Keine Birnen, nichts zu beissen.

„So wie ich auch!“ Ruft die Kollegin am Telefon aus. Wir haben uns seit ein paar Monaten nicht mehr gesehen und unsereins machte sich dann schon Sorgen, wenn sie einfach abgetaucht ist und keiner weiss, wo sie steckt.

Richtig, ihr Diplom als Ökologin hat sie an der Uni Bern vor bald zehn Jahren gemacht. Sie ist zünftig über 30 und hat den Traum noch nicht aufgegeben, doch noch einmal als Biologin arbeiten zu dürfen. Diesen Sommer über bekam sie ein weiter mal mehrere Absagen bei der Stellensuche. Zur Zeit ist sie untergekommen bei einem Unternehmen für Behindertentransporte alsTaxifahrerin und bezahlt ein Zimmer in einer kleinen WG.

Jede der Absagen wurde begründet mit ihrem Mangel an zuverlässiger Artenkenntnis. Aus Ihrem Plan, Geld zu sparen, den richtigen Mann zu finden und Kinder zu haben wird auf die Art nichts. Mit solchen Voraussetzungen spart sie kein Geld und richtige Männer gibt es in der Schweiz auch kaum noch. 80% von denen frönen ihr Erwachsenenleben lieber als Bubi. Dieses Thema allerdings, spare ich dann für ein ander Blog.

Meinen Traum, eine Gruppe von jungen Studenten zusammenzubringen, die gemeinsam ihre Artenkenntnis aufbauen, muss ich wohl begraben. Sie sehen den Nutzen nicht, verstehen augenscheinlich nicht, dass sie später nie mehr so günstige Verhältnisse vorfinden werden, mit sovielen begabten, fähigen, ähnlich gesinnten Leuten so nahe beieinander.

Sie meinen ale im ernst: „Das kann man nach dem Studium immer noch selber lernen.“
Worauf eben die Antwort dieser meiner Kollegin kommt: „So wie ich auch! Ich habe das auch gemeint!“

Ihnen hat man den ganzen Gymer und jetzt mehrere Jahre Uni hindurch die Birne gefüllt mit dem Geschwätz von der „Biodiversität“. Wie divers unsere Flora und Fauna sind, wie reich die Formen, wie verschieden die Standorte und die Anpassung daran, davon haben sie nicht einmal ansatzweise einen Begriff.

Soviel ist genau genug wenig, um die Leute am Selberdenken, Selberhandeln, sich selber Organisieren zu hindern. Es ist genau die richtige Mischung, um hirnlose Drohnen, anstatt denkenden, erwachsenen Menschen herzuziehen. Das Studium hat seinen Dienst als Hirnwäsche erfüllt. Die Uni als Begründerin einer schönen neuen Welt, Hort hirnloser linker Ideologen.

Wer’s glaubt wird nicht selig, sondern hat einen Hirnschiss! Zu beissen bekommen meine jungen Kollegen auf die Art mit Sicherheit nichts. Sie leben einem gut behüteten Biotop und wissen nichts darüber, was nachher kommt.

Nach einem Tag im Stress als Taxifahrerin, reicht die Aufmerksamkeit dieser Studienkollegin nämlich genau für soviel: Ein paar Serien gucken und dann ab ins Bett. Ihre Diss hat sie ein weiteres mal in die Schublade geräumt. Dort wird sie gelegentlich wieder herumkramen und sich erinnern: „Solches habe ich auch einmal gemeint.“

Ein echtes akademisches Proletariat soll sich zufrieden geben mit ausgepumpten Feierbabenden, wo nichts mehr drinliegt ausser Fernsehglotzen, Biertrinken, sie noch ganz verdummen zu lassen. Ist doch gut, wenn die linken Spinner an den Unis wenigstens das hinbekommen.

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5 Gedanken zu „Keine Birnen, nichts zu beissen.

  1. Ich habe nicht im Geringsten eine Ahnung was Du mit linken Spinnern oder Ideologen meinst.
    Und Biodiversität ist ja gerade der Begriff für „.. .Wie divers unsere Flora und Fauna sind, wie reich die Formen, wie verschieden die Standorte und die Anpassung daran,….“
    Was meinst Du da mit Geschwätz? Die ganze evolutionsbiologische Grundlagenforschung ist nichts anderes als dieses Thema. Da ist die Uni Bern stark!

