatsbediensteten.

Die Frage, ob an der Mensa junge Menschen zu fleischlosem Essen gezwungen werden sollen, bedarf der Mitsprache der Mittelbauvereinigung der Doktoranden und Assistenten. Nicht nur die Studentenschaft redet mit, sondern auch der Senat als Versammlung der gesammelten Professoren. Der Entscheid wird letztlich von der Universitätsleitung in der Person des Verwaltungsdirektors gefällt, wobei die „pädagogische Hochschule“ als ad hoc Universität ein Vetorecht hat.

Man soll sich auch die Leserkommentare zum verlinkten Artikel in der Bernerzeitung anschauen: Die Studi kommen bei der Bevölkerung als weltfremde verwöhnte Bubi an, als Leute, die sich die Probleme machen müssen, weil sie sonst keine haben.

http://www.bernerzeitung.ch/region/kanton-bern/Uni-Bern-Bald-ein-Tag-ohne-Fleisch/story/22960396

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3 Gedanken zu „Umerziehung

  1. Hey, Jürg, hierbei geht es um die Rettung des Planeten! Und um die Gesundheit der Mitstudierenden. Gibt es etwas edleres, als ein Studentierendenpolitiker, der für den Planeten und die Mitstudierendenden etwas Gutes zu tun? Dann kann man sich so richtig als guter Mensch fühlen. Ein Gutmensch. Und jetzt sollte man nur noch das sexistische Ampelmännchen abschaffen und schon wäre die Welt ein besserer Ort.

  2. Nicht ganz im Ernst: Sie scheinen zu praktisch veranlagt zu sein für ein akademisches Umfeld. Falsche Berufswahl? Das lässt mich Schlimmes befürchten: Was passiert, wenn ihr Studenten auf uns Normalberufler losgelassen werdet?

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