  2. @Hansli
    Richtig, die Biodiversität ist das Fachwort für die Vielfalt der Arten, der Formen, der Anpassungen. Nur: Wer das nie beobachtet, nie gesammelt, nie bestimmt, nie verglichen hat, der hat schlicht keine Vorstellung wovon er redet. Wenn solche Studenten dann in jeder zweiten Lehrveranstaltung etwas von „Biodiversität“ hören und das für die Prüfungen auswendiglernen, dann schwätzen sie einfach den Naturschutzideologen nach, ohne überhaupt irgendwie kapiert zu haben, was eigentlich in dieser Welt abläuft.

    Die von Dir angesprochene Forschung bekommen sie nur in einem sehr beschränkten Ausschnitt gelehrt. Das eigentliche Studium hier umfasst bis zum Bachelor ein ganz allereinziges Semester. Die übrigen Jahre verbringen sie nicht mit der Vertiefung in das Fachgebiet, sondern mit dem Auswendiglernen eines wirren Wustes von Halbwissen, Halbgegorenen, Halberklärtem. Bis zum Master ist es dann ein zweites Semester an vertiefenden Lehrveranstaltungen und eine Forschungsarbeit, wo sie meistens so eine Art Hilfslaboranten spielen. Was immer sie von der Forschung hier lernen, umfasst genau zwei Semester. Das ist so gut wie nichts.

    In solcherart mickrigen zwei Semestern kann man den Studenten kaum beibringen, worum es in evolutionsbiologischer Grundlagenforschung geht. Es fehlt an allem, am Durchdenken der theoretischen Grundlagen, am Verständnis dafür, wie weit weg von der realen Welt im Feld sich die künstlichen Situationen im Labor, im Versuchsgarten bewegen. Wenn die Uni Bern auf diesem Gebiet stark ist, dann sicher nicht, weil sie die Bachelor- und Masterstudenten darin ausbildet. Wenn das Departement für Biologie in einem Forschungsbereich start ist, dann nur weil es seine Doktoranden, postdocs, Assistenten aus der halben Welt einfliegt.

    Am Schluss von dieser läppischen Schnellbleiche bis zum Master bleiben den Ökologen aus Bern nichts als die Stereotypen, die sie schon aus den WWF-Heftli und der Greenpeace Propagande kennen. Sorry, aber da kommt nichts heraus, ausser hirnlosem, linkem Geschwätz.

  3. Eine grundsätzliche Bemerkung bezüglich Uniausbildung. Zu viele Studenten verwechseln ein Unistudium mit einer Berufsausbildung. Denen würde ich empfehlen nicht an die Uni zu gehen. Die Uni liefert die konzeptionellen Grundlagen die zum Selbststudium anregen sollten. Klar sollte mehr betreffend Taxo gemacht werden, aber das ersetzt das Eigeninteresse nicht.
    Ein zweites Bild von einem Professor als ich abgeschlossen habe: Er hat einen Berg an die Wandtafel gezeichnet. Am Fusse des Berges einen Punkt und gesagt. Dieser Punkt am Fusse des Berges seid ihr zu Studienbeginn. Der Gipfel ist der gewünschte Job. Dann zeichnete er einen zweiten Punkt nach 1/4 des Weges. Ihr seit jetzt nach Studienabschluss dort! Der Weg zum Gipfel ist noch weit und der Weg wird noch steiler.

  4. Ahhh, tut das gut, so einen Spiegel vorgehalten zu kriegen! Habe den Blog jetzt doch gelesen und finde nach wie vor, dass das Ego des Autors beängstigend gross ist. Aber so viel Herzblut muss einer erst mal haben. Du bisch e geile Siech, Jürg, aber on e verruckte! Ich werde auch weiterhin darauf bestehen, mein Herzblut eher der vollen Seite des Glases zu widmen, auch wenn ich mich damit als eine dieser von dir mit so viel Verve verschrieenen Idealistinnen diskreditiere 🙂

  5. @bärnermüntschi
    Danke für die Komplimente.

    Mit Idealistinnen habe ich kein Problem. Ich bin selber Idealist, sonst würde ich mich nicht dafür einsetzen, dass

    a) meine Studienkollegen in die Zukunft denken, sich informieren über die Berufswelt jenseits der Uni, ihre Ausbildung gezielt selbständig vervollständigen.

    b) die Professoren wieder anfangen, zu unterrichten und ein brauchbares Curriculum für die Masterstudenten zusammenstellen und darüber nachdenken, was ein Ökologen können soll.

    Hingegen habe ich ein Problem mit Reailtätsverweigerern, mit Ideologinnen, mit Weltverbesserern.

